Hoheneggelsen - Die knatternden Rotorblätter von Hubschraubern bleiben selten unbemerkt. Auch der Polizeihubschrauber, der am Montagabend etwa 30 Minuten lang über Hoheneggelsen im Einsatz war, hat die Aufmerksamkeit vieler Anwohner auf sich gezogen.
Polizei suchte einen Süßigkeiten-Dieb
Einsatzkräfte der Polizei haben bei der Suche nach einem Dieb Unterstützung durch die Hubschrauberstaffel angefordert. Der Gesuchte hatte versucht, einen Einkaufswagen voller Süßigkeiten aus dem Aldi-Markt in Hoheneggelsen zu stehlen. Er ist mit seiner Beute aber nicht weit gekommen: Als ein Mitarbeiter eines benachbarten Elektromarktes ihn auf dem Supermarktparkplatz ansprach, flüchtete er in ein angrenzendes Maisfeld. Den Einkaufswagen mit der Ware ließ er zurück.
Als die Polizei eintraf, vermuteten die Beamten, dass der Mann sich immer noch im Maisfeld versteckt und forderten deshalb den Hubschrauber an, um aus der Luft suchen zu können.
War der Einsatz des Hubschrauber übertrieben?
War der Einsatz des Hubschraubers in diesem Fall verhältnismäßig? Einige Leser haben Zweifel. „Und dann gleich mit Hubschrauber los, der Einsatz steht zum Diebstahl in keiner Relation“, kommentiert beispielsweise Jessica Scheer auf der Facebook-Seite der HAZ.
Die Polizei hält dagegen: „Hätte der Dieb lediglich eine Packung Kaugummi gestohlen, hätten die Kollegen sicher nicht den Hubschrauber angefordert.“, erklärt Polizeisprecher Jan Makowski. Feste Kriterien, wann der Hubschrauber angefordert wird, gebe es nicht, das entschieden die Einsatzkräfte stets im Einzelfall. Beim Fall in Hoheneggelsen spielte unter anderem die Dimension des geplanten Diebstahls eine Rolle: Der Mann schob einen Einkaufswagen voller unbezahlter Ware aus dem Supermarkt, der Wert der Süßigkeiten lag im unteren vierstelligen Bereich. „Außerdem gab es Hinweise, dass sich der mutmaßliche Täter noch in der Nähe aufhält. Auch das sprach dafür, den Hubschrauber anzufordern.“ Denn der sei nun mal ein Einsatzmittel für die Suche nach Straftätern und habe einen großen Vorteil: Die Hubschrauberbesatzung überblicke das Einsatzgebiet aus der Luft und übermittle ihre Erkenntnisse sofort an ihre Kollegen am Boden. Sie sei wie ein zusätzliches Auge.
Beim Vorfall in Hoheneggelsen kam ein Hubschrauber der Bundespolizei zum Einsatz, der sich zu diesem Zeitpunkt ohnehin über dem Landkreis unterwegs war. Normalerweise rückt eine Besatzung aus Langenhagen aus, die jedoch laut Makowski verhindert war.
Die Aufgaben der Hubschrauberstaffel
Einen zweiten Standort Hubschrauberstaffel der Polizei in Niedersachsen gibt es in Rastede bei Oldenburg. Die insgesamt vier Hubschrauber fliegen von ihren Standorten aus jährlich zu mehr als 1000 Einsätzen.
Sie sind mit einer Wärmebildkamera ausgestattet. Die hilft bei Einsätzen in der Dunkelheit oder bei schwer einzusehendem Gelände. Foto- und Videoaufnahmen werden bei Bedarf an die zuständigen Ermittler weitergegeben.
Die Hubschrauber unterstützen aber nicht nur bei der Suche nach Straftätern. Sie helfen auch, wenn Personen vermisst werden. Wenn der Hubschrauber von der einsatzführenden Behörde oder Dienststelle angefordert wird, entscheidet die Hubschrauberstaffel, ob ein Start möglich ist. Das hängt zum Beispiel vom Wetter ab.
Beispiele: Hubschraubereinsätze auf der Suche nach Straftätern
Einige Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit in Stadt und Landkreis Hildesheim:
22. Mai: Nach einem Laubeneinbruch in Hildesheim geht die Polizei davon aus, dass der Täter noch in der Nähe ist. Sie fordert Unterstützung aus der Luft an. Ein 25-Jähriger wird festgenommen.
4. Mai: Zwei Männer entziehen sich in Hönnersum einer Verkehrskontrolle, rasen mit bis zu 220 Stundenkilometern in Richtung Borsum davon. Die Beamten verlieren den BMW bei der Verfolgungsjagd zwar kurz aus den Augen. Doch mit einem starken Suchscheinwerfer wird er vom Hubschrauber aus entdeckt und schließlich am Boden gestoppt.
27. April: Drei Männer rauben einen Taxifahrer aus, flüchten von der Jahnswiese am Galgenberg. In diesem Fall bleibt die Suche mit dem Helikopter erfolglos.
3. Februar: Nach einem Überfall auf einen Kiosk in Sarstedt eilt auch ein Hubschrauber zur Hilfe. Die flüchtigen Täter können entkommen.
27. Oktober 2019: Ein Betrunkener 21-Jähriger aus Alfeld flüchtet, nachdem er in Diekholzen mit seinem Auto einen anderen Wagen beschädigt hat. Er wird per Hubschrauber aufgespürt. tw
