Hildesheim - Die Bauverwaltung hat in der jüngsten Sitzung des Ortsrats Marienburger Höhe/Galgenberg eine komplette Umgestaltung der Marienburger Straße in Höhe des Marienburger Platzes vorgestellt. Dabei soll die Fahrbahn in Richtung Stadt auf eine Fahrspur reduziert werden. Gleichzeitig werden die Bushaltestellen in beide Fahrtrichtungen auf die Fahrbahn verlegt. In der Mitte der Straße wird eine Insel als Querungshilfe gebaut und mit Bäumen bepflanzt. Kritik der zahlreich erschienenen Bürger wischt die städtische Planungsamtschefin Sandra Brouer beiseite. „Ja, es wird sich stauen. Man kann es auch Entschleunigung nennen.“ Dafür erntet sie fassungsloses Gelächter aus dem Auditorium.
Geänderte Zufahrten
Auch für die Zufahrt zu dem Einkaufszentrum am Marienburger Platz ändert sich einiges. Auf den Parkplatz und in die Tiefgarage gelangen die Verkehrsteilnehmer nur über die Zufahrt im Südteil des Zentrums. Dort wird auch die Ausfahrt aus der Tiefgarage gebaut, die allerdings nur für Autofahrer gedacht ist, die Richtung Innenstadt fahren wollen. An der Treuburger Straße wird eine weitere Ausfahrt gebaut. Diese sollen Autofahrer nutzen, die vom Einkaufszentrum Richtung Itzum fahren wollen. Die Treuburger bleibt Zufahrt zur Universität. Die Parkplätze an der Treuburger Straße sollen wegfallen, damit es dort keinen Parksuchverkehr mehr gibt.
„Baumaßnahmen nicht durchdacht“
Mit diesen Plänen kann sich Ortsratsmitglied Ann-Sophie Palandt (CDU) überhaupt nicht anfreunden. „Es kann doch nicht das Ziel sein, dass die Verkehrspolitik die Innenstadt abschottet.“ Sie nutzt ihren Beitrag für eine grundsätzliche Abrechnung mit der Bauverwaltung: „Ich finde alle Baumaßnahmen der Stadt in der letzten Zeit nicht durchdacht.“ Ortsratsmitglied Susanne Philipps (Grüne) weist darauf hin, dass durch den Plan auch die Busse entschleunigt werden. Vor allem vermisst sie ein Konzept für den Radverkehr: „Was ist mit den Radfahrern? Gerade E-Bike-Fahrer wollen auch schnell fahren.“ Achim Schattmann, ebenfalls Grüne, begrüßt, dass Autos durch die Neuregelung ausgebremst werden: „Der Autoverkehr muss sich verringern.“
Wo bleiben die Radfahrer?
Bei einem Thema sind sich die Ortsratsmitglieder einig: Es fehlt in dem Konzept eine Radplanung. Doch Planungsamtschefin Brouer kontert: „Die Detailplanungen beginnen jetzt erst.“ Das Konzept wird demnächst dem Stadtentwicklungsausschuss vorgelegt, der über das weitere Vorgehen entscheidet. Den Ortsrat kann Brouer mit ihren Argumenten nicht überzeugen. Ortsbürgermeister Norbert Frischen (Grüne): Wir sehen uns nicht in der Lage, der Vorlage zuzustimmen.“ Der Ortsrat lehnt die Beschlussvorlage einstimmig ab.
Der Marienburger Platz ist seit Jahren Gesprächsthema im Ortsteil, weil dort der Investor Jan Vogt das bisherige Einkaufszentrum abreißen und neu bauen will. Doch noch immer gibt es keine Fortschritte. Jan Vogt stellt auf der Ortsratssitzung seine Sicht der Dinge dar. Insbesondere die Verlängerung des Pachtvertrages mit der Südklause bis 2035 hat für Irritationen im Ortsteil gesorgt, weil das die Befürchtung nährt, dass erst dann mit dem Abriss und Neubau begonnen werden kann. Jan Vogt beruft sich jedoch auf dem Datenschutz bei privatrechtlichen Verträgen und will daher nur wenig zu Verlängerung der Pachtzeit mit der Südklause sagen: „Die Motivation dafür ging vom Wirt aus.“
Investor informiert
Jan Vogt will niemandem die Schuld für die Verzögerungen geben, nennt eher abstrakt die Bürokratie als Ursache. Mit Planungsamtschefin Sandra Brouer sei er regelmäßig in Gesprächen, die allerdings auch kontrovers verlaufen. Er nutzt seinen Auftritt dafür, auf die Sorgen und Nöte der Unternehmer im Einkaufszentrum hinzuweisen. Dabei geht es um Unsicherheiten bei Investitionsentscheidungen, aber auch um die Zukunft der dortigen Arztpraxis, die inzwischen viel zu klein für die vielen Patienten geworden ist.
Verärgert ist vor allem Ortsbürgermeister Norbert Frischen: „Es gibt bestimmte Vorstellungen von Herrn Vogt, von denen er nicht einen Deut abweichen will.“ Das weist Investor Jan Vogt zurück: „Ich bin von meinen Vorstellungen schon meilenweit entfernt.“ Investor, Unternehmer, Ortsrat und Stadtverwaltung wollen zwar, dass möglichst schnell Klarheit über die Zeitschiene für das Projekt herrscht. Doch die Sitzung bringt dazu keine neuen Informationen.
