Mehrum - Der kanadische Konzern McCain ist mit seinen Plänen für den Aufbau einer Fabrik für Tiefkühl-Pommes auf dem Gelände des ehemaligen Kohlehafens des Kraftwerks Mehrum offenbar schon weiter vorangeschritten als bislang bekannt. Nach HAZ-Informationen hat das Unternehmen bereits einen Kaufvertrag für das Areal, das bislang der Kraftwerk Mehrum GmbH gehörte, unterschrieben. Zwar ist die Übernahme der Flächen noch an Bedingungen geknüpft – etwa die für die Fabrik nötige Änderung des Bebauungsplans. Doch die Absicht des Pommes-Giganten ist eindeutig.
Die Kartoffeln der Hildesheimer Börde im Blick
Zumal sich am Montag erstmals ein führender McCain-Mitarbeiter selbst vor Ort zu dem Thema äußerte. Rob Bakker, Vizepräsident von McCain Foods mit Sitz in Amsterdam, erklärte nach einem Treffen mit Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies sowie den Bürgermeistern von Hohenhameln, Uwe Semper, und Lehrte, Frank Prüße, wie der kanadische Konzern auf den Standort Mehrum gekommen ist: „Ganz wichtig ist, dass er mitten in einem Anbaugebiet für Kartoffeln liegt. Hinzu kommt die gute Verkehrsanbindung und Infrastruktur.“ Eine finale Entscheidung für den Standort sei zwar noch nicht gefallen und hänge noch „von internen und externen Prüfungen ab“, so Bakker. Doch er betonte auch, dass McCain „so schnell wie möglich“ eine Entscheidung treffen wolle.
Bei der Zusammenkunft am Montag im Verwaltungsgebäude des Kraftwerks Mehrum ging es denn auch schon um Details und konkrete Schritte, vor allem mit dem Ziel, die Verkehrsbelastung vor allem im Lehrter Ortsteil Hämelerwald in Grenzen zu halten. Dort sind Aufregung und Unmut von Anliegern seit Bekanntwerden der McCain-Pläne groß: Schließlich sind Hunderte zusätzlicher Lastwagen-Transporte auf der ohnehin schon starken Ortsdurchfahrt, die zur Autobahn 2 führt, zu erwarten. Beim Treffen mit Bakker, Lies, Semper und Prüße war deshalb auch Hämelerwalds Ortsbürgermeister Dirk Werner dabei, um die Sorgen und Ängste seiner Mitbürger vorzustellen. Später am Vormittag fuhr die Gruppe auch noch zu einem Ortstermin mit der Bürgerinitiative nach Hämelerwald.
Tempo 30 in Hämelerwald?
Doch schon beim Gespräch im Kraftwerk wurden erste Pflöcke eingeschlagen. So will die Stadt Lehrte auf der Ortsdurchfahrt von Hämelerwald Tempo 30 anordnen und die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit durch zwei Blitzer überwachen lassen, wie Bürgermeister Prüße ankündigte. Dafür ist noch die Zustimmung der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr nötig. Deren Vertreter saßen allerdings mit am Tisch – und die Behörde ist dem Wirtschaftsministerium und damit letztlich Lies unterstellt. Auch eine Erneuerung der Fahrbahn ist nun Thema, ebenso eine Beschränkung oder ein Verbot nächtlicher Lastwagen-Fahrten.
Hämelerwalds Ortsbürgermeister Dirk Werner sprach jedenfalls in der Folge von einem „guten Gespräch“ und „guten Vorschlägen, um die Lärmbelastung für die Anlieger zu reduzieren“. Minister Lies sprach sich klar dafür aus: Tempolimit und Blitzer seien Maßnahmen, „die sich schnell und recht günstig umsetzen lassen und Vertrauen schaffen“. Rob Bakker wiederum sagte zu, McCain werde sich bemühen, die Transportfahrten möglichst auf mehrere Straßen zu verteilen und die Belastung nachts besonders gering zu halten. Auch wolle der Konzern untersuchen, inwieweit er den Mittellandkanal für Transporte nutzen kann.
Hoher dreistelliger Millionenbetrag an Investitionen
McCain werde „mehrere Hundert direkte und indirekte Arbeitsplätze schaffen“, sagte Bakker, von bis zu 650 Jobs in der neuen Fabrik war zuletzt die Rede. Hohenhamelns Bürgermeister Semper betonte zudem die Bedeutung für die regionale Landwirtschaft. Kommt es zur Entscheidung für den Standort Mehrum, will der kanadische Konzern dort einen „hohen dreistelligen Millionenbetrag“ investieren, wie Bakker ankündigte.


