Besuch im Solebad

Sanierungsfall Solebad Bad Salzdetfurth: Kann Ministerpräsident Weil helfen?

Bad Salzdetfurth - Das Solebad in Bad Salzdetfurth muss dringend saniert oder neu gebaut werden. Ohne Hilfe werden Stadt, Landkreis und Kurbetrieb das finanziell kaum stemmen können. Bei seinem Besuch im Solebad haben sie sich jetzt an Ministerpräsident Stephan Weil gewandt.

Im Keller des Solebades lässt sich Ministerpräsident Stephan Weil (2. von links) die Technik erklären. Mit dabei sind Bernd Lynack, Andreas Koschorrek, Werner Preissner, Björn Gryschka, Thomas Oelker und Markus Brinkmann. Foto: Werner Kaiser

Bad Salzdetfurth - Der Kurbetrieb und sein Solebad sind für Bad Salzdetfurth, aber auch für den ganzen Landkreis Hildesheim von großer Bedeutung. Die Einrichtung ist nicht nur Ziel vieler Gäste von außerhalb, sondern regelmäßig von Bürgern und Bürgerinnen aus dem Kreisgebiet. Am Freitag war ein prominenter Gast im Solebad. Kurbetriebsgeschäftsführer Thomas Oelker und der Vorsitzende des Aufsichtsrates, SPD-Kreistagsfraktionschef Werner Preissner, ließen es sich nicht nehmen, dem von der prekären Situation des Bades zu berichten – mit Hintergedanken.

Das Solebad muss nämlich aufwändig saniert werden. An der Bausubstanz hat der Zahn der Zeit kräftig genagt. Die Gesellschafter der Kurbetriebsgesellschaft, die Stadt Bad Salzdetfurth und der Landkreis Hildesheim, diskutieren bereits über eine grundlegende Sanierung oder einen Neubau. Egal, für was sie sich entscheiden, es wird teuer. Hohe zweistellige Millionenbeträge dürften dafür fällig sein. Kein Wunder also, dass Oelker und Preissner die Chance am Freitag nutzen: Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) war zum ersten Mal Gast der Anlage. Und er drehte nicht nur eine Runde ums Becken, sondern wurde auch ins Allerheiligste des Bades geführt: den Keller, in dem zwar moderne Technik für geregelte Abläufe sorgt, in dem aber auch besonders deutlich wird, wie es um das Bad bestellt ist.

Nur noch ein paar Jahre Laufzeit

Die Ingenieure sprächen nur noch von einer Laufzeit von ein paar Jahren, erinnerte Preissner. Gemeinsam machten sich Stadt, Landkreis und Kurbetrieb deshalb auf den Weg, um einen gemeinsamen Weg für die Zukunft zu finden. „In der nächsten Woche haben wir die erste Klausurtagung“, so Preissner, der erst kürzlich den Aufsichtsratsvorsitz übernommen hatte, nach dem im Dezember der langjährige Vorsitzende Bernhard Brinkmann plötzlich verstorben war. Brinkmann hatte den Besuch von Weil im Solebad eingefädelt. „Schade, dass er nun nicht mehr dabei ist“, bedauerte Weil.

Interessiert ließ er sich von Technikchef Stefan Ohmes die Abläufe und die Probleme im Bad erläutern: Der hohe Salzgehalt zerfrisst Leitungen, das Schwimmbecken leckt, wenn die Wassertemperatur unter 26 Grad abgesenkt wird und die Bausubstanz der gr0ßen Eckpfeiler im Hallenbereich leidet. Im Keller laufen durchgängig Messgeräte, die die Bausubstanz kontrollieren und mögliche Veränderungen sofort anzeigen würden. Auch die Schwimmhalle nahm Weil in Augenschein. Im Becken drehten derweil Badegäste ihre Runden und die staunten nicht schlecht, als der Ministerpräsident zusammen mit Landrat Bernd Lynack, dem Landtagsabgeordneten Markus Brinkmann, Oelker, Preissner, dessen Stellvertreter Andreas Koschorrek, Bürgermeister Björn Gryschka und anderen Vertretern aus Politik und Verwaltung am Beckenrand auftauchte.

80 Millionen für einen Neubau?

Dass dem Land Niedersachsen seine Kurorte wichtig seien, das habe Wirtschaftsminister Olaf Lies kürzlich bei einer Tagung der Kurorte versichert, sagte Bürgermeister Gryschka. Doch wie viel sie ihm wert sind, das steht noch in den Sternen. „So ein Neubau kostet bei den Baupreisen doch sicherlich 80 Millionen Euro, oder?“, mutmaßte Weil. „Knapp drunter“, so Lynack. Preissner erklärte, man wolle die Pläne „schlank halten“. Ob die am Ende auf einen Neubau hinauslaufen, ist noch offen. Genau wie die Frage nach einer finanziellen Unterstützung durch das Land. „Das ist immer eine individuelle Angelegenheit und hängt auch mit der Kassenlage zusammen“, so Weil. Und die sei derzeit sehr dünn.

Auch wenn Weil noch keine Zusage für eine Förderung machen konnte, ein kühles Getränk bot Oelker ihm nach dem schweißtreibenden Rundgang dennoch an: „Kann ich Sie mit einem Bier erfreuen?“ Mit Blick auf die Uhr und dem Verweis, er müsse noch arbeiten, lehnte Weil seufzend ab: „Im nächsten Leben werde ich Kurdirektor.“

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