Entscheidungen sind gefragt

Hildesheimer Modellkommune: Warum die einen mitmachen – und die anderen nicht

Hildesheim - Händler und Gastronomen stehen in Hildesheim vor der Entscheidung, ob sie ab Donnerstag im Rahmen eines Modellprojekte öffnen: Argumente dafür und dagegen.

Markus Heidelberg will die Stühle am Neustädter Markt wieder rausstellen und ab Donnerstag beim Modellprojekt mitmachen. Foto: Julia Moras (Archiv)

Hildesheim - Für Geschäfte und Gastronomie in der Hildesheimer Innenstadt startet am Donnerstag das Modellprojekt „Öffentliches Leben trotz Corona“. Dann haben Cafés und Restaurants die Chance, Gäste mit negativem Coronatest für die Projektphase von drei Wochen nach strengen Spielregeln zu bewirten. Zwar nur draußen, aber immerhin. Und für Geschäfte ist die Teilnahme eine Alternative zur Terminvergabe an Kunden, das sogenannte Click and Meet. Bis Samstagmittag haben sich 31 Unternehmen für das Projekt Modellkommune angemeldet. Viele Inhaber denken noch darüber nach, ob sich das Mitmachen lohnt.

Heidelberg: Endlich wieder Kontakt zu Gästen

Markus Heidelberg vom Café-Restaurant Heidelberg am Neustädter Markt hat sich entschieden: „Wir machen auf, es muss jetzt was passieren.“ Geld sei mit dem dreiwöchigen Projekt wohl nicht zu verdienen, meint er. „Aber wir wollen endlich mal wieder Kontakt zu Gästen haben.“ Und vielleicht ergebe die Auswertung des Projektes Erkenntnisse für eine längerfristige Perspektive.

Kressmann: Lieber Click and Meet

„Wir nehmen mittlerweile jeden Strohhalm dankend an, der wieder ein bisschen mehr Leben in die Stadt bringt“, sagt Axel Kreßmann. Er wird für das Modehaus Kressmann allerdings vorerst keinen Antrag auf Teilnahme am Modellprojekt stellen. „Wir haben viele Stammkunden und mit Click and Meet schon mal gute Erfahrungen gemacht“, erklärt der Geschäftsführer. „Falls sich die Rahmenbedingungen wieder ändern und die Terminvergabe nicht mehr möglich sein sollte, würde ich auch nach einem anderen Strohhalm greifen.“ Das könnte dann auch das Modellprojekt sein, ein Einstieg ist dort auch mittendrin noch möglich.

Arneken Galerie: Viele Mieter machen mit

In der Arneken Galerie gibt es unter den Mietern grundsätzlich viel Sympathie für die Modellkommune, wie Centermanager Holger Höfner berichtet. „Es werden wohl relativ viele unserer Mieter mitmachen“, war am Samstag, fünf Tage vor dem Start, Höfners Einschätzung. Allerdings traut er persönlich dem Frieden noch nicht. „Wir müssen erst einmal abwarten, was in den nächsten Tagen noch so auf Bundesebene entschieden wird.“ Ansonsten sei der Vorlauf für das Modellprojekt trotz der Verschiebung des Starts von Montag auf Donnerstag für manche Händler immer noch zu kurz, erklärt der Centermanager. „Das ist schon mit einem großen organisatorischen Aufwand verbunden.“ Einige Filialisten seien außerdem technisch gar nicht so ausgerüstet, dass sie die Coronatest-Nachweise der Kunden einscannen könnten. Dafür fehlten zum Beispiel beim Personal mancher Läden die nötigen Diensthandys. Höfners Fazit trotz der Schwierigkeiten und des Aufwands: „Alles, was hilft, das Einkaufen einigermaßen zu normalisieren, wird von uns unterstützt.“

Amadeus: Zweifel am Erkenntnisgewinn

Anfänglich war auch Hamun Hirbod, Inhaber des Restaurants Amadeus an der Lilie offen für die Pläne. Doch dann zeichneten sich für ihn immer mehr Hürden ab. Deswegen wird er die Außengastronomie am Amadeus voraussichtlich nicht öffnen. „Wenn das Ganze auf eine längerfristige Perspektive hinarbeiten würde, wären wir natürlich gern Teil der Lösung“, sagt Hirbod. Er habe aber Zweifel, ob die Auswertung wirklich brauchbare Erkenntnisse bringt – dazu seien die Standards in den teilnehmenden Kommunen zu wenig einheitlich und nicht aufeinander abgestimmt. „Der eine untersucht dies, der nächste was ganz anderes.“

In den drei Wochen würde er wahrscheinlich keinen Gewinn machen, sondern noch mehrere tausend Euro drauflegen, fürchtet der Gastronom. „Wir brauchen mehr Personal, müssen stillgelegte Schankanlagen wieder in Betrieb bringen“, nennt er als Beispiel. Und das nach zwölf Monaten geschäftlichem Stillstand. „Wir sind ausgeblutet“, sagt Hirbod. „Da ist nichts mehr übrig. Gerade warten wir wieder auf die Auszahlung von Überbrückungshilfen. Da kann ich nicht so einfach sagen: Jetzt stecke ich erst noch mal richtig Geld ins Geschäft.“ Und auch das lässt Hirbod zweifeln: „Es ist gerade noch viel zu kalt, um draußen zu sitzen.“

  • Hildesheim
  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.