Hildesheim - Isabella Goebel ist alleinige Anteilseignerin der Modehaus-Kette SiNN. Im Interview erklären sie und Geschäftsführer Thomas Wanke, warum sie in Hildesheim eine Filiale eröffnet haben – und sie keinen Online-Shop betreiben.
Frau Göbel, Herr Wanke, beschäftigen Sie sich selbst eigentlich bei der Expansion und vor der Eröffnung neuer Fililalen mit den Städten und konkreten Standorten oder überlassen Sie das Ihren Mitarbeitenden?
Isabella Goebel: Eine Eröffnung neuer Filialen ist bei SiNN immer Teamarbeit. Als Gesellschafterin widme ich mich natürlich intensiv möglichen neuen Standorten und den Chancen, die sich unserem Unternehmen dort bieten. Dies immer im engen Austausch mit den Regionalverantwortlichen und der Geschäftsführung. Thomas Wanke, verantwortlich für Einkauf, Verkauf, Marketing und Expansion und ich schauen uns im Vorfeld die Städte, die Immobilien an und wägen Chancen und Risiken gemeinsam ab.
Sie waren also vorher schon mal in Hildesheim. Welchen Eindruck haben Sie von der Stadt?
Goebel: Wir waren gemeinsam mehrere Male in Hildesheim, bevor wir uns für den Standort entschieden haben. Hildesheim ist eine charmante Stadt mit einem hohen Aufenthaltswert. Die über 100 000 Einwohner*innen Hildesheims und der gesamte Landkreis können nach Herzenslust in vielen guten Geschäften einkaufen, ohne lange Wege zurückzulegen. Als Weltkulturerbe- und Universitätsstadt hat Hildesheim viel zu bieten. Insofern passt Hildesheim gut zu SiNN und SiNN zu Hildesheim.
Ihr regionaler Verkaufsleiter Lutz Hockemeyer hat gesagt, noch vor einigen Jahren hätte SiNN Städte in der Größe von Hildesheim gar nicht in den Blick genommen, da mussten es schon mehrere 100 000 Einwohner sein. Warum zieht es Ihr Unternehmen nun auch in mittelgroße und kleinere Städte?
Thomas Wanke: Kreis- und Mittelstädte verfügen über eine hohe Zentralität. Das heißt, dass die Menschen dort einkaufen, wo sie wohnen. Daher sind Städte wie Hildesheim für uns sehr attraktiv. Mittelstädte haben eine starke Anziehungskraft auf ihr Umland und sind mit attraktiven Einzelhandelsgeschäften, guten Kulturangeboten und einer abwechslungsreichen Gastronomie wahre Besuchermagneten.
In Dortmund schließt SiNN seine Filiale demnächst, nach Medienberichten soll auch die hohe Miete ausschlaggebend für den Schritt gewesen sein. Stimmt das?
Wanke: Das Projekt Fashion Outlet Dortmund war vom Start an auf eine befristete Laufzeit ausgelegt. Die Miete war nicht das ausschlaggebende Kriterium, sondern die Fläche an sich. Diese hat nicht zu SiNN passt.
Sind überzogene Mietpreise in deutschen Innenstädten ausschlaggebend für viele Leerstände und die Verödung so mancher City?
Wanke: Mit der Eröffnung von SiNN Modehäusern stemmen wir uns gegen die Verödung der Innenstädte. SiNN schließt keine Mietverträge zu übertriebenen Kosten ab.
Und was braucht eine Innenstadt aus Ihrer Sicht, damit sie attraktiv bleibt und nicht stirbt?
Goebel: Die Aufenthaltsqualität für die Menschen muss vorhanden sein. Wenn Menschen in die Innenstädte kommen sollen, ist es wichtig, dass sie diese gut erreichen können und der Einzelhandel und die Gastronomie attraktiv und abwechslungsreich sind. Dazu gehören ein guter Nahverkehr, günstige Parkplätze, eine gelungene Stadtmöblierung und passende Aktionen.
In Hildesheim wird, wenn kein Wunder geschieht, Ende Januar 2024 nur ein paar hundert Meter von SiNN entfernt das Gebäude von Galeria Kaufhof leerstehen. Macht Ihnen das Sorge in Hinblick auf das Geschäftsleben der Innenstadt und damit auch Ihre Filiale?
Wanke: Wir bedauern die Schließung von Galeria. Dies hat jedoch für unsere Kunden wenig Einfluss auf ihr Besuchsverhalten. Es wird im Interesse der Stadt sein, für die Immobilie eine attraktive Nutzung zu finden, so dass neues Leben einzieht. Tote Zonen sind für eine Innenstadt eine Katastrophe. Deshalb sind Ideen für die kreative Nutzung von leerstehenden Flächen gefragt.
Es gibt viele Einzelhändler, die klagen, der Onlinehandel sei Schuld am Ladensterben und verödeten Fußgängerzonen. Wie stehen Sie dazu?
Wanke: SiNN hat sich in den letzten Jahren trotz Onlinehandel positiv entwickelt. Mit guten Mitarbeitern, einer hervorragenden Beratungsqualität und mit einem kuratierten Sortiment sind wir stationär erfolgreich. Unsere Aufgabe ist es, den stationären Handel attraktiv zu machen. Den Online-Handel für die Verödung von Fußgängerzonen verantwortlich zu machen, ist mir zu simpel. Massenware, fehlende Beratung, wenig Abwechselung und noch einige Faktoren mehr sind passendere Gründe. Unsere Kunden schätzen an uns, dass sie Markenware vergleichen, fühlen und anprobieren können, dabei noch beraten werden und das alles ohne Lieferzeit und ohne Versandkosten.
SiNN hat bislang keinen Online-Shop – warum nicht?
Wanke: Wir sind stationäre Händler mit Erfolg und Leidenschaft. Unsere Erfahrung ist, dass man nicht auf beiden Feldern Champions League spielen kann.
In Hildesheim ist SiNN bereits Mitglied der lokalen Werbegemeinschaft von Innenstadthändlern geworden. Bringt sich Ihr Unternehmen an allen Standorten so ein? Und was versprechen Sie sich vom Engagement?
Goebel: All business ist local. Die Nähe zu den Menschen und zu den engagierten Geschäftspartnern einer Innenstadt beeinflusst den Erfolg eines Unternehmens. So engagieren sich unsere Kolleginnen und Kollegen vor Ort. SiNN wird dabei sichtbarer und kann Einfluss nehmen. Regionales Engagement gehört zur Historie von SiNN.
Interview: Jan Fuhrhop


