Einum - Erneut haben Unbekannte im Landkreis Hildesheim einen Bankautomaten gesprengt. In der Nacht zum Dienstag versuchten sie um wenige Minute vor 4 Uhr, an das Bargeld in einem frei stehenden Automaten an der B 1 in Einum zu gelangen. Nach zwei erheblichen Detonationen traten sie den Rückweg aber ohne Beute an. „Eine Fahndung verlief bislang ergebnislos“, sagt Jennifer Uhl, Sprecherin der Polizeidirektion Göttingen.
In der vergangenen Wochen hatte es im Raum Hildesheim und angrenzenden Landkreisen immer wieder ähnliche Fälle gegeben. Erst Ende November sorgte ein Einbruch solcher Art in Bockenem für Aufsehen und einen gehörigen Schrecken bei den Anwohnern. Unbekannte hatten den Automaten in der Filiale am Nordwall in die Luft gejagt.
Es hätte nicht viel gefehlt, dann wäre Tankstellenpächter Thomas Gebke am frühen Dienstag in Einum selbst in Gefahr geraten. Er fuhr zum Zeitpunkt der Explosion bereits im Auto zur Arbeit. „Ich treffe immer so gegen 4 Uhr hier ein“, berichtete Gebke am Vormittag nach der Tat. Doch in dieser Nacht rief ihn der alarmierte Sicherheitsdienst an, um ihn vorerst zu stoppen. Niemand wisse, ob sich die Täter nicht weiterhin auf dem Tankstellengelände oder in der Umgebung aufhielten. Erst, wenn er Blaulicht auf der Tankstelle sehe, solle er vorfahren, riet der Mann am Telefon. Gebke hielt sich daran und traf deshalb erst nach der Polizei ein.
Den Ermittlern wie dem Pächter bot sich ein großflächiges Bild der Zerstörung. Die Unbekannten hatten im Abstand von zwei Minuten zwei Sprengladungen gezündet. Die Trümmer des Geldautomaten flogen zum Teil Dutzende Meter durch die Gegend. Einige beschädigten die Reklame der Tankstelle. Ein Bekannter des Pächters, der in der Nähe einen Lastwagen für eine Tour vorbereitete, sah noch einen schwarzen Sportwagen davonrasen. „Die Täter hat er aber nicht erkannt“, berichtete Gebke.
Geschehen von Kameras aufgezeichnet – aber zu dunkel
Kameras auf dem Außengelände zeichneten die Detonationen auf. Aber im Umfeld der Tankstelle war es zu dieser Zeit stockdunkel. „Man kann nicht viel darauf erkennen“, sagte der Pächter. Er hat der Polizei die Bänder für die weiteren Ermittlungen zur Verfügung gestellt. Während er am Vormittag ganz normal Tankende bediente, fand sich auch Werner Schura im Verkaufsraum ein. Er wohnt in der Mitte Einums und war durch die erste Explosion geweckt worden. „Ich hatte das Gefühl, dass bei mir im Haus alles vibriert“, erzählte er. Vom Fenster aus konnte er dann wenig später den Lichtschein der zweiten Detonation erkennen.
Viele Einwohnerinnen und Einwohner Einums rissen die lauten Knalle in der Nacht unsanft aus dem Schlaf. Auch in den sozialen Netzwerken berichteten mehrere davon – teils sogar aus umliegenden Ortschaften. Auch Simon Bauermeister, Ortsbürgermeister in Einum, berichtete von einer ungewöhnlichen Nacht. „Mein Hund hat angeschlagen, und ich habe den Knall auch gehört“, sagte er. Gegen halb fünf sei ihm der Hubschrauber aufgefallen, der über dem Stadtteil kreiste. Laut Uhl von der Göttinger Polizei-Pressestelle habe es sich dabei um „eine Nahbereichsfahndung unter Einbindung eines Polizeihubschraubers“ gehandelt, mehr könne sie aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Experten der Polizei sicherten in den Morgenstunden Beweismaterial am Tatort. Auch die Hinweise von Anrufern wurden geprüft.
