Probleme für Hausärzte

Coronavirus: Der Wunsch, sich testen zu lassen - so erging es einem Bad Salzdetfurther

Kreis Hildesheim - Nach einem Tirol-Urlaub hat ein Bad Salzdetfurther Sorge, sich mit Corona angesteckt zu haben. Drei Ärzte weisen ihn ab. „Das geht nicht“, sagt Petra Lattmann, Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung.

Die Versorgung mit Schutzkleidung für medizinisches Personal ist derzeit problematisch. Foto: Jane Barlow/PA Wire/dpa

Kreis Hildesheim - Wer den Verdacht hegt, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, der braucht Hilfe. Seit Montag gibt es beim Landkreis Hildesheim eine entsprechende Hotline. Das Hildesheimer Gesundheitsamt berät den Betroffenen, was zu tun ist. Ob zum Beispiel ein Schnelltest gemacht werden muss, der den Verdacht auf eine mögliche Infektion bestätigt.

Anfragen bei Hausärzten

Auch bei den Hausärzten in der Region nehmen indes die Anfragen nach solchen Tests zu. Von besorgten Frauen und Männern, die beispielsweise zum Skiurlaub in Italien waren und dort auf Personen aus Regionen getroffen sind, in denen das Coronavirus grassiert. So ist es einem jungen Mann aus dem Raum Bad Salzdetfurth ergangen. Auf Bitte seines Arbeitgebers hin hat er am Freitag seinen kürzlich beendeten Urlaub in Ost-Tirol gemeldet und wurde daraufhin vorsichtshalber nach Hause geschickt – mit dem Hinweis, einen Test durchführen zu lassen, der für Klarheit sorgen sollte. Der 20-Jährige telefonierte sich vom Gesundheitsamt, über die Krankenhäuser bis zum ärztlichen Bereitschaftsdienst. „Ohne Erfolg. Das Gesundheitsamt war nicht zu erreichen, die Kliniken haben gesagt, ich soll mich beim Hausarzt melden“, erzählt der Mann.

Das habe er am Montagmorgen getan: „Der eine hat mich abgewiesen, weil ich nicht sein Patient bin. Der andere hat gesagt, Tests würden nur gemacht, wenn man Kontakt mit einer Person gehabt hat, die nachweislich infiziert ist. Und der Dritte hatte die notwendige Schutzausrüstung noch gar nicht“, schildert der 20-Jährige die Probleme.

Probleme mit Schutzkleidung

„So einfach ist das für uns Hausärzte mit den Tests auch nicht “, sagt ein niedergelassener Arzt. „Ich müsste zum Beispiel mit dem Patienten einen Termin außerhalb der Sprechzeiten vereinbaren, damit er keinen anderen ansteckt“, erklärt er. Zudem fühle er sich nicht ausreichend vom Gesundheitsamt informiert und kritisiert die mangelnde Versorgung mit Ausstattung für die Tests.

Petra Lattmann, Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung in Hildesheim, kennt die Probleme. „Es geht aber nicht, dass Patienten abgewiesen werden“, sagt die Medizinerin. Obgleich sie einräumt, dass die Situation für die Hausärzte nicht unproblematisch sei. „Am schwierigsten ist die Versorgung mit Schutzkleidung für das medizinische Personal“, sagt Lattmann. Die sei derzeit tatsächlich kaum zu bekommen. Wer entsprechend ausgestattet ist, könne die Abstriche bei Patienten aber gefahrlos machen. Zum Beispiel auch bei dem betroffenen Patienten zu Hause, dann sei niemand in der Praxis gefährdet.

Kassenleistung?

Fakt sei auch, eine kassenärztliche Leistung sei der Test nur, wenn der Patient Kontakt mit einem Infizierten hatte oder in einem Risikogebiet war. „Über die Risikogebiete informiert das Robert-Koch-Institut täglich ganz aktuell“, erklärt die Nordstemmer Ärztin und empfiehlt ihren Kollegen, sich auf der Webseite des Instituts täglich zu erkundigen.

Unterstützung soll es nun von der niedersächsischen Landesregierung geben. Die will regionale Diagnose-Zentren einrichten. „Auf diese Weise entlasten wir die Allgemeinmediziner in Niedersachsen und sorgen gleichzeitig dafür, dass die Schutzkleidung für das medizinische Personal in diesen Zentren möglichst effizient genutzt werden kann“, sagte Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD). Die Kassenärztliche Vereinigung wolle die Zentren in enger Abstimmung mit den örtlichen Gesundheitsämtern aufbauen. Wann und wo ein solches Zentrum in Hildesheim eingerichtet wird, war noch nicht zu erfahren.

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