Hildesheim - Im Hildesheimer Hafen werden täglich Waren verladen, aber diese Fracht sieht man dort auch nicht alle Tage: Zwei Edelstahl-Tanks, je 18 Meter lang und 27 Tonnen schwer, schweben am Donnerstagmorgen durch die Luft am Hafenbecken. Das Ziel der Tanks: Hamburg. Dort sollen sie in den kommenden Wochen montiert werden und zur Herstellung von Hefekonzentrat dienen.
Doch zuvor müssen die Tanks erst auf den Frachter namens Bon Voyage geladen werden, was zwei Schwerlastkräne der Firma K&W Autokrane GmbH & Co. KG in kaum zwei Stunden erledigen. Die Kranführer heben die tonnenschweren Behälter empor, als wögen sie nichts, und balancieren sie passgenau hinab in den länglichen Laderaum des Frachters. „Das ist schon außergewöhnlich, was die Jungs da machen. Millimetergenau!“, lobt Martin Fronczek. Er ist Vertriebsleiter der Firma Jorns Behälterbau GmbH, die die beiden Tanks binnen einen halben Jahres baute – auf dem Firmengelände im Cherruskerring, nicht weit weg vom Hafen, was für den Transport ein klarer Vorteil sei: „Wir liegen mit unserer Firma schon sehr optimal.“ Denn Behälter wie die zwei künftigen Hefetanks können nicht einfach so von einem Ort zum anderen befördert werden, erklärt er – es handelt sich um einen Schwertransport, für den auch schon mal Ampeln auf den Straßen kurzzeitig weichen müssen, falls der Platz nicht ausreicht.
Firma stellt seit Jahrzehnten riesige Behälter in Hildesheim her
Dank des Schifftransports bleibt dieser Aufwand zwar allen Beteiligten erspart. Ganz ohne die Straße geht es aber trotzdem nicht: Den Weg zum Hildesheimer Hafen legen die beiden Behälter in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag mit zwei Lastwagen der Firma Manfred Droste GmbH zurück, in Hamburg soll es dann ebenfalls bis zum Zielort auf Lastwagen weitergehen. Den gesamten Weg zur Hansestadt auf dem Asphalt zurückzulegen stand laut Fronczek aber nicht zur Debatte: „Wir müssten sonst riesige Umwege fahren.“ Denn unter Brücken passen die Tanks nicht hindurch – dafür seien sie viel zu groß. Also wählte seine Firma den Wasserweg über den Mittellandkanal, sie spare so viel Zeit: „Am Dienstag sollen sie in Hamburg ankommen.“
Jorns Behälterbau stellt in Hildesheim bereits seit rund vier Jahrzehnten Tanks und andere riesige Behälter her, sagt Fronczek, der selbst seit acht Jahren im Betrieb dabei ist. Der überwiegende Großteil der Tanks sei für die Nahrungsmittelindustrie gedacht – etwa für Molkereien, der Kakao- oder der Hefeproduktion. Die beiden Tanks, die Richtung Hamburg ziehen, sind für Letzteres gedacht: „In ihnen wird die Hefe angesetzt, in flüssiger Form“, erklärt der Vertriebsleiter.
Behälter aus Edelstahl
Dafür müssten die Behälter auch aus Edelstahl sein, auf dessen Verarbeitung seine Firma spezialisiert sei. Herkömmlicher Stahl, der beispielsweise für Getreidesilos genutzt werde, sei für flüssige Nahrungsmittel ungeeignet – er roste wegen der Feuchtigkeit viel zu schnell. „Wenn ein Behälter rostet“, so Fronczek, „will man da keine Milch draus trinken.“ Und rosthaltiges Hefekonzentrat sei ebenfalls wohl kaum im Sinne der Kundschaft.
