Lüneburg - Stimmungsvoll ist es am Samstagabend auf den Rängen gewesen – aber auf dem Spielfeld war es dann doch recht einseitig: Spitzenreiter SVG Lüneburg hat das Niedersachsenduell in der 1. Volleyball-Bundesliga gegen die Helios Grizzlys Giesen vor 3200 Zuschauern in der ausverkauften LKH-Arena glatt mit 3:0 gewonnen. „Zurzeit ist die SVG im Vergleich zu uns auch das viel bessere Team, das muss man klar sagen“, so Giesens Trainer Itamar Stein. „Wir treten hier als Außenseiter an.“
Im Ganzen sind die Lüneburger in dieser Saison noch einmal stärker geworden. Stellt sich die Frage, ob sie diesmal im Kampf um die Deutsche Meisterschaft dem Seriensieger Berlin Recycling Volleys wirklich ernsthaft Paroli bieten können? Zwar führt die SVG die 1. Liga an – dicht gefolgt von den Bundeshauptstädtern. Aber das will nichts heißen: Wenn es darauf ankommt, waren die Berliner in der Vergangenheit immer voll da und entfalteten ihr wahres Potenzial. Im letztjährigen Playoff-Endspiel servierten sie Lüneburg in der Best-of-three-Serie souverän mit 3:0 ab.
150 Giesener in der Halle
Die Playoffs 2025/26 sind noch Zukunftsmusik. Am Samstagabend jedenfalls präsentierte sich die SVG gegen den Tabellenfünften aus Giesen deutlich überlegen. Rund 150 Fans hatten die Grizzlys zum Derby mitgebracht, die ebenfalls ordentlich Alarm machten. Auch, da ihre Mannschaft gut ins Spiel fand. Nach Fehlern des Ex-Gieseners Ethan Champlin lagen die Gäste mit 5:2 vorn. Doch dann stoppte der Lüneburger Block Ethan Champlin und Joscha Kunstmann Angreifer Mark Rura gleich zweimal – die SVG glich aus und ging mit 10:7 in Führung. In der Folge trumpfte die Spielgemeinschaft Volleyball Gellersen durch ihre individuelle Stärke auf.
Das Team von Trainer Stein blieb zwar einigermaßen dran, richtig Anschluss fand es aber nicht mehr: 16:18, 17:20, 19:23 – und als dann Zuspieler Ilja Ivanov seinen Aufschlag ins Netz setzte, war Durchgang eins mit 20:25 verloren.
Die Giesener kämpfen
Auch in Satz zwei starteten die Giesener ordentlich. Nach dieser Anfangsphase gewannen erneut die Lüneburger die Oberhand: Champlins Aufschlaghammer zum 10:7 war sinnbildlich. Wieder blieb das Stein-Team eine Weile in Schlagdistanz. Mehr aber auch nicht.
Die Giesener kämpften, sie arbeiteten und machten in dieser Phase kaum Fehler. Nur im Angriff fanden sie zu selten effektive Lösungen. Trainer Stein: „Unser Aufschlagdruck war nicht schlecht, aber wir spielen die Angriffe nicht richtig zu Ende und im Gegenzug punktete der Gegner eiskalt.“
Stein: „Um 25 Prozent besser“
Lüneburg setzte sich auf 16:10 und 19:14 ab. Danach schluderte der Spitzenreiter ein wenig im Zuspiel und am Netz. Ihrerseits patzten die Giesener und fabrizierten unnötige Fehler. So gewann das Team von SVG-Trainer Stefan Hübner auch Satz zwei (mit 25:21) und erhöhte auf 2:0.
In Durchgang drei agierten die Lüneburger nach wie vor konsequenter – und stark in der Annahme. „Die Abwehr und der Block sind bei denen schon klasse. Sie waren um 25 Prozent besser“, rechnete Stein trocken vor.
Ein eher kurzer Abend
Obendrein agierte die SVG erneut klarer im Angriff. Beim 6:10- und 9:14-Rückstand für Giesen wurde es langsam zur Gewissheit, dass es in der LKH-Arena ein eher kurzer Abend werden würde.
Coach Itamar Stein brachte Zuspieler Jan Röling. Der Kapitän hatte übrigens einen Tag vor der Partie in der Heide seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert. Damit ist eine weitere Personalie für die kommende Saison geklärt. Mit Cody Kessel und Jakob Günthör sind sich die Giesener bereits zuvor einig geworden. Auch sie bleiben über die laufende Serie hinaus.
Das sagt Cody Kessel
Jan Röling konnte im Derby nicht mehr viel ausrichten. Bei den Lüneburgern lief jetzt vieles wie geschmiert. Beim 24:15 hatten die Gastgeber gleich neun Matchbälle. Den dritten verwandelten sie schließlich zum 25:18. Wie schon im Hinspiel kassierten die Grizzlys wieder eine 0:3-Niederlage.
Giesens Außenangreifer Cody Kessel, der zwischen 2016 und 2019 bei der SVG unter Vertrag gestanden hat, war nach dem Spiel unzufrieden. „Ich komme ja immer gern nach Lüneburg zurück, mag die Menschen hier – aber verlieren mag ich nicht“, so der 34-Jährige. Freilich räumte er ein, dass es eine verdiente Niederlage gewesen sei: „Der Gegner hatte einen wirklich starken Block, eine klasse Defense.“ Nun werde es schwer, meinte Kessel weiter, den für die Playoffs wichtigen vierten Platz in der Liga noch zu erreichen.
Platz fünf absichern
Das sieht auch sein Coach Itamar Stein ähnlich: „Wir können zwar noch um Rang vier kämpfen“, aber Platz fünf sei realistischer. Der solle nun gesichert werden. Platz fünf berechtigt nämlich zur Teilnahme am Europacup in der kommenden Saison.
