Kreis Hildesheim - Noch immer warten mehr als 4000 Einwohner des Landkreises Hildesheim, die 80 Jahre oder älter sind, auf einen Impf-Termin. Am Mittwoch standen noch insgesamt 4103 Senioren auf den Wartelisten der Impfzentren in Hildesheim und Alfeld. Das hat der Landkreis auf HAZ-Anfrage erklärt. Tags zuvor waren es sogar noch mehr als 6000, weitere Impfungen und die Vergabe von 1680 neuen Terminen am Dienstagabend ließen die Zahl deutlich sinken.
Dabei gibt es deutliche Unterschiede: Die Alfelder Warteliste ist fast abgearbeitet, dort sind noch 247 Senioren ohne Termin. In Hildesheim waren es am Mittwoch hingegen noch 3856 Personen. Ein Grund dürfte sein, dass die Kapazitäten beider Einrichtungen ähnlich sind, das Hildesheimer Impfzentrum aber für deutlich mehr Einwohner zuständig ist.
Zweite Gruppe wartet weiter
Das war zunächst anders – doch nach Protesten wurden Einwohner vieler Kommunen im West- und Südkreis nachträglich Hildesheim statt Alfeld zugeordnet. Allerdings hat das Hildesheimer Impfzentrum nach dem Umzug in die alte Tüpker-Halle vor einer Woche nun eine größere Kapazität. Und der Landkreis will nun für Alfeld vorgesehenen Impfstoff zusätzlich in Hildesheim einsetzen, braucht dafür aber die formale Zustimmung des Landes.
Die Zahlen bedeuten aber auch: Der von Sozialministerin Daniela Behrens angekündigte Impfstart für die Altersgruppe 70 bis 79 Jahre wird im Landkreis Hildesheim noch auf sich warten lassen. Denn nach wie vor sind in Deutschland nur die Impfstoffe von Biontech und Moderna für Menschen über 65 zugelassen. Moderna steht nur in ganz geringen Mengen zur Verfügung, auch Biontech ist knapp.
Auch Nachbarn haben Probleme
„Es ist noch nicht absehbar, wann die Impfungen der Einwohner ab 80 Jahren abgeschlossen sind“, erklärte der Landkreis auf Nachfrage. Es scheint im Moment so, als könnte das noch den ganzen März in Anspruch nehmen. Das hänge „maßgeblich von der Verfügbarkeit der Impfstoffe ab“. In der nächsten Woche würden allerdings zwei weitere Biontech-Lieferungen erwartet. Landkreis-Sprecherin Sabine Levonen betont indes, dass in Alfeld nicht die Impfung der ab 70-Jährigen beginnt, bevor in Hildesheim die ab 80-Jährigen versorgt sind: „Wir sehen den Landkreis als Einheit.“
Auch andere Landkreise sind noch immer bei der höchsten Priorität, wie eine HAZ-Umfrage in den benachbarten Kreisen ergab. Der Landkreis Holzminden geht zum Beispiel davon aus, dass die Impfung der Einwohner ab 80 Jahren bis deutlich in den April hinein dauert. Die Verantwortlichen wären schon froh, bis Ende März mit den Heimen fertig zu sein. Eine Rolle spielt dabei auch der Anteil der Impfberechtigten der höchsten Priorität an der Gesamtbevölkerung.
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Der Landkreis Goslar nennt zwar keinen Zeitpunkt, bekundet aber, dass noch mehr als 3000 Senioren ab 80 Jahren auf seiner Warteliste stehen. Der Kreis Peine hingegen meldete, die Warteliste sei leer. Offenbar haben also alle Senioren ab 80, die sich impfen lassen wollen, zumindest einen Termin. Wann die Impfungen abgeschlossen sind, ist aber auch in Peine offen.
Debakel in Salzgitter
Richtig schlecht ist im Vergleich die Lage in Salzgitter: Die Stadt hat nach eigenen Angaben 7894 Senioren über 80, die nicht in Pflegeheimen leben, angeschrieben. Lediglich 1925 von ihnen bisher die Erstimpfung erhalten, das ist ein Viertel. Von Zweitimpfungen ist noch gar nicht die Rede. Weitere 2557 Impfungen sind terminiert, 703 Bürger stehen noch auf der Warteliste. „2709 Personen haben sich noch nicht gemeldet“, berichtet eine Stadt-Sprecherin.
