Hildesheim - Nach drei Tankstellen-Überfällen, die sich in Hildesheim in kurzer Folge ereignet haben, ermittelt die Polizei weiter intensiv, wie Sprecher Jan Makowski auf HAZ-Nachfrage sagt. „Einen zielführenden Hinweis auf den Täter haben wir bislang noch nicht.“ Am 27. Dezember 2023 war die Esso-Tankstelle in der Steuerwalder Straße überfallen worden, am 23. Januar die Aral in der Marienburger Straße und eine Woche später schließlich die Leo-Tankstelle gegenüber vom Wasserparadies.
Für deren Betreiber Benjamin Mai ist das Geld, das der Täter erbeutet hat, zu verschmerzen – 3000 Euro in seinem Fall. „Aber was es für die Angestellten bedeutet, für jemanden, der da gerade an der Kasse steht, das ist doch das eigentlich Schlimme an solchen Taten.“ Bei dem Überfall auf seine Tankstelle etwa sei der Täter, der mit einem Messer bewaffnet war, sofort hinter den Kassentresen gegangen. „Und man weiß ja nie, wie weit der geht, was der im nächsten Moment bereit ist zu tun“, so Mai.
Ja, es gibt Aufnahmen von dem Überfall
Er habe sein Team zwar immer darauf geschult und vorbereitet, dass so etwas passieren könne. Etwa dadurch, dass er ihnen gesagt habe: Gebt das Geld einfach raus. Passt in so einem Moment nur auf euch auf, darauf kommt es an. Und natürlich hat er an der Tankstelle auch entsprechende technische Vorkehrungen getroffen. So gebe es von dem Überfall Aufnahmen, sagt Mai. „Die haben wir der Polizei natürlich zur Verfügung gestellt, wir befinden uns da in einem sehr engen Austausch.“ Er hoffe nun, dass der Täter nicht noch einmal die Gelegenheit haben wird, irgendwo zuzuschlagen. „Denn es ist ja egal, ob es eine Tankstelle trifft oder irgendwo einen Laden oder welche Einrichtung auch immer. Es ist niemandem zu wünschen, dass er eine solche Situation erleben muss.“
Wer als Kunde oder Passant auf einen Überfall zukommt, dem rät die Polizei dringend davon ab, sich selbst in Gefahr zu begeben. „Man weiß nie, ob der Täter bewaffnet ist und wie er reagiert“, so Makowski. Besser sei es, sofort den Notruf zu wählen und den Täter zu beobachten, um ihn später so genau woie möglich beschreiben zu können. „Dabei helfen uns spezifische Merkmale besonders“, sagt Makowski: auffällige Tätowierungen etwa, ein besonderes Kleidungsstück oder körperliche Merkmale. „und ganz wichtig ist auch eine Angabe zur Fluchtrichtung. So können die Beamten am schnellsten die Verfolgung aufnehmen.“
Der Täter soll auffällig dünne Beine haben
Im Fall der letzten Tankstellen-Überfälle wurde der Täter als etwa 1,80 Meter groß beschrieben, er sei schlank mit auffällig dünnen Beinen. Er trug mehrfach eine schwarze Daunenjacke, eine dunkle Hose und sprach akzentfreies Deutsch. Wer etwas zu der gesuchten Person oder den Taten sagen kann, wird gebeten, sich telefonisch unter 939-115 bei der Polizei zu melden.
Die Polizei in Hildesheim hat bereits Erfahrung mit Überfall-Serien, wie es sie etwa im Sommer 2021 gab: Auch damals hatte es ein Täter auf Tankstellen abgesehen. Kurz hintereinander traf es zunächst die M1-Tankstelle im Bavenstedter Gewerbegebiet, dann schlug ein Täter bei der SB-Tankstelle in der Goslarschen Straße zu, und nur wenig später überfiel jemand die Esso-Tankstelle in der Steuerwalder Straße.
Ein 30-Jähriger Täter mit einem Suchtproblem
Der jeweilige Täter war jedes Mal bewaffnet und flüchtete mit dem Fahrrad. Und die Arbeit der Polizei, die mit Hochdruck und einer eigens eingerichteten Ermittlungsgruppe an dem Fall arbeitete, ihn zu schnappen, zahlte sich bald aus. Nur Tage nach dem dritten Überfall berichteten Staatsanwaltschaft und Polizei, dass die Veröffentlichung von Foto- und Videomaterial aus einer Überwachungskamera entscheidende Hinweise gebracht hatte. Zwar trug der 30-jährige Mann bei den Taten eine dunkle Sonnenbrille und eine Maske, wurde aber trotzdem erkannt. Als Motiv für die Taten gab er später Drogensucht an: Er habe das erbeutete Geld gebraucht, um neues Rauschgift beschaffen zu können.
