Vor kurzem noch neue Pläne

Aus für Hildesheimer Tanzschule: Das wird aus Familienfeiern und „Komischer Nacht“

Hildesheim - Ein bekanntes Hildesheimer Tanzhaus macht dicht. Dabei ist es in der Stadt eine Institution: Die Wurzeln des Unternehmens liegen im Jahr 1932. Der Hauseigentümer hat sich nun zum weiteren Vorgehen geäußert.

Das Tanzhaus an der Marie-Wagenknecht-Straße gilt in Hildesheim als Institution - stellt nun aber den Betrieb ein. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Das Tanzhaus in Hildesheim schließt kurzfristig seine Tore. Schon zum Monatsende läuft der eigenständige Betrieb in der Einrichtung gegenüber des Wasser-Paradieses an der Marie-Wagenknecht Straße aus. Jahrzehntelang unter dem Namen „Tanzhaus Buresch“ bekannt, war es eine Institution als Tanzschule und Veranstaltungszentrum. Geöffnet bleibt es jetzt nur noch als Location des Restaurants Kupferschmiede.

Gerade neue Kooperation gestartet

Die Mitteilung über das bevorstehende Aus bekamen Kursteilnehmer erst in diesen Tagen. Ein Mitarbeiter des Tanzhauses bestätigte auf eine HAZ-Anfrage am Sonntag hin, dass der Betrieb endet. Dafür gebe es „persönliche und betriebliche Gründe“, weiter wollte er sich nicht äußern. Die HAZ hat Betreiber Sebastian Murawski am Sonntagnachmittag einen Fragenkatalog per E-Mail zugeschickt, da er selbst im Studio stand und nicht unmittelbar telefonisch erreichbar war. Eine Antwort steht bislang aus.

Mit dem Tanzhaus schließt allerdings nicht nur eine beliebte Tanzschule in Hildesheim, sondern auch ein Veranstaltungszentrum. So waren Events wie die „Komische Nacht“ oder die „Tanzlust“ bislang zu Gast, auch für Familienfeiern konnten Interessierte das Haus buchen. Erst Anfang Januar hatte Tanzhaus-Chef Murawski für diesen Bereich seines Betriebs eine Kooperation mit dem Gasthaus Kupferschmiede bekanntgemacht. Das Restaurant am Wildgatter kann die große Nachfrage nach Räumlichkeiten nicht immer befriedigen – und will Feiern auch im Tanzhaus mit seinem Industrieloft-Charme ausrichten. Dabei soll es auch bleiben, betonte Jean-Marc Hakemeyer gegenüber der Redaktion: „Wir haben mit dem Besitzer der Location eine Kooperation, auf die das Aus des Tanzhauses keinen Einfluss hat – alle mit uns vereinbarten Catering-Termine finden statt“, sagte der Chef der Kupferschmiede.

„Komische Nacht“ zieht um

Jens Schulte-Koch, Eigentümer der Immobilie, bestätigt das. Zwar habe Hakemeyer eine Übereinkunft mit Tanzschul-Betreiber Murawski, der das Gebäude von Schulte-Koch gemietet hat, getroffen. Am Montagvormittag sprachen Hakemeyer und Schulte-Koch aber miteinander – mit dem Ergebnis, dass bereits gebuchte Veranstaltungen auf jeden Fall stattfinden können.

Die „Komische Nacht“ hat sich allerdings zumindest für ihren nächsten Termin am 15. März ein Ausweichquartier gesucht. Los geht es um 19.30 Uhr im Novotel, Einlass ist bereits eine Stunde vorher. Wer bereits ein Ticket gekauft hat, muss sich nach Angaben der Organisatoren mit der Anzahl der gekauften Tickets per E-Mail an info@komische-nacht.de melden, um seine Teilnahme im Novotel zu Bestätigen. Dann erhalten die Gäste mit den Tickets aus dem Tanzhaus, Eintritt zur Komischen Nacht im Novotel.

Bald wieder Tanzschule?

Immobilien-Eigentümer Schulte-Koch hofft unterdessen, bald einen Nachfolger für den Betrieb des Tanzhauses zu finden und zeigte sich am Montag guter Dinge. Er selbst werde den Betrieb aber nicht wieder übernehmen – er habe sich beruflich neu orientiert, nutze seine Zeit zudem für seine Familie und für seinen Sitz im Hildesheimer Stadtrat, dem er inzwischen für die Grünen angehört.

Edita Bureschs Lebenswerk

Mit dem Tanzhaus schließt zumindest vorerst eine regelrechte Institution in Hildesheim, deren Wurzeln bis ins Jahr 1932 zurückreichen. Damals gab Edita Meyer, frischgebackene „staatlich geprüfte Tanz- und Gymnastiklehrerin“, ihre ersten Kurse in verschiedenen Hildesheimer Hotels und Gaststätten – einen eigens engagierten Klavierspieler immer im Schlepptau.

Die Tanzschule florierte, aber der Betrieb wurde durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Doch bereits Ende 1945 bot Edita Buresch, wie sie seit ihrer Hochzeit hieß, im Berghölzchen wieder einen Tanzkurs an. 1958 mietete sie erstmals eigene Räumlichkeiten in der Osterstraße. Doch die wurden bald zu klein, 1972 eröffnete Edita Buresch ihr „Tanzschulheim“ in der Senkingstraße. Dort gab es oft samstagabends Partys, die vor allem für Hildesheimer Schüler zum beliebten Treffpunkt wurden.

Tanzschule und Tanzhaus

Von 1976 bis 2000 führte Irmelin Buresch-Sauerbrei, die Tochter der Gründerin, die Tanzschule. Mit der Jahrtausendwende übernahm Jens Schulte-Koch, der den Betrieb bald zum „Tanzhaus Buresch“ umfirmierte – der Titel sollte deutlich machen, dass es nicht nur eine Tanzschule war. Der Name Buresch blieb aber enthalten. Erst nachdem Schulte-Kochs langjähriger Mitarbeiter Sebastian Murawski 2021 selbst das Ruder übernommen hatte, verkürzte er die Bezeichnung auf „Tanzhaus“.

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