Hannover - Knapp sechs Monate nach der Schließung von Restaurants und Hotels zeigt sich eine dramatische Lage im Gastgewerbe. „Es ist eine aussichtslose Situation, wir brauchen eine Öffnungsperspektive“, sagte Rainer Balke, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Niedersachsen. Knapp 25 Prozent der Gastrobetriebe ständen direkt vor der Geschäftsaufgabe, rund drei Viertel der Betriebe hätten existenzielle Probleme. „Die letzten Mittel sind aufgebraucht. Sie stehen auf der Klippe und sind kurz vor dem Absturz“, so Balke. „Je länger sich die Öffnungen hinziehen, desto schwerer wird es für die Betriebe.“
Balke: Nicht nur auf die Inzidenz schauen
In Niedersachsen gibt es nach Angaben des Dehoga rund 20 .000 Gastrobetriebe, rund 6500 davon sind Mitglied im Verband. Seit November 2020 dürfen Gastronomen Gerichte nur noch zum Mitnehmen verkaufen, in Hotels sind touristische Übernachtungen seitdem verboten. Diese Maßnahmen sollen die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen.
Mit einer Protestaktion wollen etliche Betriebe nun erneut auf ihre Lage aufmerksam machen: Sie schicken leere Kochtöpfe an Landes- und an Bundespolitiker. Und sie bitten die Politik dringend um „neue Rezepturen“ für einen Weg aus der Krise, damit die Kochtöpfe später wieder mit Speisen befüllt werden können.
100.000 Beschäftigte der Branche in Kurzarbeit
Stark gestiegene Arbeitslosenzahlen verzeichne die Gastrobranche bislang zwar nicht, so der Dehoga-Hauptgeschäftsführer. Viele der rund 100.000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten befänden sich aber in Kurzarbeit. Weitere 100.000 Menschen in Niedersachsen waren vor der Corona-Krise geringfügig in Hotels und Restaurants beschäftigt und haben keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Daher hätten sich zahlreiche Menschen mittlerweile beruflich neu orientiert. „Da bleibt ein großer Unsicherheitsfaktor, ob sie nach der Krise wieder zurückkommen“, sagte Balke.
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Altmaier will länger unterstützen
In der Ausbildung macht sich die Corona-Pandemie ebenfalls bemerkbar. Wegen der unsicheren Lage sei die Zahl der Neueinstellungen bei den Azubis um 48 Prozent weggebrochen, so Balke. Auch das Außer-Haus-Geschäft könne die Lage der Gastronomen nicht retten. „Das ist ein Zubrotgeschäft und reduziert nur die Verluste“, sagte Balke. Es ließen sich meist nur 20 bis 25 Prozent der normalen Umsätze erzielen.
Mit staatlichen Hilfsleistungen wie den Überbrückungshilfen unterstützt die Bundesregierung die Betriebe seit dem vergangenen Jahr. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sicherte der Wirtschaft vor wenigen Tagen weitere Hilfen zu. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie hätten starke Auswirkungen auf Gastronomie und Hotellerie, sagte Altmaier den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Ich kämpfe dafür, dass unser erfolgreiches und wirksames Hilfsprogramm, die sogenannte Überbrückungshilfe III, über den Juni hinaus bis zum Ende des Jahres verlängert wird.“
Von Maximilian Hett
