Mitteilung im Ortsrat

Hildesheimer Baugebiet Wasserkamp: Stadt erhöht geplante Grundstückspreise

Hildesheim - Deutliche Preissteigerung, aktueller Zeitplan: Sandra Brouër, Planungsamtschefin bei der Stadt Hildesheim, hat sich zum umstrittenen Baugebiet Wasserkamp geäußert – und eine Voraussetzung genannt, damit das Vorhaben nicht platzt.

Wie geht es weiter beim Thema Baugebiet Wasserkamp? Die Verwaltung hat dazu nun neue Infos bekanntgegeben. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Alles wird teuer – auch das geplante Neubaugebiet Wasserkamp. Eine Zahl dazu hat nun Stadt-Planungsamtschefin Sandra Brouër am Mittwochabend im Ortsrat Marienburger Höhe/Galgenberg mitgeteilt: Sie rechnet allein bei den Grundstückspreisen mit bis zu 20 Prozent Steigerung. Auch bei anderen bislang offenen Fragen wird sie konkreter und gibt auch den aktuellen Zeitplan bekannt. Mit einer Einschränkung: wann tatsächlich wie oder ob überhaupt gebaut werden kann, das sei wie „Lesen in einer Glaskugel“.

Ob Stadtentwicklungsausschuss, Ortsrat Itzum oder Marienburger Höhe/Galgenberg: Bislang sind zum Wasserkamp noch viele Fragen offen geblieben. Nun hat Brouër im Ortsrat nachgeliefert. Nächste Woche informiert sie dann den Ortsrat Itzum-Marienburg. Termin ist am 24. Mai, um 18 Uhr in der Heinrich-Engelke-Halle.

Zwei Drittel Bauland

Die Gesamtfläche des Wasserkamps beträgt 46 Hektar und erstreckt sich über beide Ortsteile. Rund ein Drittel, also 14 Hektar, bleiben als Natur- und Landschaftsschutzfläche unberührt. Das betrifft einen Streifen in Richtung Innerste, der sich laut Brouër auch bis zur Grenze des Südfriedhofbereichs entlangziehen könnte. Damit bleiben zwei Drittel, also 32 Hektar als bebaubare Fläche übrig – aber nur 21 Hektar zählen zu der „Nettobaufläche“.

Ähnlich wie beim geplanten Wohnbauprojekt an der Pappelallee im Moritzberg gelten für eine optionale Bebauung des Wasserkamps strenge ökologische und städtebauliche Vorgaben, darauf weist Brouër ausführlich im Ortsrat hin. Das betrifft sowohl die Grundwasserströmungen unter der bisherigen Ackerfläche und die Folgen einer Bebauung über das Ziel der CO2-Neutralität bis zu den Auswirkungen auf das Gesamtklima Hildesheims. Alles muss per Gutachten beleuchtet werden, Kosten, die noch auf die Stadt zukommen werden, kündigt Brouër an.

Doppelt so groß wie das Ostend

Ein Baugebiet Wasserkamp wäre am Ende doppelt so groß wie das neue Ostend, macht die Planungsamtchefin deutlich, je nach Bauweise könnten dort 600 bis 700 Wohneinheiten vom Ein- bis zum Mehrfamilienhaus entstehen und bis zu 1500 neuen Bewohnern Platz bieten. Durch den niedrigen Grundwasserspiegel, der von 2 Metern bis teilweise auf 50 Zentimeter unter der Oberfläche verläuft, seien Kellerbauten maximal als Wannenlösung denkbar – wenn überhaupt.

Als letzte Tabelle projiziert Brouër die Daten zu den erwarteten Ausgaben und Einnahmen an die Wand. Während die Verwaltung 2019 noch von Ausgaben in Höhe von rund 41,5 Millionen Euro ausging, sei die Summe in 2022 auf nunmehr geschätzt 46,5 Millionen Euro angestiegen – Tendenz stark steigend. „Wir können keine genaueren Angaben machen, solange wir nicht wissen, was und wie und wann tatsächlich dort gebaut wird“, macht Brouër deutlich.

Fünf Millionen Euro teurer

Das heißt: jede Wegverbindung mehr oder weniger hat Einfluss auf die Kostenstruktur. Werde nur ein Bauabschnitt angepasst, könnten darauf folgende deutlich teurer werden, weil die Baukosten weiter steigen werden. In der Vermarktung der Flächen, habe man die Preise pro Quadratmeter bereits von rund 200 bis 220 Euro auf 240 bis 260 Euro nach oben angepasst.

Doch dem werde am Ende eine Grenze gesetzt: „Der Wohnraum muss bezahlbar bleiben.“ Mit anderen Worten: Würde die angeheizte Baukonjunktur sowie die steigenden Zinsen die Gesamtkosten aus der Wirtschaftlichkeitszone bringen, könnte das ganze Projekt rein rechnerisch platzen. Bis jetzt habe die Stadt für den Wasserkamp und Voruntersuchungen bereits mehr als acht Millionen Euro bezahlt.

Planungspartner gefunden

„Dazu könne man keine verlässlichen Aussagen machen, noch ist zu viel in der Ideenphase“, sagt Brouër. Doch die werde in Bälde öffentlich gemacht, kündigt sie an. Mit dem Büro Drees & Sommer Lokation:S und MLA+ sei nun ein Planungspartner mit an Bord, das sich auf ähnliche Bauvorhaben spezialisiert hat. Bis Mai 2023 soll es ein städtebauliches Gesamtkonzept für die Wasserkampanbindung geben, kündigt Brouër an, nach der Ferienpause 2022 startet die Bürgerbeteiligung.

Dann soll es rasant weitergehen: Im Herbst 2023 ist die öffentliche Auslegung der Pläne anvisiert, eine Vermarktung ab Sommer 2024 angepeilt, und die ersten Hochbauten könnten Anfang 2025 entstehen. Falls alles nach Plan läuft, schränkt sie aber auch ein. Und wie die Preise in drei Jahren aussehen werden, könne beim besten Willen niemand vorhersehen. Auf Nachfrage von Ortratsherr Heinz Pink bestätigt Brouër: „Ja, es kann sein, dass wir irgendwann nicht dazu kommen, es noch realisieren zu können.“

Steht der Wasserkamp auf der Kippe?

Konkreter sei es aber bei anderen Untersuchungen: Die Archäologen sind mittlerweile bei der abschließenden Hauptuntersuchung, ein hydrogeologisches Gutachten habe erste Ergebnisse zum Grundwasserspiegel geliefert, auch die Flora- und Fauna-Erkundung habe zu den FFH-Habitaten Ergebnisse geliefert. Unter anderem gibt es am Wasserkamp einen in Niedersachsen äußerst seltenen Trockenlebensraum, der unter anderem von Zauneidechsen besiedelt werde: „Wir haben hier insgesamt eine große Artenvielfalt.“

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