Hildesheim - Geht es nach der Stadtverwaltung, sollen die Zeiten des kostenlosen Parkens in der Innenstadt vorbei sein: Künftig sollen auf allen Flächen im öffentlichen Raum Gebühren fällig werden – entweder in Form eines Bewohnerparkausweises oder per Parkschein. So jedenfalls schlägt es das Baudezernat vor. Folgt der Rat dem Plan, haben es Anwohner leichter bei der Stellplatzsuche. Für Pendler werde diese „anspruchsvoller“, wie es Planungsamtschefin Sandra Brouër formuliert: Die Stadt möchte Auswärtige gern in Parkhäuser lotsen, zum Mieten von Dauerparkplätzen animieren oder zum Umstieg auf andere Verkehrsmittel motivieren.
Parkplätze an den Sportplätzen sind unter anderem bei BK-Mitarbeitern beliebt
Doch was sei eigentlich mit den Parkplätzen an der Straße An den Sportplätzen, wollte der Unabhängigen-Vertreter Erdinc Parlak jüngst im Ausschuss für Stadtentwicklung wissen. Das Gelände neben dem Überlaufbecken am Hohnsen gilt bei Pendlern als Geheimtipp. Allein am Mittwochmorgen standen dort knapp 100 Autos, etliche davon mit auswärtigem Kennzeichen. Dem Vernehmen nach nutzen unter anderem Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des St. Bernward Krankenhauses die Möglichkeit, dort umsonst zu parken. Im Sommer steuern auch Jo-Bad-Besucher das Areal an.
Dieses dürfte für Autofahrer in Zukunft noch interessanter werden. Denn die Stadt wolle die Straße An den Sportplätzen nicht in den kostenpflichtigen Bereich einbeziehen, versichert Brouër. Das heißt: Wer bereit ist, ein Stück zu Fuß zu gehen oder ein Klapprad zu nutzen, kann auch nach der Umsetzung des Konzeptes kostenlos in der Gegend parken. Zudem sei An den Sportplätzen sogar noch Luft, betont Brouër.
Auch auf den P+R-Anlagen sieht Planungsamtschefin noch Luft
Die Planungsamtschefin bringt als weitere Alternative auch die (kostenlosen) Park-and-Ride-Plätze am Rande der Innenstadt ins Spiel. Denn diese seien ebenfalls nicht ausgelastet. In Hildesheim gibt es drei größere P+R-Flächen: eine am Kreisel, eine am Philosophenweg und eine am Südfriedhof. Im eigentlichen Sinne – zum Umstieg vom Auto auf den Bus – werden die Anlagen derzeit kaum genutzt. Ein wesentlicher Grund dürfte in den Bus-Takten liegen, die viele Bürger als dürftig empfinden. Ein Verkehrsbüro hat der Stadt schon 2018 zu einem 15-Minuten-Takt an P+R-Parkplätzen geraten. Bis dieser aber an allen Anlagen gilt, vergehen noch Jahre.
Die Frage, was mit den Pendlern passiert, ist deshalb von Belang, weil an diesem Punkt die Kritik aus dem Rat ansetzt. Bislang stieß der Ansatz des Parkkonzeptes – also die Bevorzugung der Anwohner in den Wohnvierteln – zwar in den meisten Gremien grundsätzlich auf Zustimmung. Doch fast parteiübergreifend gibt es Vorbehalte zum Kurs der Stadt, Pendler auf Parkhäuser und ähnliche Lösungen zu verweisen.
CDU-Fraktionschef Dennis Münter hatte deshalb unter anderem ein vergünstigtes Tagesticket für Pendler in den künftig kostenpflichtigen Bereichen angeregt. Planungsamtschefin Brouër und Baudezernentin Andrea Döring zeigten sich dafür offen, wenn solche Zonen in Randbereichen von Wohngebieten angesiedelt würden. Man habe diese Idee wie auch andere Fragen an das Fachbüro weitergereicht, das die Stadt begleite, sagt Rathaus-Sprecher Helge Miethe.
Wie viele Pendler kommen eigentlich pro Tag mit dem Auto in die Hildesheimer Innenstadt?
Doch wie viele Pendler kommen nun eigentlich täglich per Auto in die City? Sind es 30.000, wie SPD-Ratsherr Tobias Eckardt meint? Oder „nur“ 26.000, wie Baudezernentin Andrea Döring glaubt, wobei diese Zahl ihrer Ansicht nach auch ÖPNV-Nutzer und Fahrer umfasst, die ihre Wagen außerhalb der City abstellen? Wer richtig liegt, kann die Verwaltung der HAZ nicht sagen: Es seien zwar knapp 30.000 Einpendler täglich; es sei aber nicht erfasst, wer welches Verkehrsmittel nutze.
