Sarstedt - Nördlich oder südlich an Sarstedt vorbei? Der Netzbetreiber Tennet hat nach eigenem Bekunden noch keinen Favoriten für den Verlauf der geplanten neuen Erdkabel-Stromtrasse OstWestLink. Sicher sei, dass es auf beiden Routen Probleme und Engpässe gebe, sagte Tennet-Bürgerreferentin Marlee Görges am Donnerstagabend bei einem Informationsabend vor rund 50 Bürgerinnen und Bürgern in Sarstedt. Es war die erste Veranstaltung dieser Art mit Blick auf die drei im Kreis Hildesheim zusätzlich zu Südlink geplanten Hochspannungsleitungen.
Heikle Stelle am Fischteich
Die Querung des „Riegels“ aus Leine, Bahntrassen und Bebauung zwischen Hannover und Hildesheim gilt bei Tennet als eine der größten Herausforderungen bei OstWestLink. „Wir müssen da irgendwie durch – und dieses Irgendwie beschäftigt uns schon länger“, sagte der für die Trassenplanung zuständige Tennet-Mitarbeiter Tamás Diebel in Sarstedt. Die Vorgabe, im „Präferenzraum“ zwischen Hannover und Hildesheim die Trasse hindurchzuführen, stamme von der Bundesnetzagentur, betonte er. Innerhalb dieses Rahmens müssten die Netzbetreiber die konkreten Trassen planen.
Als heikle Stelle bezeichnete Bürgerreferentin Görges unter anderem die Fischteiche zwischen Sarstedt und Heisede. Zwischen diesen und dem Gelände der Firma Raben ist kaum Platz für eine insgesamt 60 Meter breite Trasse. Denkbar wäre es, unter dem Gewässer hindurchzubohren. Dennoch dürfte die Stadt Sarstedt die Einschätzung nicht ungern hören – sie hofft auf die Südvariante, um für eine Erweiterung des Gewerbeparks alle Optionen zu behalten. Allerdings: Bei den südlichen Nachbargemeinden kommt das gar nicht gut an.
Die Leitung muss runter
Doch auch im Süden sieht Tennet große Herausforderungen, etwa durch die vielen Kiesteiche nördlich von Barnten. Weil beide Varianten sehr problembehaftet seien, untersuche man beide auch weiterhin gleichwertig – um festzustellen, welche etwas weniger problematisch ist.
Auf großes Interesse stieß eine Frage, die Ruthes Ortsbürgermeister Christoph Haferland aufwarf: Wie will Tennet die Leitung vom deutlich höhergelegenen Westufer der Leine bei Schliekum unter dem Fluss hindurch auf die andere Seite bringen? Die Tennet-Vertreter kündigten hier eine mehrere Hundert Meter lange Spülbohrung an.
Landwirte bleiben skeptisch
Generell nahm die Frage der Verlegetechnik einen breiten Raum ein. Vor allem viele Landwirte zeigten sich besorgt, dass der Boden in den Bereichen der Trasse dauerhaft geschädigt werde und dass die Wärme von den Kabeln sich auf die Feuchtigkeit des Bodens und das Pflanzenwachstum auswirkt – auch wenn die Leitungen in rund 1,30 Meter Tiefe verbuddelt würden.
„Die Wasserleitung in der Hottelner Feldmark wurde vor 60 Jahren verlegt, die sieht man immer noch“, merkte ein Landwirt aus dem Ort an. Und Ruthes Ortsbürgermeister Haferland, von Beruf ebenfalls Landwirt, monierte: „Ich habe noch keine Baustelle gesehen, wo die Baggerfahrer sich immer an alle Vorgaben halten.“
Demnächst im Ratsausschuss
Tennet-Bodenschutzexperte Sven Blanke hielt in der intensiven, aber gleichwohl sachlichen Debatte immer wieder dagegen. „Was wir heute machen, hat mit dem, wie es vor 50,60 oder selbst 20 Jahren gemacht wurde, nicht mehr viel zu tun.“ Es gebe genaue Vorgaben, um den Boden über der Trasse eben nicht zu verdichten: „Genau das hat man früher gemacht, deshalb sieht man die Trassen auch heute noch.“
Tennet stellt seine Pläne für OstWestLink auch in der nächsten öffentlichen Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am Donnerstag, 29. Februar, ab 17.30 Uhr im Stadtsaal vor.
