Hildesheim - Was wären die Wallungen ohne Regen? Pünktlich um 16 Uhr, auf die Minute genau zum Programmstart am Samstagnachmittag, fallen die ersten Tropfen. An der Turmbühne, wo gerade das Jazz- und Tango-Duo Richard Häckel und Nicolae Gutu loslegt, sitzen die Leute auf Iso-Matten im Gras, ziehen sich Regencapes über und spannen Regenschirme auf – und lassen die Wolken geduldig weiterziehen.Dabei war es ein Auftakt nach Maß für die achten Hildesheimer Wallungen. Freitagabend, 23 Uhr: Die neun Musikerinnen und Musiker von Eclipsed By The Moon verbeugen sich vor einer unübersehbaren Publikumsmenge. Sind es 2500, 3000 oder mehr, die der Band zujubeln? Kaum zu schätzen. Die Hildesheimer Gruppe hat eine nahezu perfekte Pink-Floyd-Show geboten, mit großem Licht-Spektakel und Hits wie „Wish You Were Here“ oder „Another Brick In The Wall“. Und dazu, in voller Länge, „Dark Side Of The Moon“. Zum Finale, schaut zwischen den Bäumen gegenüber der Bühne ein großer, gelber Mond hervor.
Lässiger Auftakt
Es ist ein entspannter, lässiger Auftakt: Festival-Mitbegründer Stefan Könneke wirft mit einem breiten Grinsen den Rechner an und lässt pulsierende Beats auf das schon überraschend zahlreiche Publikum niedergehen, DJ Giorgio scratched dazu, Siggi Stern rappt: „Es wollen alle feiern, groß bis klein, bei den Wallungen in“ – und die Menge ruft: „Hildesheim!“ Patricia Mell dolmetscht das Ganze in Gebärdensprache. Mal etwas ganz anderes als die steifen Reden-Orgien, die man von ähnlichen Anlässen kennt.
Lange Schlangen an den Ess- und Getränke-Ständen
Maximilian kann auch ohne Strom weitertanzen – Eclipsed By The Moon wäre aufgeschmissen. Doch auf der großen Bühne läuft alles wie geschmiert. Großer Sound, Laser und Videos: Es ist das Highlight zum Beginn, das sich alle erhofft hatten.
Musikalisch ein perfekter Abend, doch wie so oft bei Auftritten von Eclipsed sind die Veranstalter auch diesmal nicht wirklich vorbereitet auf die Besucherzahlen. Zwei Bierbuden und drei Essstände: Das ist einfach zu wenig für so viele Leute. Für eine Bratwurst muss man in der Hochphase eine halbe Stunde anstehen, für Kartoffeln am Spieß ungefähr genauso lange. Beim Bier geht es schneller, aber nur ein bisschen, obwohl die Thekenteams ihr Bestes geben. Und das alkoholfreie Bier ist frühzeitig ausverkauft.
Trotzdem behalten die meisten ihre gute Laune. Viele bleiben noch bis nach Mitternacht im bunt erleuchteten Park, umarmen Bekannte, unterhalten sich und schmieden Pläne für die beiden nächsten Festivaltage.
Am Samstagnachmittag sieht man sich schon wieder. Auf der Gefängnisbühne zelebrieren High Fidelity aus Hannover ihren Americana-Sound, der Chor die TonCoolen zieht übers Gelände und zieht das Publikum mit einer A-Cappella-Version des Eurythmics-Hits „Sweet Dreams“ an, am Geschichtenzelt des Autorenkreises „Wort für Wort“ tanzen Kinder und Erwachsene ihm Seifenblasengestöber, Kaspar (15) und Emilie (19) Blohmer vom Akrobatikduo Botanik verblüffen mit ihrer Tuchartistik an einer alten Esche im Park.
Auf der großen Parkbühne stimmen zeitgleich Chor, Solistinnen und Solisten des Theaters für Niedersachsen vor hunderten von Menschen die schönsten Ohrwürmer aus dem Oratorium „Das Leben des Brian“ an. Am frühen Abend kommen die Wallungen richtig auf Touren – es lohnt sich, noch hinzugehen. Morgen geht es von 11 bis 18 Uhr weiter. Wenn man der Prognose trauen darf: ohne Regen!
Mehr Bilder finden Sie in unserer Online-Galerie. Außerdem haben wir Programmtipps des Festivalteams für Sie zusammengestellt.






