Hildesheim - Jahrelang war in Hildesheim und der Region die Dürre ein Thema: Die Sommer waren heiß und viel zu trocken. Seit 2018 hatten extrem trockene Böden bis in tiefere Schichten zu gravierenden Schäden sowie vielen Diskussionen über die Versorgungssicherheit beim Thema Wasser geführt. Nun scheint eine Wende gekommen.
Nicht nur in Hildesheim regnet mehrmals pro Woche – der Deutsche Wetterdienst verzeichnet insgesamt einen Regenrekord: Noch nie seit 1881 gab es in Deutschland so niederschlagsreiche zusammenhängende zwölf Monate wie im Zeitraum Juli 2023 bis Juni 2024.
An der Wetterstation Clausthal eines der regenreichsten Jahre
In der Folge sind die Talsperren gut gefüllt, die die Stadt und den Umkreis mit Wasser versorgen. Norman Droste, Sprecher der Harzwasserwerke, bestätigt die Lage: „Auch wir registrieren aktuell ein sehr nasses Jahr und leicht überdurchschnittliche Talsperrenfüllstände“, sagt er. Das Wasserwirtschaftsjahr 2024, das als solches im November beginnt und bis einschließlich Juni dauert, sei „an der Wetterstation Clausthal sogar eines der regenreichsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen“ gewesen. Über die vergangenen Jahre durchgehend aufgebaute Niederschlagsdefizite seien dadurch bereits „größtenteils oder sogar komplett ausgeglichen“ worden, so Droste weiter.
„Die Dürre hat sich aufgelöst, das ist deutschlandweit eigentlich kein Problem mehr“, wird auch der Leiter des Dürremonitors beim Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Andreas Marx, unter anderem vom ZDF zitiert. Es sei keine Überraschung, dass so eine Phase ausgeprägter Trockenheit sich als temporär erweist. „Eine Dürre ist ein Extremereignis. Jedes Extremereignis geht irgendwann vorbei.“ Allerdings sei man in Deutschland eher Hochwasser oder Stürme gewöhnt. „Eine Dürresituation über mehrere Jahre hat es in der Intensität seit 1867 nicht mehr gegeben“, so der Klimaforscher. „Wir waren darauf einfach schlecht vorbereitet.“
Für Jungbäume reicht der Niederschlag alleine nicht
Für die Grünflächen und Bäume, deren Pflege und Bewässerung in der Hand der Stadt Hildesheim liegt, hat der Regen ebenfalls Auswirkungen. „In der Grünflächenunterhaltung“, so Stadtsprecher Helge Miethe, „wässern wir nicht. In der Baumpflege wird allerdings - auch zur Zeit - gewässert.“ Selbst die jetzigen Niederschlagsmengen seien bei Straßen- und Jungbäumen nicht ausreichend, sodass diese trotzdem gewässert werden müssen.
Auch stelle man fest, dass das Grün schneller wächst – und zwar so schnell, dass man mit dem Mähen, und Kürzen kaum hinterherkomme: „Für die Grünflächenunterhaltung bedeuten die Niederschläge mit den warmen Temperaturen im Übrigen ein verstärktes Pflanzenwachstum, das einen erhöhten Pflegeaufwand der Rasen- und Gehölzflächen nach sich zieht“, so Miethe wörtlich, „der vom vorhandenen Personal nicht zeitnah und flächendeckend zu bewältigen ist“.
Ob es die nächsten Jahre so weitergeht? Schwer zu sagen
Nach Angaben der Harzwasserwerke befindet sich auch die Region in einer anderen Phase als noch in den vorherigen Jahren zwischen 2018 und 2022, in denen langanhaltende Dürre und Trockenheit auch die Wasserversorger vor Probleme stellten. Laut Droste ist die Trinkwasserversorgung aktuell mit 82 Prozent Füllungsgrad und einem Mittelwert von 76 Prozent sehr gut aufgestellt und auch für das laufende Jahr abgesichert. Ob sich die aktuellen Verhältnisse allerdings auch weiterhin so bestätigen, „lässt sich nicht sagen“, meint Droste.
Generell gehe es für die gesamte Wasserwirtschaft in den kommenden Jahren darum, sich noch mehr auf die Auswirkungen und Herausforderungen des Klimawandels einzustellen und anzupassen. „Daran arbeiten wir bereits seit einigen Jahren“, sagt Droste.
Dass Talsperren dabei generell viele Aufgaben gleichzeitig übernehmen und die Folgen des Klimawandels abmildern können, zeige sich in der aktuellen Situation sehr gut: Als Multifunktionsspeicher haben die Talsperren durch das Weihnachts-Hochwasser enorm viel Wasser aufgenommen. Teilweise wurden laut Droste sogar die Kapazitätsgrenzen erreicht. Jetzt, in den Sommermonaten, könne dieses Wasser für die Trinkwasserversorgung genutzt werden und sozusagen als Vorrat für trockene Tage im Sommer dienen.
