Sorsum/Emmerke - Als Biber-Experte Dieter Mahsarski in einem Revier des streng geschützten Wildtiers jetzt auf Rundgang war, konnte er seinen Augen kaum trauen. Ein Kahlschlag bei Sorsum hat den Lebensraum des Bibers zerstört: drei Dämme sind aus dem Rössingbach beseitigt, ein Wäldchen ist gerodet, der Biber findet dort keine Nahrung mehr. „Einfach alles plattgemacht“, meint Mahsarski, der sich als Biberberater des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) engagiert.
„Als ich das sah, war ich fassungslos“, berichtet der 66-jährige Heyersumer auf HAZ-Nachfrage. „Wie konnte das passieren?“, fragt der Mann. Mit dem Kahlschlag müsse eine Gruppe einen Werktag lang beschäftigt gewesen sein. „Mir geht es jetzt um Aufklärung. Was dort geschehen ist, kann man als Straftat werten.“
Und: Einen ähnlichen Vorfall hat es bereits vor drei Jahren gegeben – ebenfalls am Rössingbach, nur ein paar Kilometer entfernt. Dort wurde ein Biberbau in der Nähe von Emmerke zerstört. Dafür musste der Verursacher laut Landkreis eine vierstellige Summe zahlen. „Für Delikte wie diese sind bis zu 50 000 Euro fällig“, betont Mahsarski.
Rückschlag für Naturschützer
Schon seit Jahren ist er den Bibern in der Region auf der Spur. Stundenlang legt sich der Rentner immer wieder an Flussläufen in der Natur auf die Lauer, um von den Nagern komplizierte Aufnahmen zu machen. Deren Bestand war nicht nur in Deutschland, sondern auch im Landkreis Hildesheim in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Möglich gemacht hat dies der Naturschutz in Deutschland. Lange Zeit gejagt und fast ausgerottet, leben heute wieder mehr als 35 000 Biber in der Bundesrepublik – Tendenz steigend. Zuletzt hatte der Nabu mehr als 60 Exemplare allein in der Region gezählt. Und nun der „Rückschlag“ auf einem Sorsumer Flurstück. Dies habe etwa drei Tiere vertrieben, sagt Mahsarski.
Dies mag Laien nicht viel erscheinen, doch ist die verbotene Aktion ein erheblicher Verstoß gegen den Naturschutz. Das stellt die Stadt Hildesheim auf Anfrage klar, deren Untere Naturschutzbehörde (UNB) dort zuständig ist. Derzeit laufen nach Angaben der Verwaltung die Ermittlungen der UNB, um den oder die Verantwortlichen zu finden, berichtet Stadtsprecher Helge Miethe mit Blick auf das etwa 5500 Quadratmeter große Flurstück der Stadt. Zudem werde die Behörde Möglichkeiten der Wiederherstellung des Biotops prüfen.
„Unersetzbare Funktion“
Biberexperte Mahsraski zeigt sich erleichtert, dass die Experten der Stadt Hildesheim der Aktion auf den Grund gehen. „Ich möchte die Akzeptanz der Biber erhöhen.“ Denn diese Tierart übernehme „unersetzbare Funktionen im Ökosytem sowie den Erhalt der Artenvielfalt.“ Darüber hinaus profitiere auch der Mensch von ihnen: So entstehe etwa durch neue Stillgewässer, die Biberteiche, Rückhalteraum. „Der kann Hochwasser aufnehmen“, erklärt Mahsarski. Der Experte hofft jetzt, dass die von dem Kahlschlag betroffenen Biber an anderer Stelle in der Region wieder heimisch werden.

