Gymnasium

Streit ums Andreanum in Hildesheim: Schüler rudern zurück, Eltern legen nach

Hildesheim - Der Streit um den baulichen Zustand des Hildesheimer Gymnasiums Andreanum führt zu skurrilen Trieben: Während die Schüler zurückrudern, legen die Eltern deutlich nach.

Blick durch das historische Portal auf das Gymnasium Andreanum in Hildesheim. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Der Streit um den baulichen Zustand des Gymnasiums Andreanum führt offenbar dazu, dass auch die Gremien der Schule nicht mehr an einem Strang ziehen. Während die Schülervertretung inzwischen nicht mehr an ihrem vor wenigen Wochen sehr deutlichen, kritischen Brief an Landesbischof Ralf Meister festhält, legen die Eltern der Schule noch einmal mit vehementen Worten nach. „Uns ist wichtig, dass das Thema jetzt final zu Ende geführt wird“ sagt die Vorsitzende des Gremiums, Kirstin Seidel.

Hintergrund ist der teilweise marode Zustand des evangelischen Gymnasiums am Hagentorwall. An mehreren Stellen dringt Wasser in die Gebäude ein, Klassenräume mussten gesperrt werden. Der Tropfen, der bei den Eltern das Fass zum Überlaufen brachte, war der Zustand des stadtweit bekannten Telemannsaals. Der ist nach einem Wasserschaden gesperrt. Die Landeskirche hatte schon vor Jahren angekündigt, die baufälligen Gebäudeteile sanieren zu wollen. Doch der Plan verschiebt sich immer weiter nach hinten, weil die Landeskirche mit der Stadt Hildesheim über die Finanzierung verhandelt. Inhaltlich gebe es keinen neuen Stand, erklärte Benjamin Simon-Hinkelmann, Sprecher der Landeskirche Hannovers, jetzt auf Nachfrage der HAZ.

Aussagen wie diese bringen die Eltern inzwischen auf die Palme. Frank Wuttke vom Schulelternrat nennt die öffentlichen Äußerungen zum Thema „Drumherumgerede“. Kristin Seidel spricht den beteiligten Institutionen die erforderliche Ernsthaftigkeit ab. Und Julia Hennies vom Schulelternrat sagt: „Wir bekennen uns zu dieser Schule, aber wir fordern jetzt ein offenes Wort.“

Briefe an den Landesbischof und den Oberbürgermeister

Die Vermutung der Eltern ist, dass es bis heute noch gar keine ernsthaften Verhandlungen gegeben hat. Sowohl Landeskirche als auch Stadt berichten von Verhandlungen, allerdings ohne Angaben zu Kosten, Zeiten oder tatsächlich anstehenden Maßnahmen. Schon in ihrem Brief an Landesbischof Ralf Meister und Oberbürgermeister Ingo Meyer sprachen die Eltern offen von einem „Vertrauensverlust“.

Bisher hatten die Gremien des Gymnasiums immer mit einer Stimme gesprochen. Dass dies nicht mehr der Fall ist, zeigt sich vor allem an der Reaktion der Schülerinnen und Schüler. Sie sprechen in einer schriftlichen Reaktion von „aus dem Kontext gerissenen Aussagen“, die die Schule auf „Flecken an der Wand und Wannen im Flur“ reduziere. „Schule ist mehr als nur ein Gebäude. Hinter den Fassaden proben weiterhin das Orchester und der Chor, es begegnen sich weiterhin Menschen vieler Kulturen und Religionen und weiterhin lernen wir zusammen und genießen gemeinsam die familiäre Atmosphäre am Andreanum.“

Das gesamte Ensemble am Michaelishügel einbeziehen?

Auch die Eltern sehen das Andreanum als Juwel in der Hildesheimer Schullandschaft. Allerdings sind sie der Meinung, dass zu wenig darüber nachgedacht wird, wie man diesen Schatz für die gesamte Umgebung nutzbar machen könnte. „Man muss doch bei den Planungen auch das gesamte Ensemble am Michaelishügel betrachten“, sagt Wuttke. So könnte die Schule nach 16 Uhr und an Wochenenden vielleicht als Ort für evangelische Jugendtreffen genutzt werden. Die Teilnehmenden könnten vielleicht im Klosterhotel übernachten. „Uns fehlt an dieser Stelle ein Masterplan, und dabei sehen wir die Kirche in der Pflicht“, sagt Seidel.

Was hingegen passiere, ist nach Meinung der Eltern viel zu kurz gegriffen. „Dabei wäre es gerade für die Kirche eine große Chance, um mehr Kontakt zu Kindern und Jugendlichen zu bekommen. „Es wäre schön, wenn es jemanden gäbe, der dieses Potenzial mal prüfen würde.“

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