Hildesheim - Galeria Karstadt Kaufhof will seine Filiale an der Hildesheimer Fußgängerzone weiter betreiben. Das erfuhren die Mitarbeiter am Freitagnachmittag in einer Betriebsversammlung. Das Haus steht nicht auf der Liste mit bundesweit 62 von 172 Niederlassungen, die der Warenhaus-Konzern aufgeben will. In Hannover gibt der Warenhaus-Konzern hingegen die markante Karstadt-Filiale an der Georgstraße zwischen Kröpcke und Steintor auf.
Kein neuer Stellenabbau
Der Hildesheimer Kaufhof-Filiale bleibt auch ein erneuter Personalabbau erspart. Zu Beginn der Verhandlungen mit der Gewerkschaft Ver.di hatte die Kaufhof-Spitze noch angekündigt, in den Filialen, die bleiben, noch einmal zehn Prozent der Arbeitsplätze streichen. Dabei hatte es schon im Vorjahr einen spürbaren Stellenabbau gegeben. Der hatte in Hildesheim unter anderem zur Folge, dass es nicht mehr auf allen Etagen Kassen gibt. Erneute Kürzungen bei der Belegschaft sind nun aber vorerst vom Tisch.
Trotz aller Freude: einfach „Weiter so“ reicht nicht – ein Kommentar von HAZ-Redakteur Tarek Abu Ajamieh
Das Ja zu Hildesheim hatte sich angedeutet. Zwar hatte die Galeria-Spitze am Donnerstagabend angekündigt, ein Drittel ihrer Filialen zu schließen. Doch das war eher ein gutes Signal für Hildesheim. Schließlich hatten die Verantwortlichen vor einigen Wochen noch davon gesprochen, 80 Niederlassungen aufzugeben. Zudem galt die Hildesheimer Filiale in der Vergangenheit nicht als Verlustbringer. Fachleute hatten schon im Vorfeld vor allem mit Schließungen in Großstädten mit mehreren Karstadt- und Kaufhof-Filialen sowie in in kleineren Städten gerechnet.
Hannover, Goslar und Braunschweig betroffen
Tatsächlich trifft es neben der Karstadt-Filiale in Hannover unter anderem den Kaufhof in Braunschweig sowie Karstadt in Goslar. Zudem steht in Niedersachsen der Kaufhof in Osnabrück auf der Streichliste. Wann genau die Filialen geschlossen werden, steht noch nicht fest. Insgesamt verlieren voraussichtlich 7500 Mitarbeiter ihre Jobs. Für sie soll es eine Transfergesellschaft geben.
Kaufhaus-Rettung: Das sagen Kunden, Händler und der Oberbürgermeister.
Für Hildesheims Innenstadt ist Kaufhof traditionell von großer Bedeutung: Das Warenhaus lockt neben der Arneken Galerie die meisten Kunden in die Fußgängerzone, Handelsexperten sprechen von einem „Frequenzbringer“. Dessen mögliches Aus hatten Hildesheimer Einzelhändler schon im Vorfeld als Katastrophe für die Innenstadt bezeichnet. Auch die Chefs der Arneken Galerie hatten auf einen Verbleib gehofft.
Die Schließung von 62 Filialen ist Teil des Insolvenzplans, mit dem Galeria Karstadt Kaufhof dauerhaft gesichert werden soll. Der Konzern ist seit Jahren angeschlagen, die Corona-Krise mit ihren massiven Umsatzeinbußen durch die Zeit der Schließung und danach – noch immer sind durchschnittlich spürbar weniger Kunden in den Filialen unterwegs als vor der Krise – hatte die Lage noch einmal verschärft.
Institution in Hildesheim
In Hildesheim gilt Kaufhof als Institution mit langer Geschichte: 1957 wurde in der Almsstraße 41 zunächst eine Filiale der Merkur-Kette eröffnet. Anfang der 70er Jahre übernahm der Unternehmer Helmut Horten, ließ das Geschäftshaus abreißen und das heutige, markante Gebäude errichten. Noch heute sprechen viele Hildesheimer davon, zum Einkaufen „nach Horten“ zu gehen.

