Automobil-Zulieferer in der Krise

Neues Bangen um Arbeitsplätze auch in weiteren Bereichen von Bosch in Hildesheim

Hildesheim - Nicht nur im Elektromotoren-Werk von Bosch im Hildesheimer Wald drohen massive Einschnitte – auch bei den Software-Spezialisten will das Unternehmen deutlich stärker einsparen als bislang bekannt.

Bei den Software-Spezialisten von Bosch im Hildesheimer Wald droht wie auch im Elektromotoren-Werk ein Personalabbau. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Seit einigen Tagen ist bekannt, dass Bosch in seinem Elektromotoren-Werk im Hildesheimer Wald in den nächsten Jahren 750 Arbeitsplätze und damit mehr als die Hälfte aller Stellen abbauen will. Nun gibt es offenbar weitere Kürzungspläne, die die Software-Spezialisten im Bereich Bosch XC (früher Bosch Car Multimedia) betreffen. Der Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall schlagen jetzt nach einer Betriebsversammlung am Standort Alarm – und fordern die Firmenspitze gerade angesichts der Situation im benachbarten Werk zum Umdenken auf, um noch mehr Schaden vom Bosch-Standort Hildesheim insgesamt abzuwenden.

Im Sommer noch harmloser

Bosch hatte Arbeitnehmer-Vertretern und Belegschaft zuvor mitgeteilt, im Geschäftsbereich XC weltweit 3500 Stellen abbauen zu wollen, davon die Hälfte an deutschen Standorten – und zwar bis Ende des Jahres 2027. Zahlen dazu, in welchem Maße das einzelne Niederlassungen und damit auch Hildesheim betreffen soll, gibt es allerdings noch nicht, zumindest nicht öffentlich.

Die neuen Pläne betreffen jedenfalls deutlich mehr Arbeitsplätze als die ursprünglichen Pläne von Bosch. Anfang des Jahres hatte das Unternehmen angekündigt, im fraglichen Geschäftsbereich bis Ende 2025 rund 950 Arbeitsplätze streichen zu wollen. Die Belegschaft wehrte sich, nach intensiven Verhandlungen kam es zu einem Kompromiss. Der Stellenabbau sollte nur noch 750 Jobs betreffen. Zudem schlossen beide Seiten eine Vereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2029 ausschließt. Das hieß: Der geplante Stellenabbau hätte über natürliche Fluktuation, Altersteilzeit und Abfindungen organisiert werden müssen. Grund für das Vorhaben damals: Für Bosch wichtige Zukunftstechnologien wie das Autonome Fahren setzen sich bislang nicht wie von der Firma einst erwartet durch.

„Nicht leicht“, aber nötig?

Doch angesichts der Krise auf dem Automobilmarkt ist Bosch mit diesem Abbauprogramm nun nicht mehr zufrieden: „Die erforderlichen Maßnahmen fallen uns nicht leicht, sind aber notwendig“, erklärte das Unternehmen nun uns versprach: „Wir werden diese gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern und so sozialverträglich wie möglich gestalten.“

Die Arbeitnehmerseite reagiert darauf sehr kritisch: „Im Juli hatten wir noch die Hoffnung, dass die Zukunftsperspektiven weiterhin berechtigt sind“, erinnert sich Kerstin Mai. Sie ist nicht nur seit Jahren Vorsitzende des Betriebsrats von Bosch XC in Hildesheim, sondern führt auch den Konzernbetriebsrat an. „Jetzt sind wir in sehr großer Sorge, dass aus Kostengründen nicht nur die Arbeitsplätze der Mitarbeiter gefährdet werden, sondern auch die Zukunftsfähigkeit des Standortes in Frage gestellt wird!“ Es sei „an der Zeit, Verantwortung zu übernehmen und die Mitarbeiter wieder als wertvolle Ressource anzuerkennen, anstatt sie als Kostenfaktor zu betrachten“.

Sorge um Hildesheim

Aus der Hildesheimer Perspektive steht der Betriebsrat den Plänen besonders kritisch gegenüber – gerade angesichts der massiven Kürzungspläne für das Elektromotoren-Werk. „Beide Einheiten nutzen die Infrastruktur am Standort gemeinsam, und massive Kürzungen betreffen immer beide Betriebe“, mahnt die Arbeitnehmervertretung.

In diese Richtung argumentiert auch Karoline Kleinschmidt, Erste Bevollmächtigte der Gewerkschaft IG Metall im Raum Hildesheim: „Wir fordern, dass Bosch als der größte Arbeitgeber in der Hildesheimer Region sich dieser Verantwortung bewusst ist!“

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