Bad Salzdetfurth / Borsum - Nils ist vier Jahre alt und erlebt seit fast einem Jahr eine harte Zeit – seit festgestellt wurde, dass er an Leukämie leidet. Die erste Chemotherapie schlug an, doch dann kam der Krebs bald zurück. Nun kann ihm wohl nur noch eine Stammzellenspende helfen. So geht es auch Markus Möckel aus Bad Salzdetfurth, für den am 7. Januar eine Spenderin oder ein Spender gesucht wird. Den HAZ-Bericht über sein Schicksal las Daniel Weitemeyer aus Borsum. Er ist der Onkel von Nils. Der Kleine lebt mit seiner Familie in Seelze bei Hannover, ist aber oft in Borsum zu Besuch. Seine Großeltern wohnen auch in der Nähe, in Grünenplan im Süden des Hildesheimer Landes. Nun stieß sein Onkel auf eine traurige Parallele: Er kennt Daniela Furchner, die Ehefrau von Markus Möckel, wusste aber nichts davon, dass beide Familien jeweils um das Leben eines Familienmitgliedes kämpfen, das an Leukämie leidet.
Inzwischen haben sie Kontakt aufgenommen und beschlossen: Sie wollen gemeinsam kämpfen. Und sehen zwei Typisierungen – für Nils ist eine am 1. Januar bei einem Neujahrsschwimmen in Seelze geplant – als eine vereinte Aktion. Denn jeder Einzelne und jede Einzelne, die ihren Speichel auf eine mögliche Übereinstimmung der Blutmerkmale untersuchen lassen, erhöhen die Chance, einen Lebensretter oder eine Lebensretterin zu finden. Für Nils, für Markus Möckel oder für irgendeinen anderen schwerkranken Menschen in einer fernen Ecke der Erde – denn die Knochenmark- und Stammzellenspenderdateien sind weltweit vernetzt.
Nils ist von kindlichen Freuden des Lebens zurzeit weitgehend abgeschnitten. Seit Februar war er öfter im Krankenhaus als zu Hause. Und selbst dort verbietet das hohe Infektionsrisiko vieles, was einem Vierjährigen Spaß macht. Kindergarten, Spielplatz, Zoo – für Nils ist fast alles tabu. Auch wenn es den Eltern das Herz zerreißt, in seinem jetzigen Zustand muss jedes Risiko abgewogen werden. Selbst kleine Freuden müssen sie ihm oft verwehren. Zu seinem Schutz. Für einen Vierjährigen ist das schwer zu verstehen. Aber: „Nils hat uns gezeigt, dass es wenig braucht, um glücklich zu sein“, sagt seine Mutter Stephanie. „Vieles im Leben kann man kaufen. Aber das Wesentliche ist unbezahlbar.“ In diesem Sinne rufen sie dazu auf, an einer der Typisierungen teilzunehmen.
Der Rückfall
Nils ist mit Trisomie 21 geboren, eher als Down-Syndrom bekannt. Und Kinder mit dieser Chromosomenstörung haben ein erhöhtes Risiko, an Blutkrebs zu erkranken. Deshalb wurden seine Blutwerte von Geburt an engmaschig kontrolliert – und im Februar dieses Jahres fielen schlechte Werte auf. Weitere Untersuchungen bestätigten den Verdacht einer akuten Leukämie. Eine erste Chemotherapie schlug an, doch der Effekt hielt nicht lange. Im Dezember wurde bei Nils ein Rückfall diagnostiziert. „Das hat unsere Familienwelt zum Einsturz gebracht“, sagt sein Papa Dennis. „Wir tun alles, was notwendig ist. Doch alleine können wir es nicht mehr schaffen. Wir brauchen die Hilfe eines fremden Menschen, der zur Registrierung und Stammzellspende bereit ist.“ Der Vater schwärmt vom sonnigen Wesen seines Sohnes, den das Down-Syndrom kaum einschränkt: „Nils ist pure Lebensfreude und Begeisterung. Sein Lachen steckt an. Er weiß in jeder noch so schwierigen Situation die Stimmung wieder aufzuhellen. Er macht das nicht mit Worten, sondern mit seiner einfachen Anwesenheit. Nils sieht viele Kleinigkeiten im Alltag, die wir Erwachsene gar nicht wahrnehmen. Wer ihn nimmt, wie er ist, der bekommt Herzenswärme zurück geschenkt.“
Die Termine
Das sind die Termine der beiden geplanten Typisierungen, von der die eine auch dem jeweils anderen der beiden Betroffenen helfen könnte, Markus Möckel oder dem kleinen Nils – oder einer oder einem Dritten: in Bad Salzdetfurth am Samstag, 7. Januar, von 14 bis 18 Uhr bei der Firma motoRien, Bodenburger Straße 23, sowie vorher schon am Neujahrstag, 1. Januar, von 11 bis 14 Uhr im Jugendzentrum in Seelze-Letter, Klöckner Straße 15. Wer sich typisieren lassen möchte, kann auch ein Test-Set bestellen und nach Hause schicken lassen. Kosten entstehen für die Typisierten nicht. Da die Laboruntersuchung trotzdem 40 Euro kostet, sind jederzeit Geldspenden willkommen. Nähere Infos gibt es auch dazu auf der Homepage der DKMS.


