Hildesheim - Wie geht es weiter mit dem Bauvorhaben für den Marienburger Platz? Kommt der anvisierte mehrgeschossige Neubau mit Wohnungen und Büros – und wenn ja, wann? Möglicherweise noch lange nicht. Das zumindest lässt sich aus einer Information schließen, die Südklause-Chef Maik Kurpjuhn nun verkündet: „Ich habe mit dem Verpächter einen neuen Nutzungsvertrag unterschrieben – der läuft bis 2035.“
2035. Das sind zwölf Jahre. Und es ist eine Nachricht, die den anderen Mietern im bestehenden Einkaufszentrum unterhalb des Hauptcampus der Universität Hildesheim zumindest Planungssicherheit geben könnte. Könnte. Denn auf Nachfrage der HAZ hat der Eigentümer der Immobilie und Investor Jan-Christopher Vogt von der Firma part AG noch nicht reagiert. Die Information also noch nicht bestätigt. Doch die Aussage von Kurpjuhn steht nun im Raum. Auch eine kürzlich erschienene Anzeige, dass die Südklause demnächst in dritter Generation weitere zehn Jahre am selben Standort weitergeführt wird.
Das weiß auch Ortsbürgermeister Norbert Frischen, der für den Stadtteil Marienburger Höhe/Galgenberg zuständig ist. Die Verlängerung bis 2035 ist ihm allerdings neu, wundert ihn aber auch nicht: „Bislang hat sich der Investor nicht klar zu seinen Plänen öffentlich geäußert.“ Das könnte sich aber in Kürze ändern. Vogt habe zugesagt, zu der nächsten Ortsratssitzung am Dienstag, 21. November, um 19 Uhr in der Mensa der Oskar-Schindler-Gesamtschule zu kommen.
Kommen werden wohl auch etliche der Pächter aus dem Ladenzentrum, denn für sie steht die nahe Zukunft auf der Tagesordnung der Sitzung – wenn nicht sogar auf dem Spiel. Wie bei der Geschäftsführerin des Leseladens, Heike Altmann-Hürter. Sie betreibt auf der Marienburger Höhe seit neun Jahren ihr Buchgeschäft und sieht sich in einer Zeit der Ungewissheit. „Es lähmt die Investitionsbereitschaft, wenn man nicht weiß, wie und ob es weitergeht.“
Große Unsicherheiten für die Pächter
Seit neun Jahren sei in ihrem Geschäft seitens der Eigentümer nichts gemacht worden. Sie weiß nicht, ob sie mit einem Abriss rechnen muss. Und es sind noch mehr Fragezeichen: Wie lange dauert die Bauphase? Was kommt auf die Mieter zu? Und wie hoch werden die Mieten im Neubau sein? Eines weiß sie aber jetzt schon: deutlich höher.
Auch Gastronom Vincenzo Passini vom Paximo weiß nicht, was er noch glauben soll: „Wir hören so viel, brauchen aber endlich Klarheit.“ Auch er will in sein Geschäft investieren, mehr Plätze schaffen, das Lokal brummt. Doch die Bestandsgebäude sind alt, von einer Sanierung sei nicht die Rede. Immerhin eines weiß er: Sein Vertrag läuft noch bis August 2029. Immerhin gut sechs Jahre. Oder fünf, wenn man den Vorlauf der Kündigungsfrist mit einberechnet.
Informationsstand der Grünen
Am Freitagvormittag hatten die Grünen einen Informationsstand inmitten des Marktgewimmels – auch um mit Bürgern und Bürgerinnen über die anstehenden Themen der Ortsratssitzung zu sprechen. Dazu gehören auch die Pläne zur Verkehrssituation und seit kurzem die Debatte zu den geplanten neuen Flüchtlingsunterkünften.
Zumindest das Verkehrsthema hat auch direkt mit dem Marienburger Platz selbst zu tun. Vor Ortsbürgermeister Frischen liegen zwei Pläne: der aktuelle und der letzte Stand von vor zwei Jahren. Der einzige Unterschied: Im neuen Plan fehlt die angekündigte Mobilitätsstation. Doch die ist wichtiger Bestandteil des neuen Verkehrskonzeptes. Frischen schüttelt den Kopf: „Kein Fortschritt in zwei Jahren zu erkennen.“ Er ist auf die Ortsratssitzung am 21. November jedenfalls sehr gespannt.
Was die Uni zu den Plänen sagt
Einer, der ebenfalls immer wieder zu Gast ist bei den Ortsratssitzungen, ist Uni-Baudezernent Thomas Hanold – direkter Anlieger am Marienburger Platz. Er hat in der Vergangenheit oft betont, wie wichtig ihm städtebauliche Lösungen dort sind, die die Sichtbarkeit der Universität auch als Gastgeber für den Stadtteil verbessert. Dazu zählt auch, dass die Treuburger Straße als Passage deutlich weniger durch Autoverkehr belastet wird. Doch auf den Plänen soll hier die Ausfahrt für das neue und größere Parkhaus unter den Neubauten liegen.
„Wir wollen die Aufenthaltsqualität auf dem Campus verbessern“, betont Hanold im Gespräch mit der HAZ. Dabei spielt auch eine Mobilitätsstation eine Rolle. Doch es ist ihm ein Rätsel, wo die hin soll. Zum Thema Parken habe die Hochschule mittlerweile alle ihre Optionen ausgereizt. Er würde es jedenfalls unterstützen, wenn die Stadt im Umfeld Bewohnerparken einrichten würde. Auch einem Neubau auf dem Marienburger Platz steht er positiv gegenüber. Man müsse in der Planung aber eben auch die direkte Nachbarschaft zur Hochschule im Blick behalten.
Kommentar: Fakten schaffen für die Marienburger Höhe
Doch kein Neubau am Marienburger Platz auf absehbare Zeit? Darauf lässt jedenfalls der neue Pachtvertrag für die Südklause schließen. Doch es muss endlich Schluss sein mit den vielen Fragezeichen. Denn Pächter, Investor und die Anlieger auf der Marienburger Höhe haben ein Recht auf Planungssicherheit, wie es mit dem Herzstück unterhalb der Universität weitergehen soll. Wenn bis 2035 dort nichts passiert, ist das zumindest eine harte Wahrheit. Sie wird nicht allen passen. Denn die Sanierung des Platzes und damit die Entwicklung des Stadtteils Marienburger Höhe rücken damit in weite Ferne.



