Deutliche Kritik

Ostend-Bahnübergang: Glaubwürdigkeit der Stadt Hildesheim gefährdet?

Hildesheim - Der Bahnübergang, der das Ostend mit der Oststadt in Hildesheim verbinden soll, ist seit Jahren überfällig. Der Verkehrsclub sieht jetzt die Glaubwürdigkeit der Stadt gefährdet.

Hier sollte es eigentlich schon längst einen Bahnübergang geben, um das Hildesheimer Baugebiet Ostend über die Goethestraße (links im Hintergrund) mit der Innenstadt zu verbinden. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Der Bahnübergang, der das Ostend mit der Innenstadt verbinden soll, ist seit Jahren überfällig. Der Kreisverband des Verkehrsclubs (VCD) hat jetzt „alle Verantwortlichen“ dazu aufgerufen, die Passage zu realisieren. Diese sei von der Stadt fest versprochen worden, betont VCD- Vorstandsmitglied Doris Schupp in einem Schreiben an die Ratsfraktionen und die Stadt. Komme der Übergang nicht, „wäre das eine stadt- und verkehrsplanerische Katastrophe und ein großer Verlust an Glaubwürdigkeit der Stadtverwaltung und -politik“.

Im Ostend entstehe Wohnraum für rund 1200 Menschen, erinnert Schupp, dazu kämen viele Arbeitsplätze. Ohne den Bahnübergang gebe es für alle, die in dem Baugebiet lebten und arbeiteten, keine direkte, sichere und attraktive Fuß- und Radverkehrsverbindung zur Oststadt und zur Innenstadt. Als Konsequenz würden die Menschen öfter mit dem Auto fahren, glaubt Schupp: „Das wäre eine Katastrophe für die Menschen, die dort umweltfreundlich leben möchten, aber auch für die gewünschte und notwendige verkehrliche Entwicklung der Stadt.“ Der VCD appelliere daher an alle Verantwortlichen, den Übergang schnell zu verwirklichen.

VCD-Vertreterin: „Bahnübergang war immer Teil der Planung“

Dieser sei von Anfang an fester Bestandteil der Planung, schreibt Schupp. So habe die Stadt seit 2016 kommuniziert, dass eine ebenerdige Querung mit der Bahn abgestimmt sei. Die Verwaltung habe dies auch bei der Vermarktung des Ostend propagiert, wie die VCD-Vertreterin mit Hinweis auf einen entsprechenden Text erklärt. Zudem sei der Übergang auch im Bebauungsplan festgelegt worden – auch dafür führt Schupp in ihrem Schreiben eine Quelle an.

Umso verärgerter ist die VCD-Vertreterin: Jetzt, sechs Jahre später, werde öffentlich, dass das Planungsverfahren immer noch nicht laufe und die Machbarkeit beziehungsweise Zulässigkeit des Bahnübergangs nicht einmal im Grundsatz mit dem Eisenbahnbundesamt besprochen worden sei. „Wenn dieser Bahnübergang nicht kommt – welchen Versprechungen der Stadt im Hinblick auf die Mobilitätskonzepte für geplante Stadtquartiere soll man dann noch glauben?“, fragt Schupp.

Stadt Hildesheim sieht sich für VCD-Kritik an falschen Adressaten

Die Stadt sei für die VCD-Kritik der falsche Adressat, sagte Rathaussprecher Helge Miethe der HAZ: Sie wolle den Bahnübergang unbedingt, und zwar lieber heute als morgen. „Leider liege dies nicht in unserer Hand.“

Wie berichtet, ist die Stadt zwar formal Bauherr für den Bahnübergang; den Antrag auf dessen Bau muss aber die Deutsche Bahn beim Eisenbahnbundesamt stellen. Das hat die Papiere beim ersten Anlauf vor etwa zwei Jahren erst gar nicht angenommen, weil es keine Aussic Die Stadt hat den Antrag seitdem auf Betreiben der DB mehrfach von dem Fachbüro, das das Projekt für sie betreut, überarbeiten lassen, die Bahn mahnte allerdings jeweils Nachbesserungen. Noch in diesem Jahr soll die Unterlagen erneut an das Unternehmen gehen, hatte die Verwaltung jüngst angekündigt.

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