Spiesen-Elversberg - „Der Durchmarsch in die 2. Liga vor etwas mehr als einem Jahr war so nicht geplant. Daher ist es natürlich das Ziel, diese Klasse weiter zu halten und uns dort möglichst zu etablieren“, sagt Christina John, Pressesprecherin des Fußball-Zweitligisten SV Elversberg (SVE). In der abgelaufenen Saison klappte das schon einmal gut. Der Aufsteiger landete im sicheren Mittelfeld auf Rang elf.
Es ist gar nicht einfach, mit dem SVE persönlich in Kontakt zu treten. Auf der Homepage des Klubs finden sich lediglich die Telefonnummer einer Ticket-Hotline und ein paar Mail-Adressen. Aber auch per Email war es zunächst schwierig, den Zweitligisten zu erreichen. Der Rechner des Klubs wurde kürzlich einen Server-Update unterzogen. Einige Nachrichten landeten deshalb im Nirgendwo.
Am 18. August in Hildesheim
Dabei ist Elversberg für Hildesheim derzeit sehr wichtig – zumindest, was den Fußball angeht. Schließlich empfängt der hiesige Oberligist VfV Borussia 06 am Sonntag, 18. August, besagte SV Elversberg in der ersten Runde des DFB-Pokals. Nach 47 Jahren haben sich die Hildesheimer erstmals wieder für den deutschen Vereinspokal qualifiziert. Eine große Sache für den VfV 06.
Die Heimat des Gegners SVE befindet sich in der Gemeinde Spiesen-Elversberg im Landkreis Neunkirchen, gut 15 Kilometer nordöstlich Saarbrückens. Um Kontakt mit dem Klub herzustellen, mussten die Kollegen aus der Sportredaktion der Saarbrücker Zeitung aushelfen.
Hildesheimer Reaktionen
Große Freude kam unter den Hildesheimer Fans nicht auf, als dem VfV 06 am 1. Juni die SV Elversberg zugelost worden war. Die Saarländer sind nicht gerade das, was man einen Traditionsverein mit großem Namen nennt: Viele hatten sich eher den HSV, Dortmund, Gladbach oder sogar die Bayern gewünscht.
Aber man sollte in Hildesheim kleine Brötchen backen. Die Domstadt hat immerhin 100.000 Einwohner, und der VfV 06 kickt nur in der 5. Liga. Elversberg zählt kaum 8000 Menschen und wartet mit einem Zweitligisten auf. Fragt sich, wie es der Ortsteil-Verein der kleinen saarländischen Gemeinde in die 2. Bundesliga geschafft hat?
Ein steiniger Weg
„Das Ziel, zunächst in die 3. Liga aufzusteigen, entwickelte sich im Laufe der Jahre stetig mit steigendem sportlichen Erfolg“, erklärt Christina John, Pressesprecherin des SVE. Bereits 2013/2014 kletterten die Elversberger in erwähnte 3. Liga, sie mussten sich aber nach einem Jahr wieder verabschieden. Danach sei klar gewesen, „dass wir schnellstmöglich zurück in den Profi-Fußball wollen – diesmal mit dem Ziel, dort auch Fuß zu fassen. Aus unterschiedlichen Gründen ist dafür allerdings ein langer Atem notwendig gewesen“, so John. Stolpersteine auf dem Weg zurück waren unter anderem die Corona-Pandemie und die Aufstiegsrelegation. Mehrere ambitionierte Regionalliga-Vereine kämpften damals im Südwesten um den Aufstieg. Im Frühjahr 2022 schafften die Elversberger den neuerlichen Sprung in Liga drei und danach sofort den ins Unterhaus.
Der Erfolg sei auch durch die Kontinuität im sportlichen Bereich zustande gekommen, erklärt Pressesprecherin John. Schon seit 2018 arbeitet das Team mit Ole Book (erst Sportdirektor, jetzt Sport-Vorstand) und Trainer Horst Steffen zusammen.
Eng mit Sponsor verbunden
Um sich bei den Profis zu etablieren, braucht es natürlich auch Geld – heißt: finanzkräftige Sponsoren. Der SVE hat unter anderem den Pharma-Hersteller Ursapharm an seiner Seite. Das Stadion des Klubs ist übrigens Ursapharm-Arena an der Kaiserlinde getauft worden. Laut des Online-Recherche-Dienstes North Data verzeichnete das Unternehmen im Jahr 2022 einen Umsatz von 316,8 Millionen und einen Gewinn von 43,9 Millionen Euro. Sitz von Ursapharm ist Saarbrücken.
Fragt sich, warum die Firma ausgerechnet in die SV Elversberg investiert und nicht in den Traditionsverein 1. FC Saarbrücken. Das dürfte mit Ursapharm-Geschäfsführer Frank Holzer zusammenhängen, der eng mit dem Verein verbunden ist. Holzer wurde in Neunkirchen geboren, rund sechs Kilometer entfernt von Elversberg. Zum einen hat er Pharmazie studiert, zum anderen eine recht ordentliche Karriere als Fußball-Profi hingelegt.
Zu Eintracht Braunschweig
Zunächst spielte Holzer bei der DJK Elversberg, später beim 1. FC Saarbrücken. 1976 verließ der Angreifer die Heimat und wechselte zum Bundesligisten Eintracht Braunschweig. Dessen damaliger Trainer Branko Zebec hatte ihn nach Niedersachsen gelockt. Frank Holzer stand in jener Zeit mit Eintracht-Legenden wie Danilo Popivoda und Bernd Franke auf dem Feld. 1980 beendete der heute 71-Jährige seine Karriere als Spieler und stieg ins Familien-Unternehmen Ursapharm ein, das er nun gemeinsam mit seinem Sohn Dominik führt.
Ganz ließ ihn der Fußball aber nie los. Zwischenzeitlich engagierte sich Holzer als Trainer – auch bei der SV Elversberg. Mittlerweile ist er Aufsichtsratsvorsitzender des Zweitligisten, sein Sohn Dominik (42) Präsident der SVE.
Schnitt von 9000 Zuschauern
Der Verein habe sich über die Jahre in der Gesamtheit stetig weiterentwickelt, sagt Pressesprecherin Christina John, und zwar „in allen Bereichen, also organisatorisch, infrastrukturell und auch in Bezug auf die Fan-Gemeinde, die jährlich wächst“. Zwar landeten die Elversberger in der vergangenen Saison mit einen Schnitt von rund 9000 Besuchern im Zuschauer-Ranking der 2. Liga auf dem letzten Platz, allerdings fasst das Stadion auch nur 10.000 Menschen. „Aufgrund des laufenden Ausbaus der Arena sind wir vorübergehend etwas eingeschränkter, trotzdem lässt sich in vielen Fan-bezogenen Themen eine positive Entwicklung erkennen“, so John. Das Einzugsgebiet der SVE umfasse dabei das gesamte Saarland.
Mal sehen, wie viele Elversberger Fans am 18. August zur ersten Pokal-Runde den Weg nach Hildesheim finden.
