Diekholzen - Hier noch ein paar Hände schütteln, da noch eine Umarmung – es dauerte ein paar Minuten, bis Pascal Kinzel Zeit für die Pressevertreter nach der Handball-Drittliga-Begegnung der Sportfreunde Söhre gegen den Wilhelmshavener HV hatte.
Rede und Antwort zu stehen, das ist eigentlich nichts Ungewöhnliches mehr für den mittlerweile 31-Jährigen. Spielte Kinzel doch schon in der 2. Handball-Bundesliga und auch einige Jahre in der 3. Liga. Da sind Interviews und kurze Statements nach Abpfiff keine Seltenheit – und doch war es am Sonntagabend besonders. Das merkte man Kinzel auch an. Der strahlte über das ganze Gesicht. Beim Einlaufen mit der Mannschaft, nach dem Spiel beim Händeschütteln und Umarmungen verteilen, sogar auch während der 60 Minuten, als den Mannschaftskollegen mal etwas nicht gelang.
„Ein Wunder. Das ist Bonus“
Und der Handball-Kenner weiß es aus der Vergangenheit: Kinzel kann auch anders – mal war er aufbrausend und wütend, wenn die Vorderleute nicht nach seinen Vorstellungen deckten oder er ein vermeidbares Tor kassiert hatte. Doch davon war am Sonntag nichts zu sehen.
Woran das lag? Der 31-Jährige hatte erstmals wieder das Torwart-Trikot übergezogen – elf Monate nach seinem schweren Verkehrsunfall. Entsprechend sagte Kinzel nach der Partie: „Es ist für mich nach wie vor ein Wunder, dass das klappt. Das ist Bonus.“ Schon das Einlaufen habe ihm ein unglaubliches Gefühl bereitet. „Das ist geil“, ergänzte Kinzel.
Gedanke war schon länger da
Zunächst nahm der Keeper dann aber auf der Ersatzbank Platz. Dort, wo er in den vergangenen Monaten schon öfter gesessen hatte. Da aber noch in der Funktion des Torwart-Trainers, als Unterstützung für die Torleute Jannis Nowitzki, Lukas Reichenbach und Marvin Engelhardt. Während Reichenbach gestern als Offizieller geführt wurde und Engelhardt nur im Notfall nachnominiert worden wäre, bildeten Nowitzki und Kinzel das Torwart-Gespann im ersten Spiel im Kalender-Jahr 2025.
„Den Gedanken hatte ich bereits beim Legendenspiel im Dezember“, sagte Kinzel zu seiner Rückkehr. Mittrainiert hatte er schon länger. In der Handball-Szene hielt sich damals hartnäckig das Gerücht, dass Kinzel zum Treffen mit den ehemaligen Eintracht-Cracks auflaufen würde, aufgrund seiner Hildesheimer Vergangenheit. Es kam aber nicht dazu – noch nicht.
„Ich habe viel dafür getan.“
Gegen den WHV war es nun aber soweit. „Ich war zuletzt viel im Austausch mit Trainer Sascha Bertow. Ich wollte beim Rückrundenauftakt dabei sein“, so Kinzel. „Ich habe viel dafür getan.“
Doch sein Können zeigen konnte er noch nicht. Weil Trainer Bertow Jannis Nowitzki den Vorzug gab, und der eine bravouröse Leistung zeigte. Es gab keinen Anlass zum Wechseln, denn Nowitzki hielt stark und hatte maßgeblichen Anteil am 30:30-Remis. Obwohl Kinzel deshalb nur „Bankdrücker“ war, freute er sich für den Kollegen: „Jannis hat es super gemacht. Das ist alles, was zählt.“ Stattdessen fieberte Kinzel auf der Bank mit, tauschte sich mit Nowitzki aus, pushte die Kollegen und hatte sogar noch Zeit, die Hallenhits mitzusingen. Als DJ Ötzis „Sweet Caroline“ lief, bewegte Kinzel auffällig die Lippen mit.
Große Freude und Dankbarkeit
Unter den Zuschauern in der Steinberghalle war auch Ex-Trainer und Kinzel-Freund Sven Lakenmacher. Eigentlich war er hauptsächlich noch mit seiner Wohnungs-Auflösung beschäftigt, aber „den Pflichtbesuch“ anlässlich Kinzels Rückkehr konnte er nicht auslassen. Lakenmacher prophezeite im Spielverlauf der zweiten Hälfte: „Einen Siebenmeter bekommt Paki (Spitzname von Pascal Kinzel; Anm.d.Red.) mindestens.“ Und tatsächlich war auch so der Plan. Blöd nur, dass der Schiedsrichter keinen Siebenmeter mehr pfeifen musste.
Am Ende war es Kinzel egal – die Freude überwog. „Schon das Warmmachen war einfach geil“, erklärte Kinzel. „Das war heute schon mehr als genug. Aufzulaufen, die Leute applaudieren zu sehen. Ich bin einfach nur dankbar, meiner Familie dankbar und auch dem Personal des REHAteamgeists. Das haben viele nicht erwartet, dass es überhaupt noch einmal für ein Comeback reicht. Das macht mich mehr als glücklich.“
Bald dann wirklich zurück
Doch Kinzel schickte mit einem leichten Grinsen auch eine kleine Kampfansage hinterher: „Es wird schon früher oder später dazu kommen, dass ich auch wieder auf dem Feld stehe und einen Ball halte.“


