Grundstück in der Treibestraße

Stadt hat markantes Haus in Hildesheim verkauft – was die neuen Besitzer jetzt vorhaben

Hildesheim - Die Stadt Hildesheim hat das Gelbe Haus samt Grundstück in der Treibestraße verkauft. Die neuen Eigentümer sind Nachbarn – und haben an dem Gebäude gar kein großes Interesse. Warum sie den Deal trotzdem unbedingt wollten.

Das als Gelbes Haus bekannte Gebäude in der Treibestraße in Hildesheim. Foto: Jan Fuhrhop

Hildesheim - Dieser Immobilienverkauf hat sich lange hingezogen: Bereits 2019 wollte die Stadt Hildesheim das als Gelbes Haus bekannte Gebäude in der Treibestraße 4 erstmals veräußern – erst gut vier Jahre später kam es tatsächlich zu einem Abschluss. Es gab verschiedene Interessenten, zwischenzeitlich lag das Vorhaben auf Eis, und letztlich erhielt der Käufer den Zuschlag, den die Stadt bereits 2019 favorisiert hatte – das St. Bernward Krankenhaus (BK), oder genauer: die Vinzenz Bernward Stiftung, Gesellschafterin des Elisabeth-Vinzenz Verbunds, der wiederum Träger des BK ist.

Erster Anlauf für Verkauf im Jahr 2019

Die Stadterwaltung hatte dem Finanzausschuss 2019 vorgeschlagen, das Gelbe Haus für 260.000 Euro an das BK abzutreten. Die Politik zog damals aber nicht mit, man wollte erst noch die Umbaupläne des BK abwarten. In der Folge meldeten sich auch mehrere private Investoren im Rathaus, die Interesse an der Immobilie hatten. Doch nun nahm wiederum die Stadt selbst ihr Verkaufsangebot zurück, um die weiteren Planungen für die Gestaltung der Treibestraße berücksichtigen zu können.

Denn das BK hatte im Zusammenhang des großen, rund 90 Millionen Euro teuren Neubaus eines Zentralgebäudes angekündigt, möglichst auch die Verkehrssituation neu regeln zu wollen. So sollen Rettungswagen künftig nicht mehr bis ans Ende der Treibestraße fahren müssen, um aufs Gelände zur Notaufnahme zu kommen, sondern frühzeitig links durch eine Tordurchfahrt. Voraussetzung für die optimierte Zufahrt: 18 öffentliche Parkplätze der beidseitigen Längsparkstreifen in der Treibestraße fallen weg. Dafür sollen neue Kurzzeit-Parkplätze auf dem BK-Grundstück entstehen, außerdem sind 40 Abstellmöglichkeiten für Fahrräder entlang der Treibestraße neben sieben Haltepositionen für Taxis vorgesehen.

Umgestaltung der Treibestraße vereinbart

2023 einigte sich die Stadt Hildesheim mit der Klinik schließlich auf einen entsprechenden städtebaulichen Vertrag für den Bereich der Treibestraße zwischen der Neuen Straße und dem Palandtweg. Der regelt, dass das Krankenhaus den Umbau des Straßenbereichs in Absprache mit Stadt plant und die Umbaukosten trägt. Der betroffene Bereich der Straße bleibt jedoch Eigentum der Stadt.

Anders das Gelbe Haus. Für den Mindestpreis von 417.000 Euro bot die Stadt das Gebäude schließlich wieder zum Kauf an – und das BK bekam den Zuschlag: Bereits im Juni 2023 hat der Rat dem Geschäft zugestimmt. Bis zum endgültigen Abschluss des Deals mit Zustimmung sämtlicher Beteiligten auf BK-Seite dauerte es allerdings noch bis Ende des vergangenen Jahres. Über den genauen Kaufpreis herrscht Stillschweigen, BK-Geschäftsführer Stefan Fischer verrät im Gespräch mit der HAZ, dass „etwas mehr als Mindestgebot“ gezahlt worden sei.

Aber was will das Krankenhaus eigentlich mit dem Gebäude, das zurzeit ans Bistum vermietet ist und von der benachbarten Augustinusschule genutzt wird? Zumal der Mietvertrag noch bis 2044 läuft und bis dahin auch erfüllt werden soll – und das Bistum die Immobilie laut diesem Vertrag unentgeltlich nutzt, lediglich für die laufenden Kosten und Instandhaltung aufkommen muss.

Alte Vereinbarung sorgt für ausbleibende Einnahmen

Diese Vereinbarung bestand nach Angaben des städtischen Pressesprechers Helge Miethe schon seit 1974 und geht auf das Konkordat zwischen Katholischer Kirche und Stadt zurück. Die Verwaltung hat dem Bistum in dem Zuge das Gelbe Haus für schulische Zwecke überlassen, im Gegenzug hat das Bistum der Stadt das Gebäude der ehemaligen Don-Bosco-Schule ebenfalls zweckgebunden überlassen. An diesem Standort befindet sich jetzt die Oskar-Schindler-Gesamtschule. Vereinbart ist nach Miethes Angaben: Beide Seiten verzichten auf Pachtzahlungen, der jeweilige Schulträger ist für die Unterhaltung des von ihm genutzen Gebäudes verantwortlich und trägt die Kosten.

Platz für spätere Neubaute des Krankenhauses?

„Es ist ganz sicher kein Rendite-Objekt“, sagt BK-Chef Stefan Fischer über den Neuzugang im Immobilienportfolio, und er macht klar: An dem Gelben Haus selbst hat im BK tatsächlich mittelfristig niemand ein gesteigertes Interesse. Es sei dem BK vielmehr um das gut 1500 Quadratmeter große Grundstück gegangen, dass später eventuell für Neubauten genutzt werden könnte. Fischer erklärt: Es habe sich angeboten, die Fläche zu sichern, um in Zukunft die Option für eine eigene Nutzung zu haben, ohne dann mit anderen Eigentümern verhandeln zu müssen – oder eben gar keine Chance mehr auf den Zugriff zu haben.

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