Ostend und Goethestraße

Behörden-Hickhack um Ostend-Bahnübergang: Darum ist Hildesheims neue Siedlung vom Zentrum abgehängt

Hildesheim - Der geplante Bahnübergang für Fußgänger und Radfahrer von der Goethestraße zum Ostend in Hildesheim ist seit Jahren überfällig. Doch wann kommt er endlich? (mit Kommentar)

Hildesheim - Wann immer es in der Stadt-Politik in den vergangenen Jahren um das Baugebiet im Ostend ging, war eines klar: Ein Bahnübergang für Radfahrer und Fußgänger zur Oststadt soll die Siedlung an die Innenstadt anbinden. Inzwischen leben mehr als 500 Menschen im Ostend, haben sich Cafés und Geschäfte auf dem einstigen Kasernengelände angesiedelt.

Doch der Bahnübergang fehlt nach wie vor. Weshalb Radfahrer und Fußgänger wie Autofahrer einmal um das ganze Gebiet herum müssen, um über die Senator-Braun-Allee in die Siedlung zu gelangen – oder um aus ihr herauszukommen. Ansonsten gibt es nur einen Zugang im äußersten Norden über die Frankenstraße, der derzeit noch durch Poller versperrt ist, künftig aber für den Verkehr geöffnet werden soll.

Dabei sind die Stadt und die DB seit fast zehn Jahren im Gespräch über den Ostend-Bahnübergang. An der Zusammenarbeit zwischen beiden führt kein Weg vorbei: Zwar ist die Stadt Bauherr und übernimmt die Kosten von knapp zwei Millionen Euro für den Übergang. Den Antrag aber, diesen überhaupt errichten zu dürfen, muss die DB stellen. Genehmigungsbehörde ist das Eisenbahnbundesamt (EBA).

Es hakt seit Jahren zwischen der Stadt Hildesheim, dem Eisenbahnbundesamt und der Deutschen Bahn

Doch es hakt zwischen den Beteiligten. So hatte die Stadt den Baubeginn ursprünglich für 2019 angepeilt. Aber der Entwurf, den die Verwaltung zuvor in mühsamen Verhandlungen mit den Anliegern auf der Oststadt-Seite abgestimmt hatte, schaffte es gar nicht erst bis zur Antragsreife: Das EBA hatte die Umweltanforderungen geändert, die Stadt musste nachbessern.

Das Bundesamt nahm den Antrag nicht entgegen

Die ging ein Jahr später von einem Baubeginn für 2021 aus, nachdem die DB den überarbeiteten Antrag beim EBA eingereicht hatte. Doch das Bundesamt war auch diesmal nicht zufrieden, es nahm den Antrag gar nicht erst entgegen. Das EBA störte sich nach Angaben der Stadt daran, dass der bestehende Bahnübergang in der Frankenstraße nicht weit weg sei; außerdem wolle die DB doch eigentlich die Zahl der Übergänge reduzieren und keine neuen schaffen.

Doch die Stadt hielt an dem Projekt fest. „Nach ausgiebiger Beratung“ mit der DB, wie die Verwaltung betont, ließ sie Pläne von dem Fachbüro überarbeiten, das sie mit dem Übergang beauftragt hat. Die Papiere gingen wieder an die DB, diese sollte dann im Januar 2022 erneut einen Antrag beim Eisenbahnbundesamt einreichen. So jedenfalls hatte es die Stadt vor einem Jahr angekündigt.

Doch beim EBA sei bisher kein Antrag eingegangen, erklärte dessen Sprecherin Heike Schmidt jetzt auf Anfrage der HAZ. Zum weiteren Planungsstand könne nur die DB etwas sagen. Das Unternehmen wiederum zeigt auf die Stadt: Diese habe noch keine Unterlagen eingereicht, „die unsere interne Qualitätskontrolle überstanden haben“. Sobald dies der Fall sei, werde man einen neuen Antrag beim EBA stellen, erklärte eine Sprecherin. Wann diese so weit sei und wie das Amt dann entscheide, darauf habe die DB keinen Einfluss. Daher könne diese auch nicht sagen, wann der Bahnübergang verwirklich werde.

