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„Sehen kein Licht am Horizont“: Geschäft am Hildesheimer Marktplatz schließt

Hildesheim - Marc und Dagmar Wechler haben den Entschluss gefasst: Sie schließen ihr Geschäft, das Ambiente Gourmet, am Hildesheimer Marktplatz – die Gründe sind dafür vielfältig. (mit Kommentar)

Nach reiflicher Überlegung steht der Entschluss für Dagmar und Marc Wechler fest: Sie schließen ihr Geschäft Ambiente Gourmet in der Rathausstraße Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Nach reiflicher Überlegung steht der Entschluss für Dagmar und Marc Wechler fest: Sie schließen ihr Geschäft Ambiente Gourmet in der Rathausstraße, direkt unterhalb des Marktplatzes. Hier bieten sie auf zwei Etagen und gut 200 Quadratmetern alles an, was das Kochen erleichtert und das Essen noch angenehmer macht, von großen Spezialmaschinen bis hin zu Kochkursen.

Dass sie diesen Laden nun aufgeben, ist einer Reihe von Ursachen geschuldet, wie Marc Wechler erklärt, der zudem mit seinem Bruder das gleichnamige Bestattungsunternehmen führt: „Nachdem wir das Geschäft 2018 übernommen hatten, lief es gut. Dann kam bekanntlich Corona, aber auch über die Zeit der Schließungen kamen wir einigermaßen gut hinweg.“ Denn: Die Menschen, die größtenteils zuhause bleiben mussten, ließen es sich dort gut gehen.

Die Menschen ließen es sich gutgehen, jetzt haben sie Angst

„Was wir aber durch die seit letztem Jahr steigenden Lebenshaltungskosten und spätestens seit Beginn des Krieges in der Ukraine erleben, ist das Gegenteil“, sagt Wechler. „Die Menschen haben Angst.“ Angst vor Rechnungen, die sie am Jahresende vielleicht nicht zahlen können, Angst vor dem, was noch an Belastungen auf sie zukommen könnte. „Das Blatt mag sich wieder wenden, aber das wäre für uns zu spät“, sagt der Unternehmer.

Von den sechs Angestellten hätten sie bereits zwei entlassen müssen, sie hätten die Kochschule in der oberen Etage ihres Geschäfts aufgegeben zugunsten von noch mehr Verkaufsfläche und weder Einsparungen auf der einen Seite noch Investitionen auf der anderen gescheut. „Aber wir sehen kein Licht am Horizont.“ Vielen in der Branche gehe es wie dem Ambiente, weiß Wechler. „Das ist traurig.“

Das Haus, in dem das Geschäft liegt, steht zum Verkauf

Dazu kommt für das Unternehmer-Paar in der Rathausstraße noch eine unklare Mietsituation: „Das Haus, in dem sich das Geschäft befindet, gehört einer Erbengemeinschaft“, sagt Marc Wechler. Für das Ambiente habe er einen sich jährlich verlängernden Mietvertrag gehabt, den er inzwischen auf Halbjahresfrist herunterhandeln konnte, wie er sagt. „Doch das Haus steht, wie wir erfahren haben, zum Verkauf. Und wenn es neue Interessenten gibt, wissen wir nicht, welche Pläne die haben.“

Eine Gastronomie soll im Gespräch sein, auch wenn das bislang nicht bestätigt ist. „Auf jeden Fall möchte ich nicht weiter investieren und dann wegen Eigenbedarfs gekündigt werden.“ Das sei der Familie ein zu hohes Risiko, betont auch Wechlers Frau Dagmar.

Für die Kunden ein lohnendes Adventsgeschäft

Und so bietet sich den Kunden durch die Schließung die Möglichkeit, viele Waren im Advents- und Weihnachtsgeschäft besonders günstig zu erwerben, Wechler plant Preisnachlässe für den „Abverkauf“, wie er die anstehenden Verkaufswochen nennt. Laufen sie gut, kann er seine Verluste zumindest verkleinern. Wann genau der Schlussverkauf starten soll, will er noch bekanntgeben. „Daraus wird sich dann auch der Termin für unsere endgültige Schließung ergeben“, sagt Marc Wechler. Laut Mietvertrag hat er dafür Zeit bis spätestens Ende März kommenden Jahres.


Kommentar: Hilfe für den lokalen Handel

Wenn das Ambiente in der City demnächst schließt, dann macht nicht einfach irgendein Laden in Hildesheim dicht. Die exponierte Lage am Marktplatz, das ausgesuchte Angebot, die Familie Wechler selbst, die diesen Laden mit großer Hingabe betrieben hat und seit Generationen in der Stadt zuhause ist – all das könnte dieser Geschäftsaufgabe beinahe einen Symbolcharakter verleihen. Fast so, als werde hier eine Zeitenwende sichtbar, der Anfang vom Ende: Wenn nun sogar schon am Marktplatz die Geschäfte nicht mehr laufen, dann sieht es ganz düster aus für den Einzelhandel in der Stadt Hildesheim.

Aber so zu denken, wäre fatal. Stattdessen geht es darum, weiterhin und gerade jetzt konstruktiv zu versuchen, die Stadt zu beleben und den Handel zu unterstützen. Wie das am besten geht? Ganz einfach: Hingehen und dort einkaufen. Das hilft immer.

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