Hildesheim - Das Ortsschild von Itzum ist eine graue Tafel mit dem Schriftzug „Itzum – Herzlich Willkommen“ – an einem Stein befestigt. Aktuell steht das Schild vor einem Feld – dem Wasserkamp. Es könnte aber bald mitten in Itzum stehen, direkt vor einem neuen Wohngebiet auf dem Wasserkamp. In der Sitzung am Dienstag berichtete Stadt-Planungsamts-Chefin Sandra Brouër dem Ortsrat Itzum-Marienburg über den Stand der Planungen. Es wurden die Büros Drees & Sommer Lokation:S und MLA+ eingeschaltet – sie sollen einen ausführlichen Plan erarbeiten.
Denn wie der Wasserkamp in Zukunft genau aussehen soll, ist weiter unklar. Etwa 600 bis 700 Wohneinheiten sollen gebaut werden – wovon 25 Prozent sozialer Wohnungsbau sein sollen. Die Stadt hat die im Jahr 2019 geschätzten Gesamtkosten von rund 41,5 Millionen Euro in diesem Jahr auf 46,5 Millionen Euro angehoben. Insgesamt hat die Stadt bisher rund 8 Millionen Euro ausgegeben, erklärte Brouër.
Bezahlbar bleiben
„Doch wann rentiert sich das Baugebiet nicht mehr?“, fragte Ortsratsmitglied Rene Laske. Dies ist laut Brouër nicht absehbar. Jedenfalls „muss es von einem normalen Menschen noch bezahlt werden können“, erklärte sie. Momentan schätzt die Stadt die Preise pro Quadratmeter auf 240 bis 260 Euro. „Wenn man irgendwann auf Berliner Preise kommt, braucht man nicht mehr in die Entwicklung einsteigen“, erklärt Brouër.
Unsicher sieht es auch beim Hochwasserschutz aus, erklärte der Zuständige für Hochwasserschutz bei der Stadt, Heinz Habenicht. Zwar sei seit der großen Überflutung im Jahr 2017, die insbesondere Marienburg und Teile von Altitzum getroffen hatte, schon so manches getan worden, aber viele Maßnahmen seien auch noch auf der Strecke geblieben. Das Problem meistens: Es muss für notwendige Förderungen vom Land die Wirtschaftlichkeit nachgewiesen werden. Das heißt, dass die geschätzten Schäden höher sein müssen als die Kosten für den Hochwasserschutz, erklärte Habenicht.
Fakten der Untersuchungen werden angezweifelt
Dazu komme ein größeres Problem: Laut einer vorläufigen Karte der Untersuchungen für ein 100-jähriges Hochwasser ist nur ein einziges Haus in Marienburg hochwassergefährdet. „Das kann doch gar nicht sein. Im Jahr 2017 ist viel eher ein einziges Haus nicht abgesoffen“, warf die Ortsbürgermeisterin Beate König ein. „Der theoretische Plan passt nicht mit der Wirklichkeit überein“, stimmte auch Habenicht hinzu. Er will sich mit dem Ergebnis der Untersuchung nicht zufriedengeben. Der vorläufige Plan bedeutet auch, dass momentan die Kosten für den Schutz nicht höher als die Kosten für das eine Gebäude sein dürften.
Die wichtigste aktuell laufende Maßnahme ist laut Habenicht die mögliche Anschaffung von acht Retentionsflächen an der Innerste, wovon die nächstgelegene in Itzum ist.
Genau prüfen möchte der Ortsrat die Zukunft des alten Silos in Marienburg, direkt an der Abzweigung der Domänenstraße. Die Stadt plant laut Vertreterin Kristina Bootsmann, das Silo bald zu veräußern. Der Ortsrat möchte das Silo begutachten und eventuell einen Industriedenkmalschutz beantragen.
Ehrung für König
Ortsbürgermeisterin Beate König erhielt für 15 Jahre im Ortsrat, davon fünf Jahre als stellvertretende Ortsbürgermeisterin und zehn Jahre als Ortsbürgermeisterin, eine Urkunde und den Kreuzbrakteat zum Anstecken von Oberbürgermeister Ingo Meyer.
Von Valentin Brendler
