Hildesheim/Hannover - Hohe Kosten für die Aufrüstung von Geldautomaten gegen Sprengangriffe dürften zum Abbau von Standorten in Niedersachsen führen. Der Niedersächsische Sparkassenverband wie auch die Volks- und Raiffeisenbanken gehen davon aus, dass sich die hohen Kosten für einzelne Geldautomaten nicht lohnen. Nach Informationen dieser Redaktion hat der Sparkassenverband im April im Innenministerium um Unterstützung bei der Schließung von Standorten geworben.
„Im Zuge der notwendigen Investitionen wird es auch zu einem Abbau von Geldautomaten kommen“, bestätigte ein Sprecher des Sparkassenverbands die Überlegungen. Die gibt es auch beim Genossenschaftsverband für die Volksbanken: „Der Abbau von Geldautomaten kann in Folge der Sprengangriffe eine Option sein. Diese Entscheidungen werden von den Banken sehr genau abgewogen.“ Ein Faktor sind dabei auch steigende Versicherungskosten für die Anlagen durch die vielen Zerstörungen.
Eine Entscheidung im Raum Hildesheim schon gefallen
Im Raum Hildesheim ist eine solche Entscheidung schon gefallen, allerdings aus Konsequenz aus einem Sprengangriff und nicht zur Prävention: Die Hannoversche Volksbank entschied sich, den Ende Dezember verwüsteten Geldautomaten an der Bundesstraße 1 in Einum nicht zu ersetzen.
Nach Angaben des Landeskriminalamts haben Täter seit Beginn des Jahres 18 Geldautomaten in Niedersachsen gesprengt, zuletzt Anfang Mai in Hilkenbrook (Emsland). Im Landkreis Hildesheim gab es bisher einen neuen Fall: Im März zerstörten Unbekannte einen Automaten der Volksbank Seesen in Holle. Im Vorjahr gab es mehrere Attacken dieser Art in Stadt und Kreis. Mehrere Automaten der Sparkasse Hildesheim Goslar Peine waren über Monate nur eingeschränkt verfügbar, weil das Kreditinstitut die Sicherheitsvorkehrungen verstärkte.
Sparkasse äußert sich
43 Geldautomaten betreibt die Sparkasse im Landkreis Hildesheim, 18 davon in der Kreisstadt. Überlegungen, welche davon aufzugeben, hegte die Sparkasse zuletzt nicht, wie Vorstandsmitglied Dominikus Penners auf Nachfrage in der Bilanzpressekonferenz des Kreditinstituts im März sagte: „Das ist nicht unsere Politik, wir stehen zum Bargeld.“ Er verwies dabei auf die erheblichen Investitionen, um die bestehenden Standorte robuster zu machen. Bis Ende dieses Jahres steckt die Sparkasse Hildesheim Goslar Peine nach eigenen Angaben insgesamt 2,4 Millionen Euro in zusätzliche Sicherheitstechnik.
Die Kreditinstitute stehen unter dem Druck der Politik, Automatensprengungen zu erschweren. Einem internen Fahrplan des Sparkassenverbands sollen landesweit bis zum Jahresende fast 90 Prozent der Automaten nachts nicht mehr zugänglich sein. In Stadt und Landkreis Hildesheim ist das bereits so, die Sparkassen-Automaten sind von 23 bis 6 Uhr geschlossen. Da sei die Nachfrage ohnehin gering, so der Vorstand.
Von Karl Doeleke und Tarek Abu Ajamieh