Die Bahn habe die Papiere „mehrfach“ zurückgeschickt

Tatsächlich habe die Bahn der Stadt deren Papiere „mehrfach“ in den vergangenen Monaten zurückgeschickt, sagt die zuständige Bereichsleiterin Carola Rex. Und kündigt einen weiteren Anlauf an: Das externe Fachbüro, das die Planung angefertigt habe, werde diese bis Ende des Jahres erneut bei der DB abgeben. „Und die prüft dann wieder.“

Wir wünschen uns das aber weiter sehr.

Helge Miethe, Stadtsprecher

Doch wann ist denn nun mit dem Bahnübergang zu rechnen? Angesichts der Vorgeschichte mag die Verwaltung keine Prognose mehr abgeben. Wann der Übergang komme, liege nicht in der Hand der Stadt, betont Sprecher Helge Miethe: „Wir wünschen uns das aber weiter sehr.“

Die fußläufige Anbindung der Innenstadt durch den Bahnübergang in der Oststadt macht einen wesentlichen Reiz des Ostends aus

Matthias Kaufmann, Chef der kwg

Das gilt auch für Matthias Kaufmann. „Die fußläufige Anbindung der Innenstadt durch den Bahnübergang in der Oststadt macht einen wesentlichen Reiz des Ostends aus“, sagt der Chef der kwg. Das Wohnungsbauunternehmen gehört wie gbg und Beamtenwohnungsverein zu den Investoren in dem Baugebiet, die kwg baut dort 96 Wohnungen für rund 25 Millionen Euro. „Wir wären schon sehr enttäuscht, wenn der Übergang nicht kommt.“ Was CDU-Fraktionschef Dennis Münter gut verstehen kann: Die Baugesellschaften hätten immer betont, wie wichtig ihnen der Zugang über die Oststadt sei.

Bei einem anderem Thema in Sachen Ostend-Anbindung gibt es immerhin einen Fortschritt: So haben sich die Verwaltung und die Kleingartenkolonie Ortschlumpquelle über einen neuen Fußweg verständigt, der von der Goslarschen Straße aus am Rand der Gartenanlage zum Baugebiet führen soll. Dadurch schrumpfen zwar einige Parzellen um bis zu 30 Quadratmeter. Es müsse aber keine Laube weichen, freut sich Marleen Schnipkoweit, die Vorsitzende des Kleingartenvereins. Die Stadt will den Weg voraussichtlich im nächsten Herbst bauen lassen.

Wir müssen die ganze Geschichte aufarbeiten.

Ulrich Räbiger, Grünen-Fraktionschef

Der kann allerdings für den Grünen-Fraktionschef Ulrich Räbiger den Bahnübergang in der Goethestraße nicht ersetzen: Dieser sollte von Anfang an der Zugang für Radfahrer und Fußgänger zur Innenstadt sein. „Sonst wird das Ostend ein reines Auto-Baugebiet.“ Er denke darüber nach, Akteneinsicht zu beantragen, sagt Räbiger. „Wir müssen die ganze Geschichte aufarbeiten.“


Kommentar: Ostend darf nicht abgehängt werden

Seit Jahren reden Stadt und DB über einen Bahnübergang für das Ostend. Bislang hatte die Verwaltung die Verzögerung stets damit relativiert, die Siedlung sei erst im Entstehen und es daher nicht so schlimm, dass die Anbindung ans Zentrum noch fehle. Doch das Argument gilt nicht mehr, im Ostend herrscht Leben.

Wenn DB und Eisenbahnbundesamt den Übergang nicht wollen, sollten sie das klar sagen – das Schwarze-Peter-Spiel zwischen den Beteiligten muss aufhören. Allerdings sollte auch die Stadt kritisch mit sich und dem Fachbüro ins Gericht gehen, das sie mit dem Thema beauftragt hat. Denn mit dem Übergang muss es endlich vorangehen. Sonst bleibt das Ostend abgehängt.

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