Rasante Abfahrten

Nils Klasen baut Mountainbike-Trails in Alfeld und ganz Deutschland: Runter kommt er immer und überall

Alfeld/Bodenburg - Als Kind hat der Bodenburger Nils Klasen Murmelbahnen gebaut, jetzt arbeitet er deutschlandweit in Bike-Parks und erstellt Downhill-Trails – auch drei Strecken in Alfeld: Revierförster Clemens Kurth und die SV Alfeld unterstützen das Projekt.

Alfeld/Bodenburg - Es gibt eine unumstößliche Regel für den Bodenburger Nils Klasen: „Ich fahre nur einen Berg hinauf, wenn es sich anschließend auch lohnt, ihn herunterzufahren!“ Kein Wunder, denn der Mann ist Downhill-Fahrer und Mountainbike-Streckenbauer. Bei ihm ist Bergab-Fahren Programm. Am liebsten auf einem anspruchsvollen Trail mit vielen Sprüngen und steilen, engen Kurven.

Klasen parkt seinen erst kürzlich gekauften, weißen Transporter am Ende der Straße Am Heitkamp in Alfeld. Er steigt in den Laderaum und lädt sein Mountainbike aus. Vor ihm erhebt sich ein kleiner Berg. Klasen schwingt sich aufs Rad, die linke Hand hat er am Lenker, in der rechten trägt er Schaufel, Harke und Hacke. Oben auf dem Berg angekommen, legt er die Geräte beiseite, und dann geht es hinab.

Um hinunter zu fahren, nimmt der 27-Jährige freilich die schwerste Strecke, und zwar die von ihm so getaufte Corona-Line. Im oberen Teilstück kommt er mit Karacho aus einer Steilkurve und rast auf eine Sprungschanze zu. Klasen hebt mit seinem Carbon-Rad gut drei Meter in die Höhe ab und legt sich in der Luft ein wenig quer – weil es Spaß macht und gut aussieht. Dann landet er sicher auf der anderen Seite der Schanze und düst weiter den Trail bergab.

Es gibt auf der Corona-Line 15 solcher Sprünge, dazu viele andere Schwierigkeiten. Klasen kennt sie alle aus dem Effeff: Er hat die schwere C-Line, dazu noch zwei weitere Strecken am Berg gebaut. Der Bodenburger fährt richtig gut Downhill, hat 2022 die Gesamtwertung der internationalen Rennserie IXS-Downhill-Cup in der Herren-Elite-Klasse gewonnen. Das Preisgeld deckt seinerzeit so eben die Startkosten der Serie ab. „Ich habe auch Sponsoren: den Schmierstoffhersteller MOTUL, den MTB-Ausrüster Fox Head und den Reifenhersteller Goodyear Bicycle Tires.“

Meine Bezahlung hier in Alfeld ist die Selbstverwirklichung

Nils Klasen, MTB-Streckenbauer

Hauptberuflich ist Nils Klasen aber nicht Sportler, sondern Streckenbauer. Davon lebt er. „Das kann man ganz gut.“ Übrigens ist er nicht irgendein Streckenbauer, sondern deutschlandweit unterwegs. Seine Dienste werden unter anderem im Kasseler Bike-Park, in Willingen und auch für die Green-Trails Diemelsee benötigt.

Das Projekt in Alfeld nennt er „seine Herzensangelegenheit“. Das betreut er ehrenamtlich. „Meine Bezahlung hier ist die Selbstverwirklichung“, meint er und grinst.

SV Alfeld und Stadt mit im Boot

Strecken bauen ist schon als Kind sein Ding gewesen. „Ich hatte früher viele Murmeln, und für die bastelte ich im Sand oder sonstwo Abfahrten“, erinnert sich Nils Klasen. „Und später auf dem Goethegymnasium war ich in so einem Laptop-Kursus. Ich suchte mir meistens Spiele, bei denen ich am Rechner Rennstrecken erstellen konnte.“

Die Trails in Alfeld hat er ganz offiziell errichtet, nicht heimlich irgendwo illegal im Wald. Das Ganze geschieht in Zusammenarbeit mit der SV Alfeld (SVA). Die Fläche am Berg gehört der Stadt, die wiederum gestattet dem Sportverein vertraglich, das Gelände hinter der Straße Am Heitkamp zu nutzen – in Abstimmung mit Revierförster Clemens Kurth. Der Verein erlaubt und beauftragt Klasen, sich um den kleinen Bike-Park zu kümmern.

