Operation

Non-Binäre Lilo aus Hildesheim hat sich die Brüste entfernen lassen – so geht es der 28-Jährigen jetzt

Hildesheim - Lilo ist nicht-binär und spricht auch offen darüber. Bewusst hat sich die 28-Jährige dazu entschieden, sich die Brüste abnehmen zu lassen. Mittlerweile hat die gebürtige Hildesheimerin die Operation überstanden. Wie geht es ihr heute – und wie hat sich ihr Leben in den vergangenen Monaten verändert? (mit Video)

Lilo hat sich an ihren neuen Oberkörper gewöhnt – und strahlt nun. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Neun Monate sind vergangen, seit Lilo Berkmann in einer Klinik in Düsseldorf aufwacht. Im Nachbarbett liegt ein anderer Patient, der den gleichen Eingriff wie Lilo hatte. „Sind sie weg?“, fragt er, ein bisschen panisch, ein bisschen amüsiert. Lilo nickt. „Meine auch?“, fragt sie zurück. Er nickt. Und Lilo weint vor Erleichterung, weil ihr, wie sie sagt, endlich eine Last abgenommen wurde.

Lilo, gebürtig aus Hildesheim, ist nicht-binär, das heißt, sie identifiziert sich weder als Frau, noch als Mann. Ihre Pronomen sind ihr egal, sie sagt: Jeder soll Lilo so ansprechen, wie er oder sie mag. Lilo nimmt kein Testosteron, will im Intimbereich auch keine geschlechtsangleichende Operation machen lassen. Aber: Die Brüste, die haben sich immer schon falsch, fehl am Platz angefühlt. Also entschließt sie sich voriges Jahr, den Schritt zu wagen – den Widrigkeiten zum Trotz. Denn anders als für Transmenschen übernimmt die Krankenkasse bei nicht-binären Personen die angleichenden Operationen nicht. Nicht-binäre Menschen fallen durch das Raster – ein Unding, findet Lilo.

Lilo fühlt sich freier

Noch vor einem Jahr trug Lilo im Sommer lockere Hemden über dem T-Shirt, um ihre Oberweite zu kaschieren, verschränkte im Gespräch die Arme vor der Brust. Das Gefühl, sich im eigenen Körper nicht wohlzufühlen, war ihr ins Gesicht geschrieben. Nun, wo die Narben verheilt sind und Lilo sich an ihren neuen Oberkörper gewöhnt hat, strahlt sie, wirkt angekommen im eigenen Körper. „Mir geht es super“, sagt Lilo. „Ich kann nicht beschreiben, wie sehr das mein Leben verändert hat.“ Lilo hat nun nicht mehr das Bedürfnis, sich zu verstecken, fühlt sich freier. Das merkt auch ihr Umfeld. „Lilo ist selbstbewusster, die Haltung ist ganz anders“, sagt Lebensgefährtin Jenny, die gemeinsam mit Lilo und der sechsjährigen Tochter mittlerweile in einem Haus in Bodenwerder im Kreis Holzminden lebt.

Auch ihre Patienten und Patientinnen bemerken Lilos neue Ausstrahlung. Die 28-Jährige arbeitet nach wie vor in der ambulanten Pflege, hat im Dezember aber den Arbeitgeber gewechselt. Die früheren Vorgesetzten wollten nicht, dass sie offen darüber redet, non-binär zu sein. Nun aber darf sie auf neugierige Fragen der Patienten und Patientinnen antworten – und Interesse haben die durchaus. Lilo sagt, es sind gerade die älteren Generationen, die offen mit ihr umgehen. „Die älteren Leute haben Respekt davor, haben Interesse und finden es mutig“, sagt Lilo. „Leute in meinem Alter oder etwas älter, die haben mehr ein Problem damit. Da bekommt man Blicke, die unter die Haut gehen – das merkt man.“

Änderung im Personalausweis

Nun kann Lilo es kaum mehr abwarten, bis auch in ihrem Personalausweis schwarz auf weiß steht, dass sie weder männlich noch weiblich ist. Das Gesetz zur Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag tritt zum 1. November 2024 in Kraft, drei Monate vorher kann Lilo einen Antrag auf eine Änderung stellen. Noch steht in ihrem Ausweis ihr Geburtsname Viviane, Geschlecht: weiblich. Wenn der Name Lilo bei den Ämtern durchgeht, soll der bald auf dem Ausweis stehen. Geschlecht: Divers.

Lilo hofft, dass mit der Gesetzesänderung auch Krankenkassen nachziehen müssen, was den Status nicht-binärer Personen anbelangt. „Es ändert viel, wenn sich auf dem Perso was ändert“, sagt Lilo. „Es sind zwar nur kleine Veränderungen, aber die bedeuten viel.“

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