Bad Salzdetfurth - Wie sicher ist die Zukunft des Bad Salzdetfurther Solebades? FDP und MIB fürchten, dass es nicht gut darum bestellt ist und haben bei Bürgermeister Björn Gryschka deshalb eine Sondersitzung zum Thema beantragt.
Kritische Stimmen
Dass der Kurbetrieb, in dessen Trägerschaft auch das Solebad ist, ohne jährliche Verlustabdeckung der Gesellschafter nicht auskommt, ist seit Jahren Fakt und hat in der Vergangenheit auch immer mal wieder zu kritischen Fragen aus der Politik geführt. Denn die Haushalte der Gesellschafter, Landkreis Hildesheim (51 Prozent) und Stadt Bad Salzdetfurth (49 Prozent) sehen auch nicht rosig aus. 1,9 Millionen Euro müssen sie aber allein in diesem Jahr zur Deckung der Kassendefizite aufbringen, zu den jeweiligen Anteilen ihrer Gesellschafterverträge. In ähnlicher Höhe lag die Verlustabdeckung auch schon in den Vorjahren. Die FDP-Kreistagsfraktion hatte sich kürzlich dazu mit mehreren Fragen an den Landrat gewandt – und im zuständigen Fachausschuss Antworten direkt vom Kurbetriebsgeschäftsführer Thomas Oelker bekommen.
Der erklärte nicht nur die nötige Verlustabdeckung, sondern machte auch klar, dass in den kommenden Jahren noch einige Investitionen, zum Beispiel am denkmalgeschützten Therapiezentrum und an den Gradierwerken im Kurpark anstehen werden. Der dickste Brocken dürfte aber das Solebad werden. Aus Oelkers Antwort geht hervor, dass der beratende Bauingenieur davon ausgeht, dass das Solebad in seinem jetzigen Zustand noch eine Lebensdauer von fünf bis acht Jahren hat.
Bausubstanz hat gelitten
Das Bad ist 43 Jahre alt. Zwar sei der Stand der Technik auf einem nahezu aktuellem Niveau. Doch die bauliche Substanz des Hauses habe insbesondere unter den aggressiven Einflüssen der Sole gelitten. Jährliche Untersuchungen des Stahlbetons und notwendige Sanierungen hätten bereits seit Jahren zu einer Verlängerung der Lebensdauer beigetragen. Eine fundierte und explizite Aussage zur weiteren Lebensdauer sei nicht vorhanden. Aber eben die Einschätzung des langjährig betreuenden Bauingenieurs.
Diese Erklärung hat die Gruppe FDP/MIB im Bad Salzdetfurther Stadtrat nun zum Anlass genommen, eine Sondersitzung zu beantragen, um sich dem Thema zu widmen. Doch Bürgermeister Björn Gryschka hat abgelehnt.
Seidler wollte das aber so nicht einfach hinnehmen. Im Stadtrat am Dienstagabend wollte er von Gryschka die Gründe für die Absage wissen, er machte deutlich wie wichtig das Thema für die Stadt sei. „In spätestens acht Jahren verlieren wir das Solebad“, so Seidler. Das Bad sei für die Stadt aber ein ganz entscheidender Faktor. Deshalb müsse frühzeitig gehandelt werden. „Auf Zeit zu spielen“ könne sich Bad Salzdetfurth nicht leisten.
„Sie sperren sich einfach“
Gryschka erklärte, dass er dem Antrag von FDP und MIP schon aus formalen Gründen nicht stattgeben konnte. „Dafür hätte die letzte Stadtratssitzung länger als ein Vierteljahr her sein müssen“, so der Verwaltungschef. Das Thema stattdessen als Tagesordnungspunkt für die aktuelle Sitzung aufzunehmen, sei nicht möglich gewesen, weil die Gruppe das gar nicht beantragt hätte, die Frist dafür ohnehin überschritten gewesen wäre. Gryschka erinnerte aber auch, dass die Stadt nicht alleine das Geschehen bestimmen könne, es vertragliche Verabredungen gebe. Der Kurbetrieb selbst und die entsprechenden Gremien seien dafür zuständig und zudem am Thema dran. „Paralleldiskussionen“ seien nicht hilfreich, so der Bürgermeister.
Die formellen Gründe nahm Seidler zur Kenntnis, warf Gryschka aber vor, den Austausch nicht zu wollen. „Sie sperren sich da einfach“, so der FDP-Ratsherr und blieb dabei: Das Thema gehöre in den Rat, weil es alle Bad Salzdetfurther Ratsmitglieder angehen müsse. Mit Blick auf lange Planungsverfahren für Sanierungsmaßnahmen oder gar Neubau mahnte er zudem zur Eile. Dass der Stadtrat nicht informiert sei, wies Gryschka zurück: Der Verwaltungsausschuss hätte sich bereits damit befasst.
Kommentar: Über das Solebad muss gesprochen werden – frühzeitig und gemeinsam
Ob das Bad Salzdetfurther Solebad tatsächlich in fünf bis acht Jahren schließen müsste, weil seine Bausubstanz dann hin ist, lässt sich aktuell nicht sicher beantworten. Das muss aber auch nicht sein. Es reicht, dass der betreuende Bauingenieur ernsthafte Bedenken hat. Das muss für alle Verantwortlichen das Signal sein, sich frühzeitig mit der Zukunft des Bades zu beschäftigen.
Es wird teuer
Denn eines ist sicher: Ob umfängliche Sanierung oder Neubau – es wird teuer. Die Gesellschafter Landkreis Hildesheim und Stadt Bad Salzdetfurth stehen damit vor einer großen Herausforderung. Dass sie die ernst nehmen und in den zuständigen Gremien bereits diskutieren, steht wohl außer Frage.
Das wäre ein Zeichen
Es ist aber auch ein nachvollziehbarer Wunsch der Ratsgruppe FDP/MIB das Thema in der Politik der Kurstadt frühzeitig zu besprechen. Es mag formal nicht möglich gewesen sein, eine Sondersitzung einzuberufen. Aber es wäre ein gutes Zeichen gewesen, eine andere Möglichkeit für einen Austausch zu suchen. Vielleicht in der nächsten Ratssitzung. Auch wenn andere Gremien zuständig sind, am Ende muss Bad Salzdetfurth viel Geld in den Kurbetrieb investieren – eine lohnende Investion, ohne Frage. Doch angesichts angespannter Kassenlage und anstehender Aufgaben ist es ratsam, die Politik frühzeitig einzubinden.

