Hin und Her

Jetzt also doch: Stadt Hildesheim will das Gelbe Haus an der Treibestraße verkaufen

Hildesheim - Die Stadt will das Gelbe Haus gegenüber des St. Bernward Krankenhauses verkaufen – für deutlich mehr Geld als noch vor vier Jahren. Haben die damaligen Investoren noch Interesse?

Das Gelbe Haus an der Treibestraße steht erneut zum Verkauf. Foto: Joscha Röhrkasse

Hildesheim - Die Stadt Hildesheim will das Gelbe Haus an der Treibestraße 4 wieder verkaufen – für 417.000 Euro zuzüglich Vertragsnebenkosten. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Verkauf der Immobilie im Raum steht. Das St. Bernward Krankenhaus (BK) hatte der Stadt im Jahr 2019 ein Kaufangebot für das Grundstück samt Gebäude unterbreitet. Die Verwaltung hatte dem Finanzausschuss infolge dessen vorgeschlagen, das Objekt für 260.000 Euro an das BK abzutreten. Als die Politik dem Deal mit der Begründung, man wolle erst noch die Umbaupläne des BK abwarten, einen Dämpfer verpasste, meldeten plötzlich auch private Investoren ihr Interesse an der Immobilie an. Zwischenzeitlich lagen der Stadt dann sogar vier Kaufangebote vor. Letztlich folgte aus keinem davon ein Kaufabschluss. „Von einem damaligen Verkauf wurde abgesehen, da die Stadt Hildesheim noch mit den Planungen über eine Neugestaltung der verkehrlichen Situation im Bereich der gesamten Treibestraße befasst war“, teilt Stadtsprecher Helge Miethe jetzt auf HAZ-Nachfrage mit.

Da die Verkehrsplanungen nun abgeschlossen seien, und der Stadt eine erneute Kaufanfrage vorliege, erwäge sie den Verkauf des Grundstücks. Inzwischen will sie aber knapp 160.000 Euro mehr als damals während der Gespräche mit dem BK im Raum standen. Dem aktuellen Preis liege eine Verkaufswertermittlung zugrunde, sagt Miethe weiter. Wie die HAZ jetzt erfuhr, hat es aber schon seinerzeit Angebote in vergleichbarer Höhe gegeben. „Wir haben damals 400.000 Euro geboten“, sagt etwa der Unternehmensberater Nikolaus Schramm. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Carsten Paulick wollte er das Gelbe Haus 2019 kaufen und daraus ein Hostel für Jugendliche machen – eine Idee mit historischen Wurzeln, könnte man sagen; einst diente die Immobilie als Jugendherberge. Inzwischen nutzt die benachbarte St.-Augustinus-Oberschule die Räume. Mieterin ist das Bistum Hildesheim. Der Mietvertrag darf frühestens ab dem Jahr 2044 gekündigt werden, teilt die Stadt mit. Das war Schramm und Paulick bei ihrem ersten Kaufangebot nicht bewusst. Dabei war der Mietvertrag mit dem Bistum bereits 2017, also noch vor der Debatte über einen möglichen Verkauf des Gebäudes, verlängert worden, wie Stadtsprecher Helge Miethe 2021 mitteilte.

Stadt schweigt zur Höhe der Miete

Aber auch heute mildert der Umstand, dass es einen Mieter gibt, das Kaufinteresse der Geschäftspartner nicht maßgeblich: „Grundsätzlich ist es für einen Investor eine tolle Geschichte, wenn man da einen Mieter drin hat“, sagt Paulick im HAZ-Gespräch. Viel entscheidender – da sind sich die beiden Interessenten einig – sei nun die Frage nach der Höhe der monatlichen Mieteinnahmen. „Ich habe noch keine Auskünfte darüber eingeholt“, sagt Paulick. Im von der Stadt veröffentlichten Exposé sei darüber jedenfalls nichts zu finden. Stadtsprecher Miethe verweist gegenüber der Redaktion auf die Verschwiegenheitspflicht. Er dürfe sich dazu nicht äußern.

Neben der Frage, ob sich die Investition in dieser Höhe angesichts etwaiger Mieteinnahmen rentieren würde, beschäftigt Schramm und Paulick aber noch ein weiteres Thema: Das Gebäudeenergiegesetz (GEG). Das stellt Anforderungen an die energetische Qualität von Gebäuden, es regelt auch, nach welchen Kriterien Energieausweise von Immobilien erstellt werden, und es liefert Vorgaben für den Einsatz erneuerbarer Energien. So verbietet das GEG etwa den Einbau neuer Ölheizungen ab dem Jahr 2026. Das GEG folgt dabei den Eckpunkten des 2019 vom Bundeskabinett beschlossenen Klimaschutzprogrammes 2030. Das hat zum Ziel, dass Deutschland bis zum Jahr 2030 55 Prozent weniger klimaschädliche Treibhausgase wie CO2 ausstößt.

Bauliche und finanzielle Herausforderungen

Immobilienbesitzer stellt das GEG dieser Tage vor einige bauliche und finanzielle Herausforderungen, da viele ältere Gebäude mitunter vollständig saniert werden müssen. Es ist anzunehmen, dass auch bei dem Gelben Haus, das 1926 errichtet worden ist, in den kommenden Jahren Sanierungsmaßnahmen erforderlich sind. Oder wie Schramm es ausdrückt: „Bei diesem Gebäude wäre der energetische Sanierungsaufwand vermutlich sehr sehr groß.“ Hinzu kämen Aspekte des Denkmalschutzes, wie Paulick anmerkt. Zwar ist das Gebäude selbst nicht denkmalgeschützt, da es sich aber in der unmittelbaren Nachbarschaft von Baudenkmälern wie dem UNESCO-Welterbe Dom St. Maria befindet, muss bei baulichen Vorhaben auch der Umgebungsschutz berücksichtigt werden. Das könne etwa eine Rolle spielen, wenn man Photovoltaikanlagen auf dem Dach installieren wolle, so Paulick.

Der Markt sei, gerade mit Blick auf die energetischen Herausforderungen, zurzeit sehr verunsichert, urteilt Schramm. Zur Frage, ob das ein Grund dafür sei, dass die Stadt das Gebäude nun doch verkaufen wolle, sagt Stadtsprecher Miethe: „Die Verkaufsabsicht und der Preis sind nicht in einer Sanierung und den damit einhergehenden Kosten begründet.“ Das habe also nichts mit den derzeit hohen Preisen am Markt für eine energetische Sanierung zu tun.

Ob das BK aktuell noch Interesse an dem Grundstück hat, war bis Redaktionsschluss nicht in Erfahrung zu bringen. Die beiden Unternehmer Paulick und Schramm können sich allerdings nach wie vor vorstellen, das Haus zu erwerben. Allerdings nicht ohne die Mieten und den Sanierungsbedarf zu kennen. Auch der Verkaufspreis müsste wahrscheinlich noch ein Stück weiter nach unten geschraubt werden. Schramms Prognose: „Zu dem aktuellen Preis wird es niemand kaufen.“

Wer Interesse an dem Grundstück hat, kann noch bis zum 3. Mai sein Angebot an den Fachbereich Wirtschaftsförderung und Liegenschaften, Markt 1 in 31134 Hildesheim, richten.

  • Hildesheim
  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.