Hildesheim - Der Warenhaus-Konzern Galeria Karstadt Kaufhof steckt offenbar in größeren wirtschaftlichen Nöten als angenommen. Damit müssen Beschäftigte sowie Kundinnen und Kunden auch in Hildesheim wieder um die Zukunft der Filiale in der Innenstadt bangen. Doch auch wenn das Unternehmen die Probleme bewältigen sollte, drohen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern neue Gehaltseinbußen und der Verlust von Arbeitsplatz-Garantien.
Galeria hatte in der vergangenen Woche den derzeit geltenden Sanierungs-Tarifvertrag – offiziell „Integrations- und Überleitungs-Tarifvertrag“ genannt – mit der Gewerkschaft Verdi gekündigt. Das Abkommen regelt nicht nur die Löhne und Gehälter der Beschäftigten inklusive leichter Steigerungen in den nächsten Jahren. Es beinhaltet auch den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen sowie eine Garantie für die bestehenden Galeria-Standorte bis Ende des Jahres 2024.
„Existenzielle Bedeutung“?
Nach der Kündigung ändert sich an den Löhnen und Gehältern erst einmal nichts, allerdings müssen Unternehmen und Gewerkschaft nun „umgehend“ über ein neues Tarifwerk verhandeln.
Wie das „Handelsblatt“ jetzt berichtet, deutet die Kündigung des Tarifvertrages auf existenzielle Probleme beim Warenhaus-Konzern hin. Denn nach dem Wortlaut des Tarifvertrags sei eine solche Kündigung nur möglich, wenn Galeria in einer „existenzbedrohenden wirtschaftlichen Notlage“ steckt. Diese müsse zudem von externen Wirtschaftssachverständigen bestätigt werden. Tatsächlich formulierte Konzernchef Miguel Müllenbach demnach in einem Briefe an die Belegschaft, es gehe um ein „Thema von existenzieller Bedeutung“.
Noch mehr Geld vom Staat?
Galeria leidet offenbar zum einen daran, dass die Kundenzahlen in den Innenstädten immer noch nicht wieder so sind wie zuvor angenommen. Zudem treffen die massiv gestiegenen Energiekosten die ohnehin klamme Warenhaus-Kette. In seinem Brief sagt Müllenbach zusätzliche Ausgaben für Strom und Gas in Höhe von 150 Millionen Euro für die kommenden beiden Jahre voraus. Dabei versucht Galeria bereits zu sparen, etwa durch eine Absenkung der Temperaturen in den Filialen.
Zudem bemüht sich Galeria laut „Handelsblatt“ erneut um Staatshilfen. Aus dem Corona-Rettungsschirm hatte der Konzern bereits 460 Millionen Euro erhalten. Die Begeisterung dafür, dem notorisch in Schwierigkeiten steckenden Unternehmen noch weiter unter die Arme zu greifen, ist in Berlin aber offenbar aktuell nicht sonderlich groß.
Vor zwei Jahren gerettet
Noch im Vorjahr hatte Galeria große Pläne verkündet. Unter anderem wollte die Kette 400 Millionen Euro investieren, um knapp die Hälfte ihrer bundesweit 131 Filialen zu modernisieren und umzubauen. In ersten Niederlassungen ist das auch geschehen. Ob Hildesheim auch dafür vorgesehen ist, ist unklar. Entsprechende Anfragen der HAZ hat das Unternehmen zuletzt nie beantwortet.
Vor gut zwei Jahren stand die Zukunft von Galeria in Hildesheim schon einmal auf der Kippe. Im Rahmen seines Insolvenzplans schloss das Unternehmen Dutzende Niederlassungen in ganz Deutschland. Am 19. Juni 2020 erfuhren die hiesigen Beschäftigten allerdings in einer Betriebsversammlung, dass die Filiale in der Fußgängerzone bestehen bleiben würde. Das sorgte auch bei vielen anderen Innenstadt-Händlern für Erleichterung, galt und gilt doch Galeria trotz aller Probleme immer noch als Publikumsmagnet.
