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Dackel steckt in Röhre fest: Wer zahlt im Kreis Hildesheim für Tierrettungen?

Kreis Hildesheim - Im Dezember gab es in Groß Escherde eine spektakuläre Rettungsaktion für einen Dackel. Doch wer bezahlt solche Einsätze eigentlich, und wie geht die Feuerwehr Tierrettungen an? (Mit Video)

Gix, die Hündin aus dem Kreis Hildesheim, ist nach ihrer Rettung wieder wohlauf – auf dem Bild ist sie mit Frauchen Paloma Klages. Foto: Sebastian Knoppik

Kreis Hildesheim - Es steckt einfach in ihr. Gix ist eine Dackeldame – und die wurden nun mal gezüchtet, um unter der Erde zu jagen. Auch besonders mutig sollen Dackel sein, schließlich sind sie dort unten auf sich allein gestellt und treffen womöglich auf einen Dachs. Mit diesem Selbstbewusstsein im Blut schlüpfte Gix dann im Dezember voller Tatendrang in eine Kanalröhre – und kam nicht wieder heraus.

Ihre Halter, HAZ-Redakteur Sebastian Knoppik und Frau Paloma Klages, versuchten alles, um die Hündin wieder an die Oberfläche zu locken. Doch es schien, als hätte sie sich verlaufen, lediglich ein leises Wimmern war über der Erde zu hören. Also verständigten die Hundehalter die Feuerwehr und die Einsatzkräfte wiederum holten die Mitarbeiter vom Klärwerk dazu. Diese befreite Gix letztendlich mithilfe einer Kamera, die für die Erkundung von Rohrleitungen genutzt wird. Ihr Licht wies der Dackeldame den Weg aus der Röhre.

Teil der Ausbildung

Solche kreativen Lösungen sind kein Zufall. Tierrettungen gehören zum Grundlehrgang für Feuerwehrleute. Dabei ist es wichtig, zu wissen, wie ein Tier in bestimmten Situationen reagiert – und um was für eins es sich handelt. „Wir haben schon alles Mögliche gerettet“, erklärt Sarstedter Ortsbrandmeister Jens Klug. „Hunde und Katzen, klar. Aber es war auch mal eine Schlange auf dem Schützenplatz. Um die hat sich dann ein Kollege gekümmert, der Erfahrung mit Reptilien hat.“

Allerdings seien solch spektakulären Einsätze eher eine Seltenheit, wie Marcus Illemann von der Hildesheimer Berufsfeuerwehr erklärt. Auch die Katze im Baum komme seltener vor, als man denken könnte. 2024 gab es laut Illemann 140 Einsätze in Hildesheim, bei denen Tiere involviert waren. „Das sind meist totgefahrene Hasen, wir sind ja auch für Kadaver zuständig, deswegen bergen wir auch Schafe, die in der Innerste treiben“, berichtet er.

Feuerwehr gelegentlich auch für Wespen zuständig

„Viele dieser Einsätze sind auch wegen entlaufener Hunde oder verletzter Vögel und gelegentlich wegen Schlangen oder Wespennestern in der Nähe von Kindergärten.“ Für Wespen auf Privatgrundstücken sei die Feuerwehr zwar nicht zuständig, falls aber Sandwespen einen öffentlichen Spielplatz besiedeln, schon. „Da sperren wir den Bereich ab“, sagt Illemann.

Wenn die Feuerwehr Tiere rettet, ohne dass der Halter auffindbar ist, landen sie im Tierheim. Ab dem Punkt kommt Sabine Witte ins Spiel, die Leiterin des Hildesheimer Tierheims. „Wir werden bei Tieren ohne Halter immer informiert.“ Die meisten Haustiere seien mit Mikrochips versehen. „Dann finden wir die Halter auch schnell, notfalls über Facebook“, erklärt Witte. Privatpersonen rät sie allerdings, bei Hunden, die bissig wirken, nur die Sichtung zu melden. „Dann fängt jemand Professionelles sie ein.“

Wer zahlt für die Rettung von Wildtieren?

Doch was passiert mit wilden Tieren? Die Sarstedter Feuerwehr rettet regelmäßig Marder und Dachse von der ICE-Strecke. „Die bringen wir dann in die Tierärztliche Hochschule nach Hannover“, erklärt der Sarstedter Ortsbrandmeister Klug. „Für solche Rettungen haben wir eine Art Lanze mit einer Schlinge vorne dran.“

In Waldgebieten hingegen ist üblicherweise ein Jagdpächter für Wildtiere zuständig, in der Stadt allerdings die Feuerwehr. Und wer für ein Wildtier die Feuerwehr anruft, muss danach eventuell selbst bezahlen. „Wenn wir einen verletzten Spatzen abholen und zum Tierarzt bringen, kann das 200 Euro kosten“, erklärt Illemann. Vieles regele die Natur demnach von selbst, die Einsatzkräfte würden zudem nur ausrücken, wenn durch den „freiwilligen“ Einsatz keine anderen Notfälle warten müssten. Ob ein Wildtier unter Artenschutz steht, wie beispielsweise Schwäne, spielt derweil auch eine Rolle – diese Rettungen bezahlt die Stadt.

Invasive Arten

Anders ist es bei den invasiven Arten, also solchen, die in Deutschland nicht heimisch sind und eine Gefahr für das Ökosystem darstellen, zum Beispiel weil sie mit heimischen Tieren um Lebensraum oder Nahrung konkurrieren und sich schnell ausbreiten. In Hildesheim waren laut Illemann schon Wollhandkrabben aus China und Nil-Gänse aus Afrika unterwegs. Im April 2019 hatte sich ein Waschbär, ebenfalls eine invasive Art, auf eine Fensterbank des Kreishauses verirrt. Und wer zahlt dann?

Es ist eine Ermessenssache. Stadtsprecher Helge Miethe klärt auf: „Das wird je nach Rechtslage entschieden. Wenn die Allgemeinheit nicht gefährdet ist und die Tierart nicht unter Artenschutz steht, kann es sein, dass man selbst zahlen muss, wenn man die Feuerwehr ruft.“ Wenn es das eigene Tier ist, kommt nach der Rettung ebenfalls eine Rechnung. So auch bei Sebastian Knoppik und Paloma Klages. „Die war schon im vierstelligen Bereich“, verrät Sebastian Knoppik.

Zahlt die Versicherung auch die Rettung?

In manchen Fällen übernimmt die Hundehaftpflicht diese Kosten. Das ist aber nicht bei allen der Fall, erklärt Phillip Rehberg, Referent für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale: „In Niedersachsen ist nur eine Versicherung für Personen- und Sachschäden Pflicht für Hundehalter. Die Kosten für solche Feuerwehreinsätze sind also nicht bei allen Versicherungen enthalten und kosten in der Regel auch mehr.“

Für Gix und ihre Besitzer ist also doch noch alles gut ausgegangen. „Sie musste nach der Rettung zum Tierarzt, weil sie eine Wunde am Kopf hatte“, erzählt Sebastian Knoppik. Sie habe auch eine Spritze bekommen, präventiv gegen eine Entzündung und auch gegen den Schock. Gix habe sehr stark gezittert und nach dem Vorfall viel geschlafen. Die Hundehalter mussten sich ebenfalls vom Schock erholen und bedankten sich noch einmal persönlich bei den Einsatzkräften für ihren findigen Einsatz. Nun sind sie noch vorsichtiger beim Spazierengehen mit ihren Dackeln. Doch Gix ist sich treu geblieben. „Wenn man irgendwo reinkann, fasziniert sie das immer noch.“

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