Nordstemmen/Pattensen - Die Innenräume sind seit Wochen gesperrt, mehr als 70 Beschäftigte haben bereits die Kündigung erhalten. Zum Jahresende droht die komplette Schließung von Schloss Marienburg. Möglicherweise gibt es aber doch noch einen Hoffnungsschimmer für das Welfenschloss.
Pächter Nicolaus von Schöning hat jetzt skizziert, unter welchen Bedingungen eine Öffnung der Burg über den Dezember hinaus für ihn denkbar wäre. „Dazu müsst die Schwammsanierung sofort und unbürokratisch beginnen“, sagt er. Die meisten Räume der Burg sind derzeit behördlich gesperrt, weil ein Hausschwamm im Dach die Standsicherheit gravierend beeinträchtigen soll.
Zudem müsste die Stiftung Schloss Marienburg als seine Verpächterin mit ihm intensivere Gespräche als bisher darüber führen, wie sich das in großen Teilen geschlossene Schloss erfolgreich bewirtschaften lasse, sagt von Schöning.
Vor allem jedoch bräuchte es ein weiteres Gutachten, das klärt, welche derzeit gesperrten Teile von Keller oder Erdgeschoss für Führungen wieder zugänglich gemacht werden könnten. Dann wäre es auch möglich, zumindest einen Teil der Entlassenen wieder einzustellen, sagt der Pächter: „Unser Team ist schließlich hochmotiviert.“
Feilschen um Einnahmen
Hinter den Kulissen überschatten jedoch Hakeleien um finanzielle Fragen mögliche Lösungen. Das Kulturministerium, das in der Stiftung den Ton angibt, pocht darauf, dass das Landesmuseum an den Einnahmen aus dem Museumsbetrieb beteiligt wird – schließlich müsse man Geld einnehmen, um die Restaurierung der landeseigenen Gemälde auf dem Schloss zu bezahlen.
„Die Einnahmen aus den Veranstaltungen landen zu 100 Prozent bei der Pächtergesellschaft“, heißt es in einem internen Papier aus dem Kulturministerium, das dieser Zeitung vorliegt. „Der Pächter weigert sich jedoch seit inzwischen drei Jahren, zu einer Vereinbarung zu kommen, die auch öffentliche Interessen berücksichtigt.“
Das sieht von Schöning anders: Er beteuert, dass er bereits im Januar ein Angebot vorgelegt habe, nach dem das Landesmuseum an den Einnahmen beteiligt werde – doch ohne Erfolg. Dieses Angebot habe er jetzt noch einmal erneuert. Nach seiner Darstellung zahlt seine Betreiber-GmbH überdies jährlich 5 Prozent des Umsatzes, mindestens aber 65.000 Euro, an die Stiftung.
Zerstrittene Parteien
Das Ministerium hingegen erklärt, von Schöning verlange in seinem Entwurf eines neuen Pachtvertrages, dass die landeseigenen Schätze ihm „unentgeltlich zur Nutzung überlassen“ würden. Ein Gesprächsangebot von Kulturminister Falko Mohrs (SPD) habe er nicht angenommen. Offenbar gibt es unter den zerstrittenen Parteien grundverschiedene Auffassungen darüber, was in diesem Angebot überhaupt steht und wie die Gespräche bisher verlaufen sind.
Eine Öffnung der gesperrten Räume ist nach Einschätzung des Ministeriums „angesichts der aktuellen Befundlage“ erst nach Abschluss der Sanierung möglich. Die Arbeiten an der Burg sollen im nächsten Jahr beginnen und erst 2030 abgeschlossen sein.
Das Land verweist im Übrigen darauf, dass Schlosshof und -restaurant nicht von der Sperrung betroffen sind. Um zu einer „einvernehmlichen Lösung“ zu gelangen, heißt es in dem internen Papier, habe man von Schöning angeboten, den Pachtvertrag auf den Gastronomie- und Veranstaltungsbereich zu reduzieren.
„Dem Pächter ist dabei signalisiert worden, dass die Stiftung ihm auf der Kostenseite weit entgegenkommen würde“, heißt es darin. Dass von Schöning dann jedoch ohne Absprache mit der Stiftung die Beschäftigten entlassen habe, sei als „Beendigung der Gespräche“ gewertet worden. Es sieht so aus, als bräuchte es vor allem viel guten Willen aller Beteiligten, um die komplette Schließung des Schlosses doch noch abzuwenden.


