Verkehr

Spektakulärer Abbruch der Brücke über die Autobahn 7 bei Hildesheim

Hildesheim - Bagger reißen am Freitag die alte Brücke der Bundesstraße 1 ab, die bei Hildesheim über die Autobahn 7 führt. Wie so ein Abbruch abläuft, wie lange die Arbeiten dauern, und was es sonst noch zu wissen gibt.

Hildesheim - Wie Schüsse aus einem Maschinengewehr klingt es, als der Hydraulikmeißel am Arm des riesigen Baggers mit Wucht gegen den Beton der alten Brücke über die Autobahn 7 (A 7) bei Hildesheim hämmert. Specht, so nennen die Arbeiter der Abbruchfirma den Meißel untereinander. Seit Freitagmorgen, 6 Uhr, wird die zweite Hälfte der Brücke abgerissen. Ein Fernsehteam des Senders DMAX filmt die Arbeiten für die Sendung „Helden der Baustelle“.

Die erste Hälfte ist bereits im April 2022 unter tosendem Lärm auf den Boden gerissen und danach neu wieder aufgebaut worden. Der Verkehr auf der Bundesstraße 1 (B 1), die über die Brücke verläuft, ist seitdem eingeschränkt. Jetzt soll also der zweite Teil der Brücke fallen und bis Mitte 2024 neu aufgebaut werden, wie die Autobahn GmbH mitteilte.

Selbst Martin Mispagel, Projektleiter der Autobahn GmbH, der ähnliche Arbeiten schon oft gesehen hat, kann nur staunen, als er auf der abgeriegelten Fahrbahn der A 7 steht und den Baumaschinen beim Abriss zusieht. Für den Bau einer solchen Brücke rechnet Mispagel im Schnitt mit einem Dreiviertel Jahr – für beide Seiten veranschlagt er rund zwei Jahre. „Und dann wird sie an nur einem Wochenende abgebrochen.“

Es sieht sehr rabiat aus, aber die gehen sehr filigran vor.

Martin Mispagel, Projektleiter der Autobahn GmbH

In der Tat legen die Bagger ein beachtliches Tempo hin. Gegen 12 Uhr Mittag ist von der Tragfläche der alten Brücke kaum etwas übrig. Immer mindestens drei Bagger gleichzeitig brechen mit riesigen Zangen Teile aus der alten Brücke – Stück für Stück. Ein bis zwei schwere Hydraulikmeißel zerkleinern den Beton, da wo er am dicksten ist. „Die Bagger können ihre Werkzeuge innerhalb einer Minute wechseln“, berichtet Mispagel.

Zwischendurch knabbern dann sogar vier Zangen gleichzeitig an dem 50er-Jahre-Bauwerk. Ihre Greifer erinnern an die Schädel von Dinosauriern, genauer an den gefährlichsten Dino, den Tyrannosaurus Rex. Mit weit aufgerissenem Schlund nähern sie sich den Brückenteilen. Wenn sie zukneifen, kracht es, Staub wirbelt hoch, kleinere Stücke Beton fliegen durch die Luft. Als wäre sie nur eine weiche zähe Masse hebt und senkt sich die Brücke unter dem Druck der Geräte. Wer in diesem Moment auf der Fahrbahn der A 7 oder auf der bereits neu errichteten Brücke steht, spürt die Vibrationen unter den Füßen.

Bagger arbeiten parallel an der Brücke

„Es sieht sehr rabiat aus“, sagt Mispagel. „Aber die gehen sehr filigran vor.“ Mit den Zangen könne man sehr präzise arbeiten. Um zu verhindern, dass sich die Brücke beim Abbruch dreht, arbeiten die Bagger parallel – immer an einem Längsträger. Ist der beseitigt, zerren sie die Platte runter, ehe sie sich den nächsten Längsträger vornehmen.

Wenn die Bagger-Zangen auf die langen Spannseile aus Stahl treffen, knarzt es. Problemlos verbiegen die Geräte den Stahl und ziehen ihn mitsamt der daran hängenden Betonteile zu Boden.

So wird die Fahrbahn der A 7 vor stürzenden Brückenteilen geschützt

Damit die Fahrbahn der A 7 unter der herabstürzenden Brücke nicht leidet, haben die Arbeiter bereits am Donnerstag ein Fallbett aus Sand auf die Fahrbahn gebracht. Gut einen Meter hoch ist die Sandschicht, auf der die Brückenteile landen. Die Pfeiler der neuen Brücke haben sie indes mit großen Heuballen geschützt. Neben den großen Abriss-Baggern rangiert unten auf der A 7 noch ein kleinerer, der die herabgerissenen Teile weiter zerkleinert.

Es bleibt fast alles in der Region

Martin Mispagel, Projektleiter der Autobahn GmbH

„Der Beton wird dann abgefahren und kommt woanders wieder rein“, sagt Mispagel. Der Stahl aus dem alten Bauwerk werde in Containern gesammelt und ebenfalls recycelt. „Der Asphalt, der eher nicht so gut ist, kommt nach Schlewecke.“ Dort wird er von der Firma Umweltdienste Kedenburg des Hildesheimer Unternehmers Knut Bettels wiederverwertet. „Es bleibt fast alles in der Region“ sagt Mispagel.

Wann sind die Abbrucharbeiten frühestens fertig?

Das hohe Tempo der Baumaschinen stimmt den Projektleiter optimistisch. „Wenn alles gut geht, können wir die A 7 schon Sonntagabend wieder freigeben.“

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