Vier junge Menschen eingeklemmt

Im Einsatz beim tödlichen Unfall nahe Schellerten – wie Feuerwehrleute solche Erfahrungen verkraften

Schellerten - Bei einem schweren Unfall bei Schellerten sind laut Polizei zwei 18-Jährige ums Leben gekommen, zwei weitere junge Männer wurden schwer verletzt. Rund 50 Feuerwehrleute aus Schellerten waren im Einsatz. Sie sind Profis im Ehrenamt, doch solche Einsätze hinterlassen Spuren.

Bei einem Unfall auf der Bundesstraße 1 bei Schellerten im Kreis Hildesheim ist ein Auto in der Nacht zu Samstag gegen einen Baum geprallt. Foto: Chris Gossmann/Feuerwehr

Schellerten - In der Nacht zu Sonnabend sind bei einem Verkehrsunfall auf der Bundesstraße 1 bei Schellerten laut Polizei zwei 18-Jährige aus Hildesheim ums Leben gekommen. Zwei weitere junge Männer wurden sehr schwer verletzt. Polizei, mehrere Rettungswagen mit Notfallsanitätern, Notärzte und rund 50 Einsatzkräfte der Schellerter Feuerwehr waren im Einsatz. Sie alle sind Profis durch und durch. Doch Einsätze wie dieser gehen den Frauen und Männern dennoch immer sehr nah.

Das wahre Ausmaß zeigt sich erst am Unfallort

Peter Notka ist seit mehr als 20 Jahren Gemeindebrandmeister in Schellerten – ehrenamtlich. In all den Jahren hat der Mann schon vieles gesehen. Wenn der Alarm ihn und seine Kameraden wie im aktuellen Fall in der Nacht aus dem Bett reißt, weiß er nie, was wirklich auf ihn wartet. „Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person, hieß es“, berichtet Notka am Samstag im Gespräch mit der HAZ. Auf der Fahrt zum Einsatz könne man im Kopf alle mögliche Szenarien schon einmal durchspielen, Aufgaben verteilen. Doch das wahre Ausmaß zeige sich eben immer erst am Unfallort. „Manchmal ist die Person gar nicht eingeklemmt“, sagt er. Und manchmal ist die Realität deutlich schlimmer. Vier eingeklemmte junge Männer, alle offenkundig schwer verletzt, so das Bild in der Nacht auf der B 1.

„Wir verschaffen uns erst einmal einen Überblick über die Lage, gleich loslegen, geht nicht“, sagt Notka. Es gehe immer erst einmal um die Menschen. Wie verletzt sind sie? Sind sie stabil? Ansprechbar? Braucht es zunächst medizinische Versorgung? Dann erst setzen die Frauen und Männer der Feuerwehr das hydraulische Werkzeug ein, um die Fahrzeuge für die Bergung aufzubrechen.

Notfallsanitäter im Team – „die wissen genau, was zu tun ist“

Vier Rettungswagenteams mussten in der Nacht anrücken. „Das dauert seine Zeit“, sagt Notka mit dem Verweis auf die verstreuten Einsatzzentralen. Sogar aus dem Einsatzbereich Salzgitter/Peine rückte ein Team an. Bis Ärzte und Sanitäter am Unfallort sind, leisten die Feuerwehrkräfte Erste Hilfe. So wie sie es gelernt haben und immer wieder üben. „Wir haben aber auch Leute in der Mannschaft, die beruflich als Notfallsanitäter arbeiten, das hilft uns sehr“, sagt Notka. Auch in diesem Fall wollte es der Zufall so, dass sie im Einsatz waren. „Die wissen genau, was zu tun ist“, so der Gemeindebrandmeister.

Er weiß wie seine Kameradinnen und Kameraden, dass die unmittelbar Leidtragenden die Opfer, die Hinterbliebenen, die Angehörigen und Freunde sind. Aber die Bilder der Nacht stecken auch dem erfahrenen Gemeindebrandmeister am Sonnabend noch in den Knochen. Ohnehin werde den Einsatzkräften das Ausmaß meist erst so richtig im Nachgang gewahr. „Wenn wir am Unfallort ankommen, steht der Einsatz im Vordergrund, die Hilfe. Das Menschliche muss erst einmal beiseite rücken“, sagt er. Vielleicht klinge das pietätlos. Das sei es aber ganz und gar nicht. Von ihnen werde professionelle Hilfe erwartet, die trainierten sie auch immer und immer wieder. Die Frauen und Männer müssten hoch konzentriert sein, jeder Handgriff sitzen. Nur so können sie ihre Arbeit leisten. Profis im Ehrenamt.

„Solche Einsätze belasten, jeder geht auf seine Weise damit um“

Das heiße aber nicht, dass ihnen Unfälle wie der bei Schellerten nicht nahe gingen. „Ich bin selber Vater und Opa“, sagt Notka. Die meisten der Kameraden und Kameradinnen haben Familie. „Solche Einsätze belasten, jeder geht auf seine Weise damit um.“ Ein festes Ritual sei, sich nach jedem Einsatz zusammen zu setzen, egal wie spät es sei. „Es geht darum, sich auszutauschen“. Unter Gleichgesinnten. Aber auch danach stehe den Ehrenamtlichen Hilfe zur Verfügung. Manch einer merke gar nicht, dass seine Seele von dem Erlebten Schaden nehme. Dafür gibt es ein Notfallteam, Notfallseelsorger. „Und wir achten aufeinander, das ist wichtig“, sagt Notka.

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