Hannoversche Volksbank hat Sicherheitsstandards erhöht
Der Geldautomat gehörte der Hannoverschen Volksbank. Deren Sprecher Marko Volck spricht von einem versuchten Raub. Den Tätern sei es nicht gelungen, an das Bargeld im Inneren des Automaten zu kommen. Der Schaden sei trotzdem beträchtlich. „Wir gehen von rund 120.000 Euro aus“, sagt Volck. Wie viel Geld sich zum Tatzeitpunkt im Automaten befand, will er aus Sicherheitsgründen nicht sagen. Aber die Bank gehe davon aus, dass die Täter Festsprengstoff benutzt hätten, um das Gerät zu öffnen. Früher sei hierfür öfter Gas benutzt worden. „Aber wir haben unsere Sicherheitsvorkehrungen erheblich erhöht“, berichtet Volck. Bei der Hannoverschen Volksbank sei es inzwischen nicht mehr möglich, Gas ins Innere der Geräte zu leiten. Ob die Bank den Automaten weiter an der Tankstelle lasse oder den versuchten Raub zum Anlass nehme, sich von dem Standort zu trennen, könne er noch nicht sagen. Tankstellenpächter Gebke berichtet davon, dass der Geldautomat gut frequentiert sei. „Für mich wäre es ärgerlich, wenn der Standort wegfiele.“
Von dem alten Gerät dürfte aber kaum noch etwa brauchbar sein. Die Bank rief den Tresor-Spezialisten Wilfried Butzki aus dem Landkreis Schaumburg, um den Geldautomaten abzuholen. Normal lässt er sich nicht mehr öffnen. In der Werkstatt muss Butzki zur Trennscheibe mit Diamantblatt greifen, um den Stahl zu durchschneiden. Butzki ist wegen der vielen gesprengten Automaten in den vergangenen Monaten gut beschäftigt. „Aber meine Jungs haben gerade alle Weihnachtsurlaub“, berichtete er während der Arbeit. Deshalb musste der Chef selbst nach Einum fahren.
Tresor muss mit einem Trennschleifer geöffnet werden
Gemeinsam mit einem Mitarbeiter der Bank zerrte der Spezialist den schweren Tresor aus dem Gitterkäfig. Der Bankmitarbeiter war schon eine halbe Stunde nach den Explosionen am Ort und konnte seine Verärgerung über die Automatenknacker und ihre zunehmenden Taten nur schwer bändigen. „Wir lassen uns von denen doch auf der Nase herumtanzen“, sagt er. Das mit „denen“ ist allerdings leicht gesagt. Aus welcher Stadt oder welchem Land die Täter kommen, ist bisher nicht klar. Das Bundeskriminalamt geht aber davon aus, dass es sich häufig um reisende Banden handelt.
Die Spurensicherung der Polizei sicherte in den Morgenstunden Beweismaterial am Tatort. Auch die Hinweise von Anrufern werden geprüft. „Das muss erstmal alles verifiziert werden“, erklärt Uhl.
„Mein Hund hat angeschlagen“
Vom Knall der Explosion sind einige Anwohner in Einum in der Nacht wach geworden; auch in den sozialen Netzwerken berichten mehrere davon – teils sogar aus umliegenden Ortschaften. Auch Simon Bauermeister, Ortsbürgermeister in Einum, hat eine ungewöhnliche Nacht hinter sich. „Mein Hund hat angeschlagen und ich habe den Knall auch gehört“, berichtet er.
Gegen halb fünf in der Nacht sei ihm dann auch der Hubschrauber aufgefallen, der über dem Stadtteil kreiste. Laut Uhl aus der Göttinger Polizei-Pressestelle habe es sich dabei um „eine Nahbereichsfahndung unter Einbindung eines Polizeihubschraubers“ gehandelt, mehr könne sie aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen.
Ähnliche Fälle auch in Nachbar-Landkreisen
In der vergangenen Wochen gab es in Hildesheim und angrenzenden Landkreisen immer wieder ähnliche Fälle. Erste Ende November sorgte ein Einbruch solcher Art in Bockenem für Aufsehen und einen ordentlichen Schrecken bei den Anwohnern, als Unbekannte den Automaten in der Filiale am Nordwall in die Luft gejagt hatten. Kurz darauf folgten ähnliche Szenarien in Schaumburg und Hameln.
von Sabrina Kleinertz und Christian Harborth


