Einzelhandel

Norwegischer Online-Supermarkt gibt schon wieder auf – auch in Stadt und Kreis Hildesheim

Hildesheim - Seit einer Woche liefert die Oda – doch bald ist schon wieder Schluss. Offenbar haben sich die Chefs des Unternehmens den Einstieg in Deutschland einfacher vorgestellt. Nun gibt es eine radikale Kehrtwende.

Bald schon wieder vorbei: Oda liefert nur noch bis Monatsende Einkäufe im Raum Hildesheim und in ganz Deutschland aus. Foto: HAZ-Archiv

Hildesheim - Erst vor wenigen Tagen hat der norwegische Online-Supermarkt Oda sein Liefergebiet auf die Stadt Hildesheim und mehrere Städte und Gemeinden im nördlichen Landkreis ausgeweitet – da ist auch schon wieder Schluss mit dem Angebot. Zum Monatsende stellt Oda den Betrieb in Deutschland ein und begründet das zumindest verklausuliert mit finanziellen Schwierigkeiten. Offenbar gewann das Unternehmen nicht schnell genug ausreichend Kunden.

„Grundstein für Ausweitung in ganz Norddeutschland“

Oda, vor zehn Jahren gegründet und in Norwegen schnell erfolgreich, war zu Jahresbeginn in den deutschen Markt eingestiegen, zunächst in Berlin. Das Unternehmen verkündete große Pläne. Man wolle als reiner Online-Supermarkt mit einem Sortiment von rund 9000 Produkten schnell expandieren, der große deutsche Markt mit seinem vergleichsweise geringen Online-Anteil im Lebensmittel-Handel biete große Wachstumschancen.

Tatsächlich trieb Oda die Ausweitung seines Geschäftsgebietes voran. Zunächst von Berlin nach Brandenburg, dann mithilfe eines großen Logistikzentrums in Braunschweig auch in Niedersachsen. Zeitweise kamen fast wöchentlich neue Liefer-Regionen hinzu: Hannover, Wolfsburg, Salzgitter und erst vor einer Woche auch Hildesheim. Oda nahm die Kreisstadt selbst sowie die Städte und Gemeinden Sarstedt, Giesen, Algermissen, Harsum, Schellerten und Söhlde in ihr Liefergebiet auf, warb vor allem in den sozialen Medien um Kunden. Nach eigenem Bekunden sollte die Offensive im östlichen Niedersachsen „den Grundstein für großflächiges zukünftiges Wachstum in Norddeutschland“ legen.

Nicht schnell genug profitabel

Doch für diejenigen, die darauf eingingen, dürfte die erste Bestellung ein einmaliges Erlebnis bleiben. Denn am Mittwoch verkündete Oda die große Kehrtwende. „Oda stellt sein Endkundengeschäft in Deutschland ein. Ab dem 30. Juni können Kundinnen und Kunden dort keine Bestellungen mehr aufgeben“, verkündete das Unternehmen. Bislang 167 Beschäftigte, davon mehrere Dutzend im Verteilzentrum Braunschweig, müssen sich schon wieder neue Arbeitsplätze suchen.

„Wir müssen uns im derzeit schwierigen Finanzierungsumfeld neu aufstellen“, ließ sich Oda-Chef Karl Munthe-Kaas in der Pressemitteilung zitieren. Was das bedeutet, machte eine Sprecherin auf HAZ-Nachfrage deutlicher: 18 000 Kundinnen und Kunden hatte der Online-Supermarkt seit Jahresbeginn in Deutschland insgesamt gewonnen – zu wenig für die Expansionspläne der Firma: „Wir konnten das Endkundengeschäft in Deutschland einfach nicht schnell genug skalieren, um kurzfristig profitabel zu werden“, erklärte die Oda-Vertreterin.

Künftig nur noch Logistik?

Schnell in die schwarzen Zahlen zu kommen, war aber offenbar Teil des Plans. Der ging indes nicht nur in Deutschland nicht auf – auch in Finnland stellt Oda seinen Online-Supermarkt wieder ein. Generell will sich das Unternehmen nun stärker darauf fokussieren, sich als Logistik-Dienstleister für andere Unternehmen anzubieten. Ob auch in Deutschland, prüft die Firma nach eigenem Bekunden noch.

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