Kreistag

Hildesheimer Berufsschulen brauchen viel mehr Platz als bisher

Kreis Hildesheim - Die Planung des künftigen Raumbedarfs der drei Berufsschulen des Landkreises Hildesheim hat einen erheblichen Mehrbedarf ergeben. Konsequenzen zogen zwei Fachausschüsse bei der Präsentation dieser „Phase 0“ noch nicht – die sollen im Kreistagsplenum am Donnerstag folgen.

Im Berufsschulzentrum an der Steuerwalder Straße in Hildesheim sind zwei der drei Schulen untergebracht, um die es geht. In Zukunft ist dort eine andere Schulkombination geplant. Foto: Thomas Wedig

Kreis Hildesheim - Die Berufsschulen des Landkreises Hildesheim brauchen deutlich mehr Platz, um auf Dauer modernen pädagogischen Anforderungen zu genügen – zusammengerechnet 44 Prozent, also fast die Hälfte mehr, insgesamt mehr als 45.000 Quadratmeter statt bisher knapp 31.500: Das ist das Ergebnis der sogenannten Phase 0, in der ein externes Büro zusammen mit den Kollegien, Schülerinnen und Schülern über einen Zeitraum von anderthalb Jahren den Raumbedarf ermittelt hat. Demnach müsste die Werner-von-Siemens-Schule, derzeit an der Rathausstraße untergebracht, um 78,4 Prozent wachsen, die Herman-Nohl-Schule um 70,4 und die Walter-Gropius-Schule um 11,3 Prozent. Die beiden Letzteren teilen sich das stark sanierungsbedürftige Berufsschulzentrum an der Steuerwalder Straße.

Fusion als Zukunftsoption

Im Abschlussbericht wird außerdem ein Ziel empfohlen, das die Kreisverwaltung jüngst öfter vorgegeben hat: Die beiden technisch ausgerichteten Schulen Werner von Siemens und Walter Gropius sollen in einem Gebäude untergebracht werden, um ihnen langfristig eine Fusion zu ermöglichen. Als „aussichtsreichste Variante“ sieht die Kreisverwaltung nach wie vor die gemeinsame Unterbringung im Komplex an der Steuerwalder Straße, nach umfangreicher Sanierung, Umbau und Erweiterung durch Teilneubau. Als die beiden Fachausschüsse für Kreisentwicklung und Schule sich am Mittwoch mit dem Abschlussbericht befassten, wollte die CDU-Fraktion auch die Option festschreiben, an einem anderen Standort einen kompletten Neubau zu errichten – oder durch einen Investor errichten zu lassen. Ein Antrag der Mehrheitsgruppe SPD/Grüne/Linke/Partei/GUT zielte vor allem darauf, die Bevölkerung in möglicherweise betroffenen Stadtteilen intensiv zu beteiligen, besonders im Stadtfeld rund um die Von-Thünen-Straße, wo die Verwaltung nach wie vor die Zukunft der Herman-Nohl-Schule sieht – in einem Gebäude, das bisher von der Werner-von-Siemens-Schule genutzt wird plus einem Neubau auf der anderen Seite der Von-Thünen-Straße. Vorausgesetzt, die Stadt spielt als Eigentümerin der dafür benötigten Fläche mit, was nach wie vor offen ist.

Tagesordnungspunkt 37

Über beide Anträge wurde in der gemeinsamen Ausschusssitzung nicht abgestimmt. Alle Fraktionen nahmen sich aber vor, im Kreistagsplenum am heutigen Donnerstag, 16. März, die entscheidenden Weichen zu stellen. Die Sitzung beginnt um 16 Uhr im großen Sitzungssaal des Kreishauses. Die Berufsschulen sind Tagesordnungspunkt 37. Vor der Sitzung wollen die Kommunalpolitiker zunächst in ihren Fraktionen und dann im nicht öffentlich tagenden Kreisausschuss weiter an einer gemeinsamen Linie feilen.

Verwaltung wünscht sich konkrete Planungsaufträge

Die favorisierte Linie der Kreisverwaltung, für die sie sich entsprechende Planungsaufträge der Kreispolitik wünscht, ist klar: Möglichst bald mit der Sanierung und dem Umbau des maroden Berufsschulzentrums an der Steuerwalder Straße beginnen, den Schulbetrieb zum Teil vorübergehend in einen Neubau an der Von-Thünen-Straße zu verlagern – der dann auf Dauer mit dem dort bereits bestehenden Gebäude von der Herman-Nohl-Schule genutzt werden soll. Der Zeitraum, den die Neuausrichtung in Anspruch nehmen wird, ist beträchtlich: Die aktuelle Schätzung liegt bei bis zu zehn Jahren. „Und in der Zeit teilen sich zwei Schulen an der Steuerwalder Straße eine Baustelle“, sagte Michael Lehrke, Lehrer an der Werner-von-Siemens-Schule und Vertreter der Lehrkräfte im Schulausschuss, „darunter wird die Qualität des Unterrichts auf jeden Fall leiden.“ Ein kompletter Neubau, wie von der CDU vorgeschlagen, sei aus seiner Sicht die bessere Option.

Schulleiterin: „Sehe noch keine Perspektive“

In der Einwohnerfragestunde meldete sich Martina Reinhardt zu Wort, die Leiterin der Herman-Nohl-Schule, deren Schwerpunkte Gesundheit, Pflege und Soziales sind. Die Ergebnisse der Phase 0 seien gut, meinte sie, vermisst aber weiter eine Perspektive für die Herman-Nohl-Schule: „Die sehe ich noch nicht.“ Dezernent Walter Hansen erinnerte daran, dass gerade die Herman-Nohl-Schule nach bisherigen Plänen die einzige der drei Schulen sei, für die auch ein umfangreicher Neubau vorgesehen sei. „Im Grunde“, meinte Hansen, „haben Sie das bessere Ende erwischt.“

Ex-Schulleiter Harms erwartet „großes Durcheinander“

Jens Harms, der früher 30 Jahre lang die Herman-Nohl-Schule leitete, äußert sich gegenüber der Redaktion kritisch über den Kurs der Kreisverwaltung: „Was sie jetzt vorhat, wird in einem großen Durcheinander enden. Und die berufliche Bildung in Hildesheim, mit ihren Berufsschulen, Berufsfachschulen, Fachschulen, Fachoberschulen und Beruflichen Gymnasien wird schweren Schaden erleiden, was bedeutet, der Fachkräftemangel wird durch Abwanderung von Lehrkräften, Auszubildenden sowie Schülerinnen und Schülern noch verschärft.“ Es gebe nur eine vernünftige Lösung: Ein „Campus Berufliche Bildung“ (CBB) müsse her – dafür sollte sich doch ein Investor finden lassen.

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