Kreis Hildesheim - Der Hildesheimer Kreistag hat am späten Donnerstagabend entschieden, wie es mit den drei Berufsschulen in Trägerschaft des Landkreises weitergehen soll – mit der Walter-Gropius-Schule, der Herman-Nohl-Schule und der Werner-von-Siemens-Schule. Mit den Stimmen der Mehrheitsgruppe SPD/Grüne/Linke/Partei/GUT wurde der Vorschlag der Verwaltung mit folgenden Hauptzielen angenommen: schrittweise Sanierung des Berufsschulzentrums an der Steuerwalder Straße mit Teilabrissen und Erweiterung, um dort künftig die Gropius- und die Siemens-Schule unterzubringen; Bau eines Ausweichgebäudes für die Zeit der Bauarbeiten an der Von-Thünen-Straße und später dessen dauerhafte Nutzung durch die Herman-Nohl-Schule; Aufgabe des Standortes der Siemens-Schule an der Rathausstraße. Unter dem Strich eine „Riesen-Entscheidung“, wie Waltraud Friedemann, schulpolitische Sprecherin der SPD, den Schritt nannte – mit Blick auf die Dimensionen und die erwarteten Kosten von mindestens 80 Millionen Euro.
CDU will Neubau-Option offen halten
Die CDU fand für ihren Antrag, auch die Option eines Neubaus durch einen Investor auf irgendeinem anderen Grundstück offen zu halten, ebenso keine Mehrheit wie Unabhängige und FDP für ihre Forderung, offene Grundstücksfragen bis zur nächsten Kreistagssitzung im Juni mit der Stadt Hildesheim zu klären. Die Frage nötiger Flächen spielt indes auch für die Mehrheitsgruppe eine zentrale Rolle, dazu formulierte sie einen Zusatzantrag.
Nach Meinung der CDU sind indessen noch zu viele Fragen offen, um sich jetzt schon auf die Vorzugsvariante der Verwaltung festzulegen: An der Steuerwalder Straße müssten noch Altlasten im Untergrund untersucht werden. Außerdem habe die Stadt Hildesheim noch kein Signal gegeben, dass sie bereit ist, das anvisierte Grundstück an der Von-Thünen-Straße zu verkaufen. „Es gibt einfach noch zu viele Fragezeichen hinter der Vorzugsvariante der Verwaltung“, sagte Ute Bertram. „Wir vergeben uns doch nichts, wenn wir auch die Alternative eines Neubaus prüfen.“
Christel Brede: „Endlich einen Schlussstrich ziehen“
Doch das würde nach Überzeugung der Mehrheitsgruppe zu viel Zeit und Geld kosten. Die CDU dürfe nicht immer so tun, als habe sie noch einen anderen Standort im Köcher, meinte SPD-Fraktionschef Werner Preissner. „Den haben wir nicht. Das ist nur heiße Luft.“ Seine Fraktionskollegin Christel Brede, Vorsitzende des Kreisentwicklungsausschusses, sprach im selben Zusammenhang von Luftschlössern. „Die Debatte über andere Grundstücke haben wir bis zum Umfallen geführt“, bemerkte sie, „da müssen wird nun endlich einen Schlussstrich ziehen.“
Ekkehard Domning (Grüne) sprach von „verzweifelten Versuchen“ der CDU, immer wieder einen Neubau ins Gespräch zu bringen. Die Befürchtung, die Schülerinnen und Schüler müssten an der Steuerwalder Straße zehn Jahre lang auf einer Dauerbaustelle lernen, sei im Übrigen unnötig: „Wir wollen dort ja Zug um Zug neue Räume schaffen.“
Schul-Thema erst nach fünf Stunden Sitzungsmarathon
Mit dem Mehrheitsvotum des Kreistages kann die Verwaltung nun die konkrete Planung durch Vergabe entsprechender Aufträge anschieben. Grundlage soll dabei der in der Phase 0 ermittelte Raumbedarf der einzelnen Schulen sein. Der liegt wie berichtet fast um die Hälfte höher als bisher – ohne zusätzliche Flächen wird das Projekt also nicht machbar sein.
Die Debatte wurde wie die vorangegangenen Beratungen in den Fachausschüssen auch von Interessierten aus den betroffenen Schulen verfolgt. Die konnten sich schon mal in der Geduld üben, die sie in Zukunft wohl auch wegen der Sanierungs- und Bauarbeiten aufbringen müssen: Der Tagesordnungspunkt, bei dem es um die Schulen ging, war erst nach fünf Stunden Sitzungsmarathon erreicht. Dann folgte noch eine gute Stunde Diskussion, bevor die Abgeordneten abstimmten.
