Hildesheim - Statt beim Einkaufen in langen Schlangen an der Kasse zu warten, können Kunden immer öfter selbst ihre Waren scannen und bezahlen – und tun das auch. „Wir verzeichnen einen ganz deutlichen Anstieg, was die Nutzung von SB-Kassen angeht“, sagt Marcel Muschter, der als Gebietsverantwortlicher der Drogeriekette dm die Filialen im Kreis Hildesheim betreut. „Kunden erwarten inzwischen, dass sie solche Möglichkeiten haben. Die Kassen sind nur ein Baustein beim Thema Einkaufen der Zukunft, aber ein sehr wichtiger.“
Dabei gebe es keine erkennbare Altersstruktur derjenigen, die SB-Kassen vorrangig nutzten, meint Muschter. „Am Anfang müssen sich ja alle Kunden in das System einüben.“ Wie gut und schnell das klappt, hänge eben von der gewählten Software ab, die je nach Kette variieren könne. Heißt: Kennt ein Kunde das dm-System, heißt das noch lange nicht, dass er beim Einkauf im Lebensmittelmarkt nicht doch nochmal über eine Funktion stolpern kann – oder umgekehrt. Auch deshalb sei immer Personal in der Nähe. „Aber ansonsten erlebe ich auch viele ältere Menschen, die sehr technikaffin sind und nicht zögern, die Kassen zu nutzen.“
Personal abbauen wollen die Märkte so nicht
Zudem seien SB-Kassen keinesfalls ein Instrument, um Personal abzubauen, sagt Muschter. Es gebe nur eine Verlagerung von Tätigkeiten. „Bei dm ist das Thema digitales Passbild derzeit zum Beispiel besonders wichtig.“ Hintergrund: Seit Mai dieses Jahres können Kunden biometrische Passbilder in dm-Märkten machen lassen, die von dort aus verschlüsselt und direkt an die zuständigen Behörden gehen. „Dies ermöglicht es Kundinnen und Kunden, Passbilder rechtskonform, sicher und bequem vor Ort im Markt zu erstellen und gleichzeitig die Bürgerbüros zu entlasten“, heißt es dazu auf der Homepage des Unternehmens.
In Supermärkten gibt es da etwas andere Prioritäten. Und andere Erfahrungen, wie Rewe-Pressesprecher Thomas Bonrath auf HAZ-Anfrage mitteilt: „Rewe hat erstmals Self-Checkout-Kassen (SCO, so die fachlich korrekte Bezeichnung) Anfang 2013 getestet und ein Jahr später begonnen, diese sukzessive in geeignete Märkte zu integrieren.“
In manchen Märkten zahlen Dreiviertel der Kunden via SB
Vor allem in Stadt-Supermärkten gebe es eine hohe Nachfrage der Kunden nach den Kassen, „um den Einkauf schneller bezahlen zu können und nicht in der Warteschlange der traditionellen Kasse zu stehen“, so Bonrath. Es gebe bereits Märkte, „in denen mehr als Dreiviertel der Kunden über SCO auschecken“. Im Jahr 2024 wurden demnach etwa 500 Rewe-Märkte neu mit Selbstbedienungskassen ausgestattet. Insgesamt werden diese deutschlandweit inzwischen von mehr als 1700 Rewe-Märkten angeboten.
Wie bei dm hätten die neuen Kassen aber „auf die Mitarbeitendenzahl keinen Einfluss, sondern deren Beschäftigung verlagert sich auf andere Tätigkeitsbereiche“. Auch darauf, die SCO-Kassen zu überwachen, um Fälle von Diebstählen zu verhindern? „Wir können nicht erkennen, dass Selbstbedienungskassen signifikanten Einfluss auf die Diebstahlquote eines Marktes haben“, sagt Bonrath.
Checkout-Manager sind da, um zu helfen – und aufzupassen
Maßnahmen zur Prävention gebe es aber schon. Und zwar tatsächlich in Form sogenannter Checkout-Manager, aber auch durch Videoüberwachung. „Die Checkout-Manager helfen sofort, sollte es bei Kunden an den Kassen zu Handhabungsschwierigkeiten oder Technikproblemen kommen.“
Gut 60 Prozent aller Geschäfte mit stationären Selbstbedienungskassen befanden sich 2023 laut Angaben des Forschungsinstituts EHI im Lebensmitteleinzelhandel. Neben Rewe und Edeka bieten mittlerweile auch die Discounter Lidl und Aldi den Service an. Jeweils 15 Prozent der SB-Kassen standen zuletzt in Drogeriemärkten und Bau- und Heimwerkermärkten.
