Hildesheim - Der Verein Queerbeet freut sich über die Entscheidung des Rates, Fußgängerampeln am Almstor und am Huckup mit homosexuellen Ampelmännchen auszustatten. Doch von einigen Beiträgen in der Debatte, die dem vorausging, und Reaktionen im Internet, die auf den Beschluss folgten, sind Vorsitzender Andreas Küster und seine Vorstandskollegen entsetzt: „Bei diesen Kommentaren fehlen einem die Worte. Man fragt sich: Leben wir hier noch in der Steinzeit?“
Queerbeet besteht seit seit 2003, der Verein setzt sich für die Akzeptanz queerer Menschen ein. Und so begrüßen Küster und seine Mitstreiter die Umrüstung der Ampeln „als Geste für Toleranz und Vielfalt auch in Hildesheim“. Man könne durchaus geteilter Ansicht über den Nutzen der Aktion sein, räumt Küster ein: Auch in seinem Verein – der knapp 500 Mitglieder hat – fragten manche, was diese konkret bringe. „Doch die Mehrheit ist dafür.“ Und er auch, sagt Küster.
Queerbeet empfindet Ratlosigkeit, Trauer und Enttäuschung
In der Wahrnehmung der Ratssitzung ist man sich bei Queerbeet allerdings völlig einig: Ratlosigkeit, Trauer und Enttäuschung – das seien nur einige der Gefühle, welche die Debatte ausgelöst habe, heißt es in einer Mitteilung des Vorstands. Der hatte die Sitzung zwar nicht live verfolgt, sich aber nach der Berichterstattung der HAZ darüber die Tonbandaufzeichnung angehört.
Dabei seien die „homophoben Aussagen“, zum Beispiel des IKL-Vertreters Enver Sopjani, für den Verein nach eigenen Angaben keine Überraschung. Sopjani hatte der Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen und der PARTEI vorgehalten, Kinder mit den Ampelfiguren beeinflussen zu wollen. Mehr als von Sopjanis Beitrag sei man davon überrascht gewesen, dass „homophober Hetze“ überhaupt so viel Raum gegeben worden sei, berichtet Küster. Dies lasse sich auch nicht damit begründen, dass der IKL-Ratsherr mehr Redezeit beantragt habe, finden die Queerbeet-Vertreter. Nach deren Ansicht zeige nicht nur die Ratssitzung, sondern auch die Reaktion auf die Ampel-Entscheidung in den sozialen Medien, wie viel Arbeit in Hildesheim bei dem Thema noch nötig sei.
Über 100 Kommentare mit schwulenfeindlichen Äußerungen
So hat der Verein über 100 Kommentare gezählt, die voll von homophoben Äußerungen seien. Queerbeet habe sich zum Ziel gesetzt, dass der Kampf um Gleichstellung eines Tages ende. Das sei zum heutigen Zeitpunkt utopisch und überzogen. Aber jede kleine Geste, jede kleine Errungenschaft und jegliche Kenntlichmachung helfe, einen weiteren Schritt in die richtige Richtung zu gehen. „Um eines Tages diverse und queere Paare händchenhaltend in Hildesheim spazieren gehen zu sehen. Mit Sorglosigkeit, ohne Anfeindung und hinterwäldlerische Sprüche.“
Hildesheim brauche Toleranz und Vielfalt, die Ampelfiguren seien ein kleiner Schritt.
