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Parkchaos am Hildesheimer Wildgatter: Diese Strategie soll dauerhaft für Abhilfe sorgen

Hildesheim - Das regelmäßige Parkchaos am Wildgatter in Ochtersum hat in der Vergangenheit viele Menschen auf die Palme gebracht. Aber es bahnt sich eine Lösung an. (mit Kommentar)

Sicherheitsmann Karl-Heinz Pettke weist am Samstag auf dem Parkplatz am Wildgatter einen Autofahrer ein. Foto: Moras

Hildesheim - Samstag, kurz vor dem Mittagessen. Drinnen in der Kupferschmiede läuft das Küchenpersonal zur Höchstform auf, draußen auf dem Wildgatter-Parkplatz bei rund 30 Grad Celsius die beiden Mitarbeiter der Sicherheitsfirma M.A. Sicherheit aus Hemmingen. Im Sekundentakt rollen Autos auf den Parkplatz. Herausgeputzte Familien steigen mit ihren frisch eingeschulten Kindern aus, ein Mann bringt Äpfel für die Tiere, zwei junge Männer tragen eine Euro-Palette über den Parkplatz, auf der zu lesen ist, dass Lena und André gerade geheiratet haben und ihre Hochzeitsgäste begrüßen.

Karl-Heinz Pettke, Mitarbeiter der Sicherheitsfirma, überschlägt, wie viele Parkplätze noch vorhanden sind. „Vielleicht 20 bis 30“, sagt der Diekholzener. Dann muss er wieder los. Weil immer mehr Fahrzeuge kommen, stehen die ersten schon wieder im absoluten Halteverbot. Pettke und sein Kollege Fatmir Krasniqi sind vor Ort, um genau dies zu unterbinden. Wenn auch die letzten Plätze im Umfeld der Kupferschmiede belegt sind, sperren sie die Zufahrt schon unten an der Kurt-Schumacher-Straße ab. Dann läuft noch der kleine Parkplatz gleich nach der Einfahrt voll – anschließend werden die Autos auf Parkflächen in der Umgebung gelotst.

„Das funktioniert wirklich gut“, sagt Jean-Marc Hakemeyer, Chef der Kupferschmiede. Bei dem Weg zum Wildgatter handelt es sich zwar wie beim Parkplatz um eine städtische Fläche. Aber die Stadt hatte das ständige Parkchaos in der Umgebung selbst durch absolutes Halteverbot nicht in den Griff bekommen. Am Ende engagierte Hakemeyer auf eigene Kosten den Sicherheitsdienst, der seit Ostern regelmäßig anrückt. Seitdem scheint es so, als sei das Problem behoben. Der Sicherheitsdienst war zunächst als Versuch geplant. „Aber ich gehe davon aus, dass wir das im nächste Jahr wieder so handhaben werden“, sagt Hakemeyer zufrieden.

Charmant im Einsatz

Pettke, von allen nur Kalle genannt, und sein Kollege Krasniqi sind am Samstag durchaus charmant im Einsatz. „Herzlichen willkommen, wollen Sie hier parken?“, begrüßt Krasniqi einen Autofahrer, der gerade auf den Platz rollt. Pettke weist währenddessen Rolf Altmann und Elisabeth Conrady ein, deren VW Golf ganz vorn parken darf. „Meine Schwester im Auto kann nicht gut laufen“, sagt Conrady, frühere Bürgermeisterin der Stadt. Altmann sagt, er finde es gut, dass der Verkehr jetzt während der Sommermonate am Wildgatter geregelt werde.

Unter dem Strich seien die weitaus meisten Besucherinnen und Besucher verständnisvoll

Das sehen die meisten anderen auch so. Aber natürlich gibt es auch Menschen, die es nicht mögen, wenn andere ihnen Vorgaben machen. Aber das Sicherheitspersonal ist immer auf Deeskalation aus. „Wir wollen nicht, dass hier Leute verärgert sind“, sagt Krasniqi. Unter dem Strich seien die weitaus meisten Besucherinnen und Besucher sehr verständnisvoll. Manche hätten die Ankündigung für die Kontrollen aber falsch verstanden. Hakemeyer berichtet von besorgten Nachfragen älterer Menschen und solcher mit Beeinträchtigungen. „Sie haben gefragt, ob sie jetzt nicht mehr mit dem Auto nach oben kommen“, sagt Hakemeyer. Das sei natürlich nicht der Fall. „Wer ein Handicap hat oder schlecht laufen kann, darf natürlich bis nach oben fahren.“

Sicherheitsmann Pettke regt an dieser Stelle noch spezielle Parkplätze an, die man ausschließlich mit einem Schwerbehindertenausweis nutzen darf. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass besonders rücksichtslose Autofahrer sich auch darum kaum scheren. An dieser Stelle sind Männer wie Pettke und Krasniqi eindeutig die bessere Wahl.


Kommentar: Zahl an dieser Stelle der Richtige?

So wie es aussieht, hat der privat beauftragte Sicherheitsdienst die Situation am Wildgatter derzeit im Griff. Das ist gut, denn die Gefahren, die mit dem regelmäßig bei schönem Wetter eingetretenen Parkchaos einhergingen, sind nicht zu unterschätzen. Was bleibt, ist die Frage, warum ein Unternehmer dafür bezahlt, dass der Verkehr auf einer öffentlichen Straße und einem öffentlichen Parkplatz geregelt wird. Es ehrt Kupferschmiede-Chef Jean-Marc Hakemeyer zwar, dass er diese Aufgabe finanziell schultert. Aber auf Dauer müssen sich die Stadt und das Forstamt etwas anderes einfallen lassen.

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