Fußball

Und plötzlich Spielerberater: Hildesheimer nimmt Fußball-Talente unter seine Fittiche

Hildesheim - Erst seit kurzem ist der Hildesheimer Tahir Akcicek im Geschäft – sein Berufsstand genießt nicht immer den besten Ruf: „Aber wir wollen es besser machen.“

Spielerberater Tahir Akcicek (links) mit seinem Klienten Mohsin Isifou vom VfV 06 Hildesheim. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Sie stehen beide noch ziemlich am Anfang ihrer Karriere: Spielerberater Tahir Akcicek und Mohsin Isifou, der neue Innenverteidiger der A-Junioren des VfV Borussia 06 Hildesheim.

Spielerberater im Fußball – das klingt erst einmal nach Klienten wie Jonathan Tah von Bayer Leverkusen und dem Noch-Dortmunder Niclas Füllkrug oder zumindest nach Robert Glatzel vom HSV oder Ermin Bicakcic von Eintracht Braunschweig. „Nein, nein“, sagt Tahir Akcicek, „ich bin ja erst neu im Geschäft. Noch betreue ich eher Nachwuchsfußballer, also Talente.“

Lehrgang mit dem Nationalteam

Er arbeitet für die recht junge Agentur Privé Law & Sportagency. Ins Leben gerufen hat sie Kerem Sahin, und der Hildesheimer Tahir Akcicek ist seit diesem Sommer sein Partner. Sie kümmern sich um Leute wie Torwart Emre Boz (20) von Concordia Hamburg (Oberliga Hamburg) oder Verteidiger Baris Bilgic (19) von der SpVg Porz (Verbandsliga Mittelrhein). Und eben auch um Mohsin Isifou von den A-Junioren des VfV 06.

Tahir Akcicek und sein Schützling Mohsin Isifou sitzen gerade bei einem Kaffee im Le Garcon an der Rathausstraße. Sie reden über ein Trainingslager, das Isifou Anfang Juli mit der ghanaischen U20-Nationalmannschaft absolvierte. „Schon eine wichtige Erfahrung“, sagt Innenverteidiger Isifou, der in Deutschland geboren ist (genauer in Hannover), aber die Staatsangehörigkeit Ghanas besitzt.

Für die SV Alfeld gespielt

Zurück zum Spielerberater Tahir Akcicek: Der wuchs in Hildesheim auf und wohnt in Alfeld. Und er hat einen Cousin, der in der Jugend von Holstein Kiel groß geworden ist: Berk Akcicek. Über den lernte Tahir Akcicek dann Kerem Sahin kennen, den Gründer von Privé Law & Sportagency. Die beiden wurden Freunde – und Geschäftspartner. Plötzlich war Tahir Akcicek also Spielerberater.

„Fußball war in meinem Leben immer wichtig, ich habe lange für die SV Alfeld gespielt“, sagt er. „Mein Partner Kerem Sahin ist Sportjurist. Er wird sich um den Markt in der Türkei kümmern, ich um den in Deutschland.“

Dann rollt der Rubel

Tahir Akcicek hat Bürokaufmann gelernt, arbeitete drei Jahre lang im Vertrieb einer Firma. Danach machte er sich selbstständig. „Mit einem Online-Shop, ich vertreibe Software-Produkte und biete IT-Dienstleistungen an.“ Die Sache mit der Spielerberatung sei zunächst einmal eher ein intensives Hobby. „Eines, das echt Spaß bringt. Und es wäre schön, wenn später aus dem Hobby der Beruf würde“, sagt er und lächelt. Denn Geld lässt sich derzeit mit seinen meist sehr jungen Klienten nicht verdienen. „Noch nicht. Wir investieren in die Zukunft.“ Akciceks Rechnung: Wenn er viele Talente im Kundenstamm hat und davon das eine oder andere den Durchbruch in die 1. Liga schafft, wird das anders. Dann könnte der Rubel rollen.

Tahir Akcicek meint, dass gerade auch Spieler wie der 17-jährige Neu-VfV-06er Mohsin Isifou Unterstützung brauchen. „Es gibt so viele gute, junge Fußballer in Deutschland. Trotzdem werden die Wenigsten am Ende Profis.“ Selbst aus den 57 Nachwuchsleistungszentren gelingt das laut eines Berichtes des Senders rbb nur ein bis sechs Prozent der Spieler eines Jahrgangs.

Schule, Training und Spiele

Unter anderem auch deshalb ist Mohsin Isifou, der neue A-Jugend-Innenverteidiger des VfV 06 Hildesheim, Klient bei Tahir Akcicek geworden. Isifou hat nämlich viel um die Ohren: Er besucht ein Gymnasium in Hannover (13. Klasse), und ab sofort muss er viermal die Woche zum Training nach Hildesheim fahren. Dazu kommen am Wochenende die Punktspiele – obendrein wie vor kurzem auch mal ein Trainingslager mit dem ghanaischen U20-Nationalteam. Das alles kostet Zeit und Energie. „Mein Berater nimmt mir da gewisse Dinge ab, zum Beispiel den Papierkram.“ Es kann auch sein, dass sich ein Fußballer in einem Verein nicht mehr wohl fühlt und weg möchte. Auch darum kümmern sich die Spielerberater. Der Berufsstand hat dabei nicht immer den besten Ruf – manche gelten als Absahner. „Sicher gibt es da schwarze Schafe, aber wir wollen es besser machen“, so Akcicek.

Mit eingebunden in alle Entscheidungen sind bei minderjährigen Nachwuchsfußballern die Eltern. „Tahir Akcicek, meine Mutter, mein Vater und ich haben lange Gespräche über meine Zukunft, meinen Weg geführt“, sagt Mohsin Isifou, der Profi werden will.

Ambitionierte Hildesheimer

Zuletzt hat der Verteidiger in der A-Jugend des SC Hemmingen-Westerfeld gespielt. Hemmingen war in der vergangenen Saison in der U19-Regionalliga unterwegs, der zweithöchsten Spielklasse dieser Altersklasse. Im Frühjahr stieg das Team aber wieder ab.

VfV-06-Trainer Benedict Plaschke, der sich insbesondere im Hannoveraner und Braunschweiger Raum nach neuen Spielern für seine Hildesheimer U19 umgesehen hatte, stieß auf den Innenverteidiger und lockte ihn an die Pottkuhle. „Für mich ein interessanter Verein. Die Hildesheimer A-Jugend spielt jetzt in der Regionalliga, und der Klub ist ambitioniert“, meint Mohsin Isifou. So kam es zum Wechsel.

Sportpsychologe mit an Bord

Auch Spielerberater Tahir Akcicek sieht sich in besagter A-Jugend- Regionalliga und der U19-Bundesliga immer nach Talenten um. „Wir durchleuchten Statistiken. Ist ein Spieler interessant, fahren wir zu einer Partie oder besuchen ihn beim Training, nehmen so Kontakt auf“, erklärt er. Dafür arbeiten zwei Scouts in seiner Agentur. Zudem ist mit Jan-Ilhan Kizilhan auch ein Sportpsychologe mit an Bord. Tahir Akcicek: „Falls einer unserer Spieler Probleme hat, und es ihm nicht gut geht, kann der sich kümmern.“

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