Alfeld - Mit Beginn des Iran-Krieges sind die Spritpreise in Deutschland stark gestiegen. Der Grund: Die Straße von Hormus durch den Iran wird blockiert, über die täglich etwa ein Fünftel der weltweiten Ölmengen transportiert wird. Das hat Folgen, die auch in Alfeld spürbar sind. Um die zwei Euro kostet ein Liter Tankfüllung aktuell. Das sorgt bei den Autofahrern teils für Unmut. Der Betreiber eines hiesigen Taxiunternehmens gibt außerdem eine Einschätzung, ob die gestiegenen Spritpreise auch die Taxikunden zu spüren bekommen.
Fahrten zu reduzieren ist für Alfelder nur kaum möglich
Ob zum Einkaufen, zur Arbeit, zum Arzt oder zum Treffen mit Freunden – wer in einer ländlichen Region wie Alfeld wohnt, nutzt für solche Wege meist das Auto. Öffentliche Verkehrsmittel sind nur bedingt eine Alternative. Also bleibt vielen Einwohnenden und Pendlern in Alfeld und der Region nichts anderes übrig, als sich mit den gestiegenen Spritpreisen abzufinden. So macht es auch die 70-jährige Langenholzerin (die ihren Namen, wie einige Befragte, nicht nennen möchte). Am Mittwochmittag hat die Rentnerin Super für 1,98 Euro pro Liter getankt. „Auf der Autobahn hat Super vor zwei Wochen sogar schon 2,30 Euro gekostet“, schildert sie. Tanken müsse sie etwa alle zwei Wochen. Sie will versuchen, ihre Fahrten zu reduzieren, doch sie sei auf das Auto angewiesen. Ein kleiner Trost: „Ich bin froh, dass ich das Auto als Rentnerin nicht mehr beruflich brauche.“
Anders geht es allerdings dem 41-jährigen Manuel M. aus Sack. Er arbeitet in Alfeld im Schichtbetrieb – ist auf sein Auto angewiesen, weil er aus dem Haus muss, bevor der erste Bus vom Dorf in die Stadt fährt. Dennoch fährt er vor allem Kurzstrecke und tankt nur alle zwei Wochen. „Die gestiegenen Preise stören mich daher aktuell wenig. Müsste ich täglich nach Hildesheim oder Hannover fahren, sähe das aber anders aus“, so der 41-Jährige.
Manche sind schockiert, andere nehmen es mit Humor
Als Nadine Ritterbusch am Mittwoch auf das Gelände einer Alfelder Tankstelle fährt, ist sie erst einmal geschockt. „Ich wusste gar nicht, dass die Preise so stark angestiegen sind“, gibt die 29-Jährige zu. Auch sie ist auf ihr Auto angewiesen – obwohl sie zu Fuß zur Arbeit läuft. Doch Einkäufe ließen sich dann doch nur mit dem Auto erledigen. „Ich hoffe, die Preise gehen wieder runter, aber mit Sicht auf die Osterferien passiert das bestimmt nicht“, glaubt die Alfelderin. Sie selbst tankt etwa alle drei Wochen und hat schon überlegt, ob sich einige Fahrten nicht doch irgendwie mit dem Fahrrad erledigen lassen.
Ein 67-jähriger Lamspringer versucht, die Situation indes mit Humor zu nehmen: „Ich sage immer, dass Tanken jetzt mein neues Hobby ist.“ Er steuert die Tankstelle nicht mehr an, wenn ihm der Sprit ausgeht, sondern wenn die Preise gerade günstiger sind. „Donald Trump will den Krieg in vier Wochen erledigt haben, aber ich glaube das nicht. Die Preise werden hoch bleiben“, meint der Lamspringer.
Taxiunternehmen können die Preise nicht einfach umlegen
„Wir müssen sehen, wie wir damit umgehen“, sagt Tjarko Cebulla, Betreiber von Taxi-Bock-Alfeld. Die Tankfüllung seiner 13 Fahrzeuge ist schließlich auch teurer geworden. Die höheren Ausgaben auf die Fahrgäste umwälzen könne er aber nicht, da sein Unternehmen der Taxitarifordnung unterstellt ist. Und diese Tarifordnung besagt, dass den Fahrgästen genau 2,50 Euro pro gefahrenem Kilometer berechnet werden muss – nicht mehr und nicht weniger. Cebulla glaubt, dass, wenn die Benzinpreise länger so hoch bleiben, die Mehrausgaben für den Sprit nur schwer durch die Einnahmen aufzufangen sind.
Die 35 Mitarbeitenden von Taxi-Bock-Alfeld sind bundesweit unterwegs – laut Cebulla seien es etwa 200 Fahrten pro Tag. Alle zwei bis drei Tage müsse jedes Fahrzeug durchschnittlich getankt werden. Der Betreiber hofft, dass sich die Preise bei zwei Euro einpendeln, doch er befürchtet weitere Anstiege: „Die Amerikaner sind schließlich nicht dafür bekannt, kurze Kriege zu führen.“ Der 44-Jährige leitet das Alfelder Taxiunternehmen seit 2012, in der Zeit seien die Benzinpreise immer mal wieder stärker gestiegen. So herausfordernd wie die Corona-Pandemie, in der es nur wenige Fahrgäste gab, sei die aktuelle Situation zumindest noch nicht.
Mit dieser App lassen sich die Spritpreise vergleichen
Für sein Unternehmen und die Beschäftigung seiner Mitarbeitenden sieht er daher derzeit keine Gefahr. Aber: Wenn die Benzinpreise nicht sinken, müssten die Kosten auf die Fahrgäste umgelegt werden. Doch das gehe nur, wenn die Taxitarifordnung angepasst wird. Dafür müssten Anträge gestellt werden und Taxiunternehmen aus dem gesamten Landkreis Hildesheim zustimmen – denn durch steigende Kilometerpreise könnten im Zweifel auch Kunden abspringen. Doch eine andere Lösung, als die Fahrpreise zu erhöhen, sieht Cebulla auf Dauer nicht.
Der ADAC empfiehlt, möglichst abends zu tanken, denn dann sind die Kraftstoffpreise niedriger als morgens. In der Spritpreis-App „ADAC Drive“ können außerdem die aktuellen Preise von den mehr als 14.000 Tankstellen in Deutschland verglichen werden.