„Es gibt in der Gegend um Alfeld und eigentlich überall da, wo es bergig ist, illegale Trails, und das bedeutet auch meistens Ärger“, sagt Nils Klasen. „Ich wollte einen bauen, auf dem ganz offiziell gefahren werden darf. Doch noch ist diese Anlage nicht richtig bekannt.“ Allerdings dürfen aus Versicherungsgründen nur Vereinsmitglieder der SVA das Angebot nutzen.

Die Strecken sind größtenteils in der Corona-Phase entstanden – deshalb auch der Name Corona-Line. Obwohl so ein Projekt nie richtig fertig wird. Es gibt immer etwas zu verbessern und reparieren. „Ab und an helfen mir auch andere Fahrer, doch rund 95 Prozent des Ganzen habe ich selbst gebaut“, sagt Klasen.

Bei diesem Projekt in Alfeld läuft das anders: nämlich vorbildlich. Mit Nils Klasen und dem Verein gibt es feste, kompetente Ansprechpartner

Revierförster Clemens Kurth

Eine ordentliche Maloche. Für eine Sprungschanze gehen gut und gern 15 Stunden drauf. Den schweren Lehmboden befördert Klasen mit Schippe und Karre dahin, wo er hin soll. „Es ist hierfür kein Tropfen Diesel von einem Bagger verbrannt und auch kein künstliches Material verwendet worden“, unterstreicht Nils Klasen. Wenn er Gegenstände zum Abstützen oder Sichern braucht, nimmt er das, was er vorfindet – große Steine oder Stämme von abgestorbenen Bäumen.

Revierförster Kurth steht voll hinter den Strecken. Sei es beim Naturschutz oder der Versicherungspflicht. Meist gibt es sonst Ärger mit Mountainbikern, die irgendwo im Wald Trails, wilde Strecken und Rampen bauen. „Bei diesem Projekt in Alfeld läuft das anders: nämlich vorbildlich“, lobt Kurth. „Mit Nils Klasen und dem Verein gibt es feste, kompetente Ansprechpartner, alles wird abgestimmt.“ Der Förster hat vor dem Bau auch die Untere Naturschutzbehörde eingeschaltet. „Es gab eine Ortsbegehung und das Okay von der Behörde. Seit wir diese MTB-Anlage haben, haben wir in der Gegend auch deutlich weniger illegale Trails.“

Streckenbauer Klasen zeigt am Berg auf eine Rampe. „Da ist etwas lose, da muss ich ran.“ Später will er sich das Malheur genauer ansehen, dann bewaffnet mit Hacke und Schaufel. Fragt sich, ob er sein Leben lange Trails und Bike-Parks erstellen will? „Warum nicht? Das ist doch ein Traum“, meint der 27-Jährige. Doch letztlich wolle er gar nicht so weit denken „Warum soll ich mir jetzt schon einen Kopf machen, was in zehn Jahren ist? Aber es ist schon auch beruhigend, dass ich noch eine andere Ausbildung in der Tasche habe.“ Nils Klasen ist nämlich Physiotherapeut. Gelernt hat er den Beruf in der Praxis seines Vaters: bei REHAteamgeist in Hildesheim.

Wenn ich so vor mich hinbaue, bin ich ganz bei mir

Nils Klasen, MTB-Streckenbauer

Er wirkt entspannt und zupackend gleichermaßen: „Wenn ich so vor mich hinbaue, bin ich ganz bei mir.“ Klasen kann sich in seiner Arbeit verlieren. „Ich glaube, das macht mich auch so ausgeglichen. Die körperliche Maloche, der Sport, die frische Luft“, sagt er.

Noch einmal zurück zu Klasens unumstößlicher Regel – von wegen nur hochfahren, wenn sich die Abfahrt danach auch lohnt. Viele Mountainbiker quälen sich gern die Berge hinauf und sind anschließend stolz, etliche Höhenmeter überwunden zu haben. Klasen dazu: „Vielleicht finde ich daran Spaß, wenn ich älter bin und Downhill nicht mehr das Richtige für mich ist. Das ist ja das schöne am Radsport: Es gibt zig Möglichkeiten, sich auszuprobieren und sich zu beweisen.“

